„Plastik kommt uns nicht ins Haus“

Ute Sommer und der hitverdächtige „nic“-Feuerwehrwagen aus nachhaltigem und hochwertigem Holz. Foto: Tsilis

Spielwaren Brinkmann verkauft mit Puppen- und Holzspielzeug auch Erinnerungen.

Von Andreas Tsilis. Ute Sommer holt eine Feuerwehr aus Holz aus der Schaufensterauslage: Sieben Mann Besatzung, handlich, eine Drehleiter. Mehr braucht es nicht zum Spielen. Sommer nimmt eine Figur in die rechte Hand, mit der linken dreht und wendet sie das Rettungsfahrzeug.
„Das ist unser Hit von nic, für Kinder ab drei“, sagt die Verkäuferin von Spielwaren Brinkmann. „nic“ heißt der Hersteller, der in Deutschland produziert und in seinen Broschüren mit „Erfüllung strengster Anforderungen und Richtlinien“ wirbt. Bei Brinkmann ist das neben Nachhaltigkeit und Qualität wichtig, um ins Sortiment aufgenommen zu werden.
Aus der Werkstatt kommend, schaltet sich Uwe Czichy in das Gespräch ein. Czichy, in der Hauptsache für Fahrräder, Brinkmanns wirtschaftlichem Standbein, zuständig, schnappt sich eine Kugelbahn. Während die Murmeln heruntersausen, beschreibt er, wie der Kunde so ti-ckt. Viele Stammkunden kaufen für ihre Enkel oder für sich die Sachen, die sie als Kinder nie bekamen. Andere schauten sich die Spielwaren an, tippten etwas ins Handy und gingen wieder. „Jeder vierte Kunde kommt, schaut, geht und bestellt im Internet“, klagt Czichy.
Der boomende Onlinehandel sorgt nicht nur bei Brinkmann für stagnierende Umsätze. Fast 25 Prozent der Bundesbürger kaufen nach Angaben des Bundesverbands Einzelhandel ihr Spielzeug im weltweiten Netz. Das treibt gerade kleine Fachbetriebe ohne angehängten und suchmaschinenoptimierten Onlineshop so manche Schweißperle auf die Stirn.
Bei niedrigen Gewinnmargen und fehlendem Rückgaberecht für Ladenhüter überlege man sich das Produktangebot sehr genau: „Wir tragen das volle wirtschaftliche Risiko“, so Czichy. Das Sortiment mit gut verkäuflichem Spielzeug wie Lego „Star Wars“ oder Playmobil zu erweitern, kommt aber nicht in Frage. „Plastik kommt uns nicht ins Haus“, mahnt Verkäuferin Ute Sommer. Statt Bösewicht Darth Vader gibt es lieber handgemachte Käthe Kruse Puppen – und die passende Puppenstube aus Holz mit Minitelefon, elektrischer Wandlampe und individuellem Wanddekor.
„Schauen Sie mal“ begeistert sich Ute Sommer und nimmt eine winzige, stilechte Nähmaschine „Das ist wie im richtigen Leben.“ Irgendwie bleibe man immer auch ein Kind, rutscht es schließlich aus ihr heraus. Schaut man sich den unaufdringlichen, mit Liebe und Bedacht eingerichteten Laden an, fällt es nicht schwer, ihr das zu glauben.

Die Ernst Brinkmann KG

wurde 1929 in Harburg gegründet. Die Bereiche Spielwaren und Fahrräder sind das Überbleibsel einer deutschlandweiten Kette mit mehr als 40 Technikwarenhäusern (unter anderem in der Spitalerstraße) und über 4.000 Mitarbeitern.
Der Betrieb ist spezialisiert auf hochwertiges Puppen-, Holz- und Bewegungsspielzeug.Es gibt fünf Mitarbeiter. Viele Kunden kaufen bereits in zweiter oder dritter Generation dort ein.
Ernst Brinkmann Spielwaren, Wilstorfer Straße 58,
Tel. 77 06 82
www.e-brinkmann.de
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