„Probieren und gucken“

Katrin Schmitt liebt Kinderbücher. Ihre Kunden tun es auch. Foto: Andreas Tsilis
 
Wer sich keine Zeit für den Kunden nimmt, verliert diesen ans Internet, sagt Regine Schneider. Foto: Andreas Tsilis

Immer mehr Bücher werden online verkauft – ansässige Buchhändler halten dagegen.

Von Andreas Tsilis. „Ich weiß nicht, wie es heißt, aber es ist kariert und es lief im NDR oder so.“ Solche und ähnliche Sätze hört Regine Schneider häufiger. Dann beginnt die Heimfelder Buchhändlerin zu recherchieren, indem sie Online-Datenbanken oder Antiquariate durchforstet. Manchmal reicht auch ein Anruf bei der Redaktion. Wer das nicht macht, verliert den Kunden ans Internet, sagt die Inhaberin von Leichers Buchhandlung.

Jedes sechste Buch wird im Internet verkauft

Statt Internet könnte sie auch Amazon sagen. Der Handelsgigant dominiert den Online-Verkauf mit gedruckten Büchern. Kein anderer Händler verkauft zudem so viele E-Books, was auch an der Popularität des „Kindle“, Amazons elektronischem Lesegerät (E-Reader), liegt. Jedes sechste Buch wird mittlerweile im Netz verkauft. Tendenz steigend. Auch der Umsatz mit elektronischen Büchern legte 2013 um satte 60 Prozent auf 163 Millionen Euro zu. Gemessen am Gesamtumsatz von 9,54 Milliarden Euro sind das Peanuts, dennoch wollen sich auch deutsche Buchhandelsketten ein großes Stück vom Online-Kuchen sichern.
Mit dem „Tolino Vision 2“ biete man eine preiswerte Alternative zum Kindle, heißt es bei Thalia, einem Mitglied der Allianz gegen Amazons Vormachtstellung. Über den Großhändler Libri ist auch der stationäre Buchhandel mit im Tolino-Boot. Man hofft dadurch den Kunden im Laden zu halten.
Manch Harburger Buchhändler bleibt skeptisch. E-Reader und E-Book haben nicht den Stellenwert wie es einem weisgemacht wird, sagt Schneider. „Jüngere und Studenten suchen das haptische Erlebnis (etwas zu berühren, Anmerkung der Redaktion) und wollen was im Regal stehen haben.“ Die ältere Generation profitiere hingegen von veränderbarer Schriftgröße und weniger Gewicht, weiß Schneider.
Auch Katrin Schmitt, Inhaberin der Buchhandlung am Sand, glaubt nicht an den großen Verkaufserfolg der elektronischen Bücher in ihrem Geschäft. Die Nachfrage sei gering, außerdem würden sich Online-Käufer kaum in ihrem Buchladen verirren. „Unsere Kunden“, sagt Schmitt, „sprechen gern über Bücher und wollen beraten werden.“ Internetkäufer seien da deutlich zurückhaltender.
Den Wettbewerb mit den Internethändlern überlebt nur, wer eine Nische bedient. Das kann der bessere Service oder die Konzentration auf ausgewählte Literatur sein. Kurz: Klasse stattt Masse. Wohin die Reise im Buchhandel geht, weiß deshalb niemand. Es sei eine Art Lotterie, sagt Regine Schneider. „Man muss probieren und gucken.“

Trends im Buchmarkt

Amazon lockt Kindle-Premiumkunden mit einer online-flatrate für 49 Euro Jahresbeitrag. Andere wollen E-Reader überflüssig machen: Bücher sollen mit dem Internetbrowser (Computerprogramm) lesbar sein.

E-Book-Käufer lesen Romane wieder häufiger in gedruckter Form, Tendenz steigend: 65 Prozent aller Verlage haben E-Books im Programm.
2013 wurden bundesweit 21,5 Millionen e-Books verkauft.
Leichers Buchhandlung,
Meyerstraße 1, Tel. 77 41 16
Buchhandlung am Sand,
Hölertwiete 5, Tel. 77 19 08
www.amsand.de
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