Schnelle Glücklichmacher beim Spanier

Im „Meson Galicia“ empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Tisch zu reservieren.
 
In der Küche steht ein Könner, der das richtige Händchen für Fleisch hat. Foto: Bittcher

Im Meson Galicia von Juan Barreiro im Phoenix-Viertel: Reingehen und wohlfühlen.

Von Andreas Göhring. Tamtam hat er nicht nötig. Juan Barreiro kann gut auf Sterne oder Punkte in irgendeinem der renommierten Restaurantführer verzichten. Vor Jahren wurde sein Restaurante Español zwar mal von einem Szene-Magazin als der „Beste Spanier Hamburgs“ in den Gourmethimmel gebeamt, aber so etwas gerät schnell in Vergessenheit. Und trotzdem ist es ratsam, vorher im „Meson Galicia“ anzurufen und sich einen Tisch reservieren zu lassen – besonders am Wochenende.
Bis zu 75 Gäste haben bei „dem Spanier“ an der Ecke Maretstraße/Gerade Straße – also am Rand des Phoenix-Viertels –  Platz. Wenn alle da sind, kann es in den engen Räumen schon mal ein wenig lauter zugehen, das passt aber. Eher jedenfalls als in einer Sushi-Bar oder im gediegenen „Landhaus Scherrer“ an der Elbchaussee.
Andere müssen ihr Restaurant mit Begriffen wie das „besondere Ambiente“ hochjubeln, hier ist das alles einfach da. Der Gast kommt rein und fühlt sich wohl. So ist das „Meson Galicia“ der ideale Ort, wenn einen der Alltagsfrust gepackt hat. Reingehen, hinsetzen, eine Sopa de ajo (Knoblauchsuppe) vorweg, dann Pollo al ajillo (Hähnchen in Knoblauch gebraten) als Hauptspeise, dazu eine Flasche roten Rioja. Das ist Hardcore, eine Überdosis Knoblauch. Sie macht am nächsten Tag vielleicht einsam, aber glücklich.

Mehr als nur schnelle Glücklichmacher

Aber die spanische Küche hat mehr zu bieten als die schnellen Glücklichmacher, die Barreiros können den Genießer fassungslos machen. Fündig wird man auf der Tageskarte, auf der die Gerichte immer wieder wechseln – zum Beispiel als kleine Kostprobe vorweg Spinat. Nicht der durchgedrehte Spinat aus der Kindheit, jener Einheitsbrei mit angeblich besonders hohem Eisenanteil („Das ist gut für deine Knochen“), der so manchem dieses köstliche Gemüse auf Lebzeit nachhaltig vergällt hat. Und auch nicht jenes vereistes Convenience-Produkt mit dem Blubb. Nein, frischer Blattspinat, kurz in der Pfanne gebraten, dazu Rosinen, Pinienkerne und das herrliche Brot, das gleich als Erstes mit einem Töpfchen Aioli gereicht wird.
Übrigens: Wenn uns nicht alles täuscht, ist die Aioli wirklich die klassische ursprüngliche. Also: einzige Zutaten sind Knob-lauch. Öl und ein wenig Salz. Kein Ei, kein Eigelb, kein Senf, keine Zitrone, Emulgator ist der Knoblauch selbst. Das muss man können und das richtige Gefühl für Konsistenz und Geschmack haben. Die Herstellung ist mühsam, aber es lohnt sich.
Aber auf der Karte steht noch etwas, was den neugierigen, stets nach neuen Geschmackerlebnissen strebenden Genießer lockt: Raxo! Klingt gut, aber was könnte das sein? Eine Spezialität aus Galicien. Aha! Meson Galicia. Wo liegt Galicien (nicht zu verwechseln mit Galizien in Südpolen und der westlichen Ukraine) überhaupt? Zumindest dem HSV-Fan dürfte diese Region nicht ganz unbekannt sein. In der Gruppenphase der Champions League 2000/2001 bezwang der galicische Verein Deportivo La Coruña die Hanseaten.
Zurück zu Raxo, ein Gericht mit kleinen Stücken Schweinefilet in einer sämigen Sauce mit erkennbarem, aber nicht dominanten Lorbeergeschmack, dazu Ofenkartoffeln und Wurzelgemüse. Ein Erlebnis. Ein neuer wunderbarer Geschmack.
Und nicht nur beim Raxo, auch bei der Vorspeise mit Kalbsleber oder dem Lammfilet merkt man: In der Küche steht ein Könner, der das richtige Händchen für Fleisch hat. Alles auf den Punkt, zart und saftig. Das bekommt man leider nicht überall, aber im Meson Galicia ganz bestimmt. Und: Bei diesem Aufwand, bei diesem Können sind die Preise ausgesprochen günstig!

Meson Galicia
Maretstraße 60,
21073 Hamburg
Tel. 766 63 15
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag
17 bis 23.30 Uhr
Dienstag Ruhetag
www.meson-galicia.de
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