Wirtschaftswunder-Boss liebt Schuhverkäuferin

1960 steht ein erfolgreicher Geschäftsmann vor Gericht – Teil 1

W. Düse, Hamburg

Die ersten kommen schon frühmorgens. Mittags ist die Menge vor der Überseebrücke auf Zehntausend angewachsen, die an diesem 17. Februar 1960 den englischen Flugzeugträger „Victorious“ besichtigen will. Die Betonung liegt auf „will“. Die Menge bahnt sich ihren Weg durch Polizisten und Soldaten hindurch zum Schiff. In dem gefährlichen Gedränge werden mehrere Personen schwer verletzt.
Nur wenige hundert Meter entfernt vor dem Strafjustizgebäude. Auch hier ein Andrang, aber geordnet. In Sechserreihen wird gewartet, für den „Skandalprozess“ werden Eintrittskarten ausgegeben. „In den Zuschauerbänken auffallend viele elegant gekleidete Frauen“, wird der Prozessbeo-bachter des „Hamburger Abendblatts“ feststellen.
Verhandelt wird wegen eines Tötungsdeliktes gegen den am 19. September 1909 geborenen Herbert Gerdts, seit Jahren eine schillernde Figur in der Stadt. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg und während des Kriegs ist er in den Ölfirmen Aldag und Tissles ein erfolgreicher Geschäftsmann. Dann als Öl- und Finanzspekulant reich geworden, ein typischer Vertreter der Gattung egomanischer Wirtschaftswunder-Aufsteiger. Ausgestattet mit einem scharfen, weitsichtigen Verstand, mit dem er seinen geschäftlichen Erfolg bis in kleinste Verästelungen plant.
Tötungsdelikt in der
Kleingartenkolonie
Der gut aussehende, dunkelhaarige Mann mit dem „großen Geltungsbedürfnis“ stellt seinen Reichtum ganz unhanseatisch gerne zur Schau und hat eine Vorliebe für attraktive, wesentlich jüngere Frauen. Als er die knapp 25 Jahre jüngere Schuhverkäuferin Gerda H. kennenlernt, wird sein bisheriges Leben aus den Angeln gehoben.
Der achttägige Prozess bringt eine ebenso bizarre wie alltägliche Beziehung mit einem mörderischen Ende ans Tageslicht.
Rückblende: 29. August 1958. Herbert Gerdts steht am Bahnhof Billwerder-Moorfleet. Sein kühl kalkulierender und berechnender Verstand schafft es nicht, die gewohnten klaren Gedanken zu fassen. Sagen wir mal so: Seine Gefühle haben die Herrschaft übernommen, sie verheißen nichts Gutes. Er will Gerda abpassen, aber die kommt und kommt nicht. Schließlich schleicht Gerdts zur Schreberkolonie „Aufbau“ am Fliederweg. Im Behelfsheim der „Parzelle 162“ lebt ihre Familie.
Lesen Sie nächste Woche, was damals in Billwerder-Moorfleet geschah.

Die Krimiserie
In loser Folge stellt das Elbe Wochenblatt am Wochenende die spannendsten Kriminalfälle aus Hamburg vor. In der heutigen Ausgabe geht es um einen spektakulären Fall aus dem Jahr 1960..
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