5.500 Fans an der Winsener Straße

09-Keeper Dechow fängt vor Viktorias Angreifer Meier eine Flanke ab. Mittelläufer Klauke kann im Hintergrund entspannt zuschauen. Vor Dechow spielten Lünzmann, Globisch – Starosta, Klauke, Pollok – Lovasy, Schütze, Winfried Warszta, Rudski und Ptak. Foto: Sport

Fußball-Lokalderby 1961: Rasensport Harburg gegen Wilhelmsburg 09

Von Waldemar Düse. Das „Wirtschaftswunder“ wundert schon niemanden mehr, zu seinem Alltag haben auch diesmal kilometerlange Autoschlangen gehört. Auf den vollgestopften Stehtraversen dominieren die Männer mit Hüten und langen Mänteln. Als Schiedsrichter Picker das brisante Duell an diesem 5. März 1961 schließlich anpfeift, haben sich heute kaum fassbare 5.500 Zuschauer ins Stadion an der Winsener Straße gequetscht.
Ruft man sich die damalige Situation im deutschen Fußball in Erinnerung, dann werden die Begleitumstände dieses „Großkampftags“ fassbarer. Die beiden Kontrahenten Viktoria Harburg und Wilhelmsburg 09, Tabellenvierter und Tabellenzweiter der Landesliga Hamburg, kämpfen um den Aufstieg und das Etikett „Erstligist“. Davon gibt es in den vier Oberligen und der Berliner Stadtliga allerdings 74. Hamburg ist in der Oberliga Nord durch den HSV, den FC St.Pauli, Altona 93, Concordia und Bergedorf 85 vertreten.
Hamburgs höchste Spielklasse wird in der Spielzeit 1960/61 seit langem vom HTB angeführt, wenn auch nur mit einem knappen Drei-Punkte-Vorsprung. In der gleichzeitig zu diesem Nachholspieltag stattfindenden Begegnung der Hamburger Amateurauswahl gegen Westfalen stehen mit Usko, Lewandowski, Neudorf und Menk gleich vier HTBer.
Aber niemanden an der Winsener Straße interessiert an diesem Tag Westfalen. Beide Teams müssen gewinnen, um im letzten Saisondrittel nicht den Anschluss an den HTB zu verlieren. Diese Ausgangslage verspricht Dramatik und Spannung. Das Spiel hält alles, das Publikum erlebt „ein echtes Kampfspiel, in dem bis zum Schlusspfiff mit äußerstem Einsatz um den Sieg gerungen“ wird, so das Fachblatt „Sport“.
Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte setzt Viktoria (in der Aufstellung Wegener – Kurfeldt, Mohr – Krink, Gehrcke, Karger - Meyer, Komoß, Bol, Meier, Menck) zum „Sturmlauf“ an, erweist sich aber im Angriff als nicht durchschlagskräftig genug. Was größtenteils mit der Kompromisslosigkeit der 09er erklärt werden kann. Die Elbinsulaner retten ihr 1:0 durch Warszta (75.) über die Zeit.
Den HTB überflügelt „09“ allerdings nicht mehr. Am Saisonende landen die Wilhelmsburger mit zwei Punkten Rückstand auf Platz zwei. Das Etikett „Erstligist“ bleibt ein Traum.
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