Abflug nach Rio

Strahlende Europameisterin: Martyna Trajdos gewann Gold bei der Judo-EM in Baku, nun will sie auch bei den Olympischen Spielen in Rio aufs Treppchen. Foto: Europäischer Judoverband

Am heutigen Sonnabend, 30. Juli, sitzt Martyna Trajdos im Flugzeug, das sie zu den Olympischen Spielen bringen wird. Die Judo-Europameisterin, die ihre Karriere beim HTB begann, ist eine Medaillenkandidatin

Von Folke Havekost. Der Weg zum Zuckerhut führte über Brandenburg. Vorige Woche trainierte Martyna Trajdos im Bundesleistungszentrum Kienbaum, 40 Kilometer östlich von Berlin. Motto: UWV – „unmittelbare Wettkampfvorbereitung“. Am Dienstag, 9. August, kämpft die 27-jährige Judoka in Rio de Janeiro um olympisches Edelmetall, am Sonnabend stieg sie in den Flieger nach Brasilien.
„Olympia ist ein Kindheitstraum von mir“, erzählt die Europameisterin aus Hamburg, die vier bis fünf Stunden täglich auf der Matte steht: „Und wenn man sich ein bisschen hochgearbeitet hat, will man nicht nur dabei sein, sondern auch eine Medaille schaffen.“
Dass sie sich nun mit der Weltelite im Halbmittelgewicht (bis 63 Kilogramm) misst, wurde der im polnischen Belchatow geborenen Trajdos nicht in die Wiege gelegt. „Als ich Neun war, habe ich meinem Vater gesagt: Judo ist nur was für Jungs!“, erinnert sie sich an ihre erste Abwehrhaltung gegenüber dem japanischen Kampfsport.

Privat kann sie mit ihrem Freund und Judoka Loic Korval fachsimpeln


Judo heißt übersetzt „der sanfte Weg“, für eine Weltklasseathletin ist es aber vor allem ein langer. Trajdos, die im zarten Alter von drei Monaten mit ihren Eltern nach Harburg zog, wechselte 2010 vom Harburger Turnerbund zum Eimsbütteler Turnverband. Der Trainingsbedingungen wegen, die sich seit der Aufnahme in die Bundeswehr-Sportfördergruppe nochmals verbessert haben.
Auch privat kann sie über den Kampfsport fachsimpeln, ihr Freund ist der französische Judoka Loic Korval.
Judo ist unberechenbar: An einem schlechten Tag kann der olympische Traum in Sekunden vorbei sein, geplatzt auf einer Matte, auf der dann der eigene Rücken liegt und schmerzt. An einem guten Tag kann Martyna Trajdos alle schlagen. Wie 2015 bei der Europameisterschaft in Baku, als die Sportstudentin im Halbfinale die Weltmeisterin Clarisse Agbegnenou aus Frankreich und im Endkampf die derzeitige Weltranglisten-Führende Tina Trstenjak aus Slowenien besiegte.
Wenn die aktuelle Weltranglisten-Fünfte über ihren Sport spricht, ist der Enthusiasmus in ihrer Stimme nicht zu überhören. Kein Trainingsalltag, der ihn trüben könnte. „Im Judo ist immer etwas zu tun“, preist sie ihre technisch und mental anspruchsvolle Sportart: „Es gibt so viele Baustellen, dass man immer an etwas anderem feilen kann. Judo ist einfach unheimlich facettenreich.“
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