Im Winter lieber in die Sonne

Ein Pilotprojekt für bekannt-unbekannte Weltansichten: Ab Anfang 2015 will Branchenriese Thomas Cook hierzulande drei Filialen mit seiner virtuellen Datenbrille ausstatten. Foto: Thomas Cook
 
Das „volle Reiseprogramm“ gibt es bei Michael Boberg, Inhaber des Hermes Reisebüros. Expedientin Mareike van Delft ist eine der Profis im Firmenreisedienst. Foto: Andreas Tsilis

Reisebüros, die Nischen bedienen, haben Wettbewerbsvorteile.

Von Andreas Tsilis. Im Sommer in die Sonne, im Winter in den Schnee: so sah bei vielen früher die klassische Reiseplanung aus. Doch das Blatt wendet sich, immer mehr Bundesbürger wollen auch im Winter an den Palmenstrand. Innerhalb von sieben Jahren hat der Winterurlaub in die Sonne um 50 Prozent zugenommen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Berlin.
Bevorzugte Reiseziele sind „Flugnahebiete mit Sonnengarantie,“ sagt Janina Feldmann, Reise-Expertin im Karstadt Reisebüro am Schloßmühlendamm. „Die Kanaren laufen gut, auch die Türkei oder Ägypten werden gebucht.“
Maximal fünf Stunden, länger darf der Nonstop-Flug in die Sonne dabei nicht dauern – darin gleicht der Harburger dem Münchener. Der reine Wintersportkunde ist im Reisebüro zur seltenen Spezies geworden. Die Wenigen, die sich im Urlaub lieber dick einmurmeln, buchen ein Jahr im Voraus und direkt vor Ort. Im Reisebüro werden nur noch die Bahntickets gekauft, wenn es sie denn dort gibt. „Nicht jedes Reisebüro hat dafür eine Erlaubnis“, sagt Michael Boberg, Inhaber des Hermes Reisebüros in der Moorstraße.
Traumziele per Fernbedienung

Sein Büro ist ein „klassisches Voll-Reisebüro“, mit Lizenz des Verbandes der Linienfluggesellschaften IATA, Linienflügen, Bahntickets und Pauschaltou-
ristik. Dass nicht jeder Reisebüro-Inhaber Angebote jedes Veranstalters verkaufen kann, ist Bobergs Wettbewerbsvorteil. Darauf ausruhen kann sich der alteingesessene Unternehmer nicht. Dafür gibt es im Umkreis von wenigen Metern zu viel Konkurrenz mit vergleichbaren Angeboten.
Neben einem herausragenden Service lohnt es sich deshalb,
Nischen zu bedienen. Bei Boberg sind das spezielle Ticket-Tarife für Seeleute und Flugscheine für Security-Dienstleister auf Seefrachtschiffen. Das Geschäft ist lukrativ: Die Hafenstadt Hamburg ist der Sitz vieler Reedereien.
Einen anderen Weg geht man in den Sonnenklar Reisebüros. Zur Unternehmensgruppe gehört mit Sonnenklar.TV ein Reise-Shoppingsender, der rund um die Uhr Destinationen vorstellt und anpreist. Als der Harburger Sonnenklar-Reiseprofi Alexander Stutz im hauseigenen Fernsehen auftrat, schnellten die Verkaufszahlen in der Phoenix-
Center-Filiale in die Höhe.
Geschäftsführer Maik Schröder: „Günstige Reisen und teure
Luxuskreuzfahrten boomen.“

Tourismus

Die Reisewirtschaft brummt auch dank moderner Technik: Reisekonzern Thomas Cook startet 2015 sein Pilotprojekt einer Datenbrille mit virtuellen („künstlichen“) Urlaubsinhalten. Bei Sonnenklar.TV lassen sich Traumziele mit der Fernbedienung bereisen. Hermes, Harburgs ältestes Reisebüro, setzt im Firmenkundengeschäft auf E-Mail und Internet.
Bundesweit gibt es 2,9 Millionen Beschäftige in der Tourismusindustrie. Die volkswirtschaftliche Leistung („Bruttowertschöpfung“) betrug 2013 laut Deutschem Tourismusverband 97 Milliarden Euro. Das ist mehr als in der Kraftfahrzeugindustrie oder Bankwirtschaft. (ATS)

Hermes Reisebüro,
Moorstraße 23, Tel. 767 97 80,
Reisebüro Sonnenklar,
Phoenix-Center 1. OG,
Tel. 18 19 03 94,
Karstadt Harburg Reisebüro, Schloßmühlendamm 2,
Tel. 76 60 54 11.
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