Hamburgs Wege und Plätze sind ein Millionengeschäft

Litfaß- Säule in Harburg. Die runden Betonsäulen mit ihren geklebten Plakaten bleiben dabei erfrischend unmodern. Foto: Andreas Tsilis

Sie hält sich wacker und bringt der Hansestadt beachtliche Einnahmen: 160 Jahre Litfaß-Säule.

Von Andreas Tsilis. 1855 kam mit der Litfaß-Säule erstmals großformatig geklebte Plakatwerbung auf die Straße. Der Berliner Drucker Ernst Litfaß hatte sie erfunden. Heute gehören sie zu den Dinosauriern unter den Werbeträgern im öffentlichen Raum. 55 davon stehen noch im Bezirk Harburg, sie gehören der Ströer Media SE, einem von zwei Weltkonzernen, die in Hamburg seit 2007 die Außenwerbung komplett umgemodelt haben. Der andere Branchenriese heißt Wall Decaux – beide haben mit der Hansestadt umfangreiche Werberechtsverträge bis 2023 abgeschlossen. Weg vom geklebten Plakat hin zur „Digitalen Out of Home Werbung“ (DOOH) heißt die Devise.
Allem Wandel zum Trotz sollen die Litfaß-Säulen aber grundsätzlich so bleiben, wie sie sind. Dasselbe gilt für 230 „Kultur-Litfaß-Säulen“, die Ströer übernehmen musste. Eine „Verschrottung“ finde nur bei kaputten, nicht reparablen Säulen statt, heißt es dazu bei Ströer. Als Gegenleistung für die Überlassung des öffentlichen Raumes zu Werbezwecken, zahlen beide Unternehmen Miete. Und die sind nicht von Pappe. Beispielsweise hatte Hamburg dafür 2013 rund 30 Millionen Euro eingeplant. Die Mietzahlungen können jährlich differieren, die komplizierten Berechnungsgrundlagen stehen in den Werberechtsverträgen.

21 Millionen Euro Mietrückstand

Nicht immer wurden fällige Mieten pünktlich und in voller Höhe gezahlt. Der Enthusiasmus, mit dem beide Unternehmen ihre neuesten Werbe-Techniken regelmäßig anpreisen und installieren, stand noch bis Anfang diesen Jahres im auffälligen Gegensatz zur Zahlungsmoral. So endete Ende Januar 2015 ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Stadt Hamburg und den beiden Medien-Konzernen mit einem Vergleich: Daraus erhielt Hamburg mehr als 21 Millionen Euro aus fälligen Mieten.
Vergleichsweise bescheiden fallen dagegen Miteinnahmen für private Grundstückseigentümer aus, die ihren Grund und Boden für Werbeträger bereitstellen. Abhängig von Standort, Mietdauer und Werbeträger sind 800 bis 1.000 Euro pro Jahr durchaus drin.
Unterdessen beginnt auch auf Hamburgs Straßen und Plätzen das große Aufrüsten mit Video. Bereits jetzt lässt sich technisch festhalten, wer wann wo und vor welchem Bildschirm steht.
Bei der Litfaß-Säule geht das nicht, die bleibt erfrischend unmodern.

Außenwerbung

Umsatz 2014: Wall Decaux 2,813 Milliarden Euro
Ströer 721 Millionen Euro
Wall Decaux unterhält 2.150 HVV Fahrgastunterstände.
Die Stadt erhält insbesondere für Eigenwerbung 400 Werbeflächen, Werbegutschriften und besondere Entgelt-Rabatte. Bundesweit gibt es 110.000 werberelevante Bildschirme und 18.000 Standorte. (ATS)
Quellen: GFK Media Studie 2014; Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation; Drucksache 20/9030; 18/7234; 20/1799;
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3 Kommentare
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kai dirksen aus Eimsbüttel | 02.08.2015 | 03:17  
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Jens Bend aus Eissendorf | 16.09.2015 | 18:09  
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Andrea Keseling aus Rönneburg | 17.11.2015 | 13:56  
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