Wer pflegt die Harburger im Alter?

In Sachen Pflege ist Harburg gut aufgestellt, meint Ines Theis, Leiterin der Seniorenresidenz „Harburger Sand“. Foto: Andreas Tsilis
 
Im Marie Kroos Stift hofft man, das die sozialen Errungenschaften in der Pflege nicht zurückgefahren werden. Foto: Marie Kross Stiftung

Es fehlt schon jetzt an Personal – trotz guter Vernetzung der Einrichtungen im Süden.

Von Andreas Tsilis. Die Zahlen sind alarmierend: 46.000 Menschen sind derzeit in Hamburg pflegebedürftig, bis 2025 werden es 53.000 sein. Das sagt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung voraus. Das Plus von knapp 15 Prozent wird noch getoppt, wenn man die Angaben des statistischen Bundesamts zugrundelegt, die von 60.000 Pflegebedürftigen bis 2030 ausgeht.
Allen abstrakten Zahlenspielen zum Trotz stößt das Personal derweil schon heute häufig an die Grenzen der Belastbarkeit. In Hamburg fehlen momentan 1.500 Stellen in der Altenpflege. Im Kampf gegen den Personalnotstand geht die Hansestadt dabei auch ungewöhnliche Wege. Seit diesem Jahr arbeiten 50 Pflegerinnen aus China in Hamburgs Altenheimen.
Das Pilotprojekt ist nur eine Maßnahme von vielen, um den drohenden Pflegekollaps zu verhindern. Ambulante Pflegeeinrichtungen werden finanziell unterstützt, wenn sie einen Auszubildenden einstellen. Außerdem gibt es seit dem 1. Februar 2014 eine gesetzlich geregelte Ausbildungsumlage, mit der die Kosten auf alle Pflegebetriebe gleichmäßig verteilt werden. „Das ist gut für die Pflege und schafft Gerechtigkeit“, sagt Stefan Rehm Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg. Vor Einführung der Umlage hatten Betriebe, die ausbildeten aufgrund höherer Personalkosten einen Wettbewerbsnachteil.
„Errungenschaften der Pflege nicht zurückfahren“
Laut Bertelsmann-Stiftung könnten 2030 in Hamburg 6.400 Vollzeitstellen fehlen, um die Pflege auf dem heutigen Niveau zu halten. Die statistisch prophezeiten schlimmen Zustände in den Pflegeeinrichtungen treibt mancher Heimleitung Sorgenfalten ins Gesicht. „Ich hoffe, dass die sozialen Errungenschaften in der Pflege nicht zurückgefahren werden“, sagt Regina Lohmann vom Marie Kroos-Stift.
Einer wachsenden Zahl älterer Menschen droht zudem, die Pflege im Alter mit ihrer Rente und der Pflegeversicherung allein nicht mehr bezahlen zu können. In Hamburg beziehen fast 15.000 Senioren sogenannte Hilfen zur Pflege.
Für die Pflegeunternehmen im Hamburger Süden ist allerdings nicht alles schlecht. „Die Vernetzung und Ärzteversorgung ist gut“, sagt Ines Theis, Leiterin der Seniorenresidenz am Sand. Das Plus im Süden sei die Harburger Pflegekonferenz, der alle Senioren- und Pflegeheime, sowie Behörden und Verbände des Bezirks angehören. Trotz des harten Wettbewerbs werde viel gemeinsam auf den Weg gebracht.

Pflegekonferenz

Die Harburger Pflegekonferenz ist Vorreiter in Hamburg. Seit 1998 arbeiten dabei Leis-tungsanbieter, Leistungsträger (Sozialamt und Kassen), Sozialverbände und Behörden zusammen. Rund 190 Millionen Euro wird die Hamburger Gesundheitsbehörde 2014 für Hilfen zur Pflege ausgegeben. 2013 erzielten Hamburger Senioren- und Pflegeheime einen Umsatz in Höhe von 435 Millionen Euro. Bis 2030 wird jeder dritte Deutsche über 67 Jahre alt sein. Nach Schätzungen des statistischen Bundesamts sind dann mehr als drei Millionen Menschen pflegebedürftig.
In der K&S Seniorenresidenz „Harburger Sand“ arbeiten von 141 Mitarbeitern über 80 in der Pflege. Das Marie Kross Stift besteht seit 1955.

K&S Seniorenresidenz
„Harburger Sand“,
Tel. 85 18 60
Marie Kross-Stiftung,
Tel. 790 51 10
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