Wolken

Kolumne: Dem Harburger Flaneur
fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Der Flaneur wohnt im zweiten Stock eines Hauses in der Heimfelder Straße. Er blickt nach oben auf die Wolken. Seine treueren Leser werden sich daran erinnern, daß er eine besondere Beziehung zu Bäumen hat. Er fühlt sich in Deutschland so wohl, weil für die deutschen Menschen der Wald fast ein Heiligtum ist, wie für die englischen Menschen das Meer, was ja nicht überraschend für ein Inselvolk ist.
Ja, er muss oft staunen, wie sorgsam die Deutschen mit ihren Bäumen umgehen. Vor seiner Haustür erstreckt sich eine Reihe von 75 herrlichen Lindenbäumen, in die eine Richtung bis zum Hotel Lindner, in die andere fast bis zu der Heimfelder S-Bahn. Wer hat sie gepflanzt? Wer hat sie gepflegt? Er hat in Erfahrung gebracht, dass die Stadt Hamburg sogar ein extra Baumdezernat hat. Eine wahrlich erstaunliche Tatsache.
Zurück zu den Wolken.
Der erste Menschen, der sich wissenschaftlich mit ihnen beschäftigt hat, war ein Engländer, Luke Howard. Kein Geringerer als der Dichterfürst Goethe hat ihm Tribut gezollt und eine Reihe Wolkengedichte geschrieben, ein Gedicht zu je einer der vier Wolkenarten, Stratus, Cumulus, Cirrus und Nimbus.
Hier das Cumulusgedicht:
„Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre
Der tüchtige Gehalt berufen wäre,
Steht Wolke hoch, zum herrlichsten geballt,
Verkündet, festgebildet, Machtgewalt
Und, was ihr fürchtet und auch wohl erlebt,
Wies oben drohet, so es unten bebt.“
Da kommt unser Flaneur auf einmal in die Gefahr, seine Abneigung gegen den Mann zu vergessen. „Zum herrlichsten geballt“ ist echt toll, oder?
Nun aber zurück zum kleinen Zimmer oben in dem Haus in der Heimfelder Straße. Wir fühlen uns, da wir Goethe im Geiste dabei haben, in guter, ja in bester Gesellschaft.
Nun wird die Pfeife gestopft und angezündet, und die Wolken werden angeschaut.
Die Bäume haben eine feste Gestalt. Die Wolken eine ständig sich ändernde. Wenn wirs genau überlegen, müssen wir sagen, dass, seit die Welt begann, es nie zweimal genau den gleichen Wolkenhimmel gegeben haben kann. Die Wolken sind nämlich echte Künstler, ständig im Wandel begriffen, nie sich ausruhend, immer in Bewegung, manchmal in einer kaum merklichen, manchmal – kommt der Wind zur Hilfe in einer eiligen.
Der Menschheitslehrer, Rudolf Steiner, hat einmal die Anregung gegeben, man sollte versuchen sich den Wolkenhimmel ins Gedächtnis einzuprägen, dann am nächsten Tag die Wolken nochmal anschauen und nachvollziehen, wie das eine Bild sich in das andere verwandelt hat. Oder „metamorphosiert“ wie er sagte, sich an Goethe anlehnend.
Versuchen Sie es, wenn Sie wollen, liebe Leser. Es ist mehr als schwer. Der Flaneur hat es nicht geschafft.
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