„Wir verändern die Welt“

Prominente Unterstützerin: Pauley Perrette, hierzulande bekannt aus der Fernsehserie „Navy CIS“, ist UTW-Anhängerin der ersten Stunde.
 
Naturschützer von den Philippinen: Diese Gruppe aus Olongapo City hat in der Nähe von Manila einige Bäumchen gepflanzt, die vom Aussterben bedroht sind.

Am 8. Juni wird weltweit der erste „Unfuck The World Day“ gefeiert: Dahinter steckt die gebürtige Hamburgerin Maike Both, die mittlerweile in Hollywood lebt.

Von Sabine Deh. Wenn Maike Both nach vier Stunden Schlaf wach wird, haben sich bei ihr schon wieder neue Unfucker gemeldet. „Als Erstes checke ich beim Kaffee E-Mails, Facebook und SMS“, sagt die Hamburgerin, die seit 20 Jahren in Los Angeles lebt. Die lebhafte Frau mit den blonden Haaren hat vor sechs Jahren mit einem T-Shirt, mit dem Aufdruck „Unfuck The World“ (UTW) eine Bewegung in Gang gesetzt, von deren Erfolg sie selbst überrascht ist.
Das rüde „F-Wort“ wirkt insbesondere im prüden Amerika zunächst abschreckend. „Provozieren wollte ich aber gar nicht, sondern zum Nachdenken anregen“, sagt Maike Both. In einer Welt, in der immer mehr althergebrachte Werte den Bach runter gehen, gebe es ihrer Meinung nach sowieso wichtigeres zu tun, als über die Bedeutung von vier Buchstaben zu diskutieren. Außerdem bedeute unfuck in der amerikanischen Alltagssprache etwas Gutes zu tun, positive Energie freizusetzen und das Steuer herumzureißen. Both hat begonnen, diese Idee auf die gesamte Welt zu übertragen: „Jeder kann dazu betragen, unsere Erde zu einem besseren Ort zu machen“, sagt sie. Auf dem UTW-Logo wächst deshalb aus dem „Stinkefinger“ ein großer Baum. Der „mir doch egal Haltung“ setzt die Initiative den Gedanken, sich zu kümmern entgegen.
Am kommenden Sonnabend, 8. Juni, wird die junge UTW-Bewegung zeigen, was sie weltweit auf die Beine stellen kann. In sechs Ländern auf vier Kontinenten wird der erste „Unfuck The World Day“ gefeiert. Auch die kleine UTW-Zelle aus Boths Heimatstadt ist mit dabei. In Hamburg beginnt die private Veranstaltung mit Kind, Kegel, Hunden und Livemusik um 17 Uhr am Elbstrand in Oevelgönne. In den USA, Island, Großbritannien, Australien und den Philippinen gibt es Livemusik, Vorträge, Theater und anderen Aktivitäten.
In einem Club in Ost-London, im Bootleg-Theater in Los Angeles, bei einem Barbecue auf einer Farm in Brisbane, einem Straßenfest für eine Ortsfeuerwehr in Reykjavik und eben am Elbstrand wollen die Unfucker etwas verändern. „An einigen Orten wird es etwas improvisiert zugehen“, räumt Maike Both ein. Wichtig sei aber nicht, einen teuren Veranstaltungsort zu mieten, sondern die positive Energie, die ihre Mitstreiter vor Ort entwickeln. So wird durch die Erlöse der Party in Los Angeles das Gay and Lesbian Homeless Youth Center unterstützt. In London fließt der Erlös in „The Ocean Projekt“. Die Organisatoren in Hamburg wollen der Trinkwasserinitiative Viva con Agua, dem Verein Dunkelziffer für missbrauchte Kinder sowie Hinz und Kunzt helfen.
Maike Both glaubt, dass auch viele kleine Aktionen etwas bringen. „Jeder kann etwas bewegen, egal ob er Einkäufe für alleinstehende, alte Nachbarn erledigt, eine Suppe für Obdachlose kocht, oder sich für andere diskriminierte Randgruppen einsetzt“, glaubt Both. Von Skeptikern, die glauben, ihr Engagement könne nicht mehr sein, als ein Tropfen auf dem heißen Stein, lässt sich die unerschütterliche Optimistin schon gar nicht nicht beirren.
Both wohnt und arbeitet als Filmausstatterin und Musik-managerin im berühmtesten Stadtteil von Los Angeles: Hollywood. Dort unterstützte sie zunächst ein Obdachlosen-Projekt unmittelbar vor ihrer Haustür. Vor sechs Jahren begann sie, T-Shirts mit dem UTW-Aufdruck auf ihrer Website für den guten Zweck zu verkaufen. Im engen Deutschland hätte sie womöglich nie daran geglaubt, dass aus einigen fair gehandelten Baumwollhemden eine weltweite Bewegung entstehen könnte. Im Land des amerikanischen Traums, wo man überzeugt ist, alles schaffen zu können, wenn man es wirklich will, legte sie einfach los.
Über Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke erreicht sie inzwischen weltweit hunderttausende Menschen, die ihre Homepage www.UTWday.org nicht nur mit dem „Gefällt mir“ Button bewerten, sondern auch selbst aktiv werden.
In Olongapo City, einer Kleinstadt in der Nähe von Manila, pflanzten rund 300 Anhänger viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen und stellten Fotos ihrer kleinen Zeltstadt ins Netz.
Barney, einer von Maike Both alten Hamburger Freunden, hat zusammen mit Tico von Ticos Orchester eigens für den UTW-Day eine Hymne komponiert und getextet. Die Sprachsamples stammen aus einer Rede des Bürgerrechtlers Martin Luther King.
Das nächste große Ziel der taffen Amerikanerin mit den deutschen Wurzeln: „Ich wünsche mir, dass auch Menschen in Afghanistan, Nord-Korea und China meine T-Shirts tragen und die UTW-Idee für sich umsetzen“, so Maike Both. Es könnte viele weitere Unfucker auf der ganzen Welt geben, die ihr auf angenehme Weise den Schlaf rauben.
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Maike Both aus Altona | 06.06.2013 | 07:51  
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