Wieder ein Kran gerettet!

Hier hängt der blaue Kran selbst am Haken. Im vergangenen Jahr wurde er abgebaut. Foto: kulturwerkstatt
 
Nach seiner Restaurierung wird dieser blaue Kran, ein „Peiner W40“, wieder am Lotsekai stehen. Foto: kulturwerkstatt

Für die Sanierung des blauen „Peiner W40“ bekommt die KulturWerkstatt Harburg 370.000 Euro

Olaf Zimmermann, Harburg

Zu einem echten Hafen gehören Kräne. Im Harburger Binnenhafen steht am Lotsekai bereits der gelbe „Kultur-Kran“. Jetzt kommt ein blauer Kran hinzu. Der „Peiner W40“ musste im vergangenen Jahr wegen der Sanierung der Kaimauer seinen Platz am östlichen Ende des Lotsekais räumen. Nun wird er saniert und kann danach an alter Stelle seine Tätigkeit als „leichter Werft- und Hafenkran“ wieder aufnehmen.
Verantwortlich für die Rettung des Krans ist erneut die KulturWerkstatt Harburg (KWH). Bereits vor zehn Jahren hatte die KWH um den gelben Kulturkran gekämpft. Mit Erfolg!
Für ihr Kran-Engagement erhält die KulturWerkstatt insgesamt 370.000 Euro. Die Hälfte der Summe zahlt der Bund, der Rest wird von der Stadt Hamburg, vom Bezirk Harburg und durch Spenden getragen. „370.000 Euro klingt nach viel, macht den Verein aber nicht reich, denn diese Mittel sind zweckgebunden und fließen ausschließlich in die Kran-Restaurierung“, erläutert Gorch von Blomberg (KulturWerkstatt). Außerdem werden von dem Geld beim gelben Kran
Sicherheitseinrichtungen ergänzt.
Wie geht es weiter? Wenn der Gutachter seine Untersuchung abgeschlossen hat, wird das genaue Vorgehen bestimmt und eine Ausschreibung durchgeführt. Im Idealfall können die Sanierungsarbeiten am blauen Kran schon im Frühsommer beginnen.
Ziel ist, das Ensemble am Lotsekai soweit zu vervollständigen, dass sowohl Hakenbetrieb (blauer Kran) als auch Schüttgut-Umschlag im Greifer-Betrieb (gelber Kran) wieder gezeigt werden können. Zwischen den Kränen und auf dem Wasser soll Raum für kulturelle Aktivitäten bleiben.
Die „Kranwerkstatt“ der KulturWerkstatt freut sich über Unterstützung jeder Art: finanziell oder tatkräftig! Man trifft sich monatlich zweimal: Zur Besprechung am zweiten Dienstag im Monat um 19 Uhr in der KulturWerkstatt, Kanalplatz 6, sowie zum Arbeitseinsatz am Sonnabend derselben Woche vor Ort.
Kontakt: Tel. 7652613,
E-Mail: info@kulturwerkstatt-harburg.de


Ein technisches Denkmal erhalten

Gespräch mit Gorch von Blomberg von der KulturWerkstatt Harburg

Glück gehabt. Mit dem blauen Kran bleibt im Binnenhafen ein weiteres technisches Denkmal erhalten. Das Elbe Wochenblatt sprach darüber mit Gorch von Blomberg (KulturWerkstatt).

Die Rettung des Blauen Krans am Lotsekai: Woher kam der Anstoss für dieses Vorhaben? Der Kran wurde 2007 unter Denkmalschutz gestellt und war für den Betreiber nicht mehr nutzbar. Aufgrund jahrelanger Kontakte zum letzten Betreiber war klar, dass dieser den Kran nur vertrauensvoll in die Hände der KulturWerkstatt (KWH) geben würde.
Für die Kaimauer-Sanierung musste das Bezirksamt den Kran entfernen, der aufgrund des Schutzstatus wieder aufgestellt werden musste. So wurde an die KWH die Bitte zur Übernahme und Sanierung herangetragen, hat sie doch beim gelben Kran bewiesen, dass sie ein solch großes und komplexes Projekt stemmen und verantwortlich durchführen kann.
Für die KWH, die keine Eigenmittel besitzt, war klar, dass dies nur mithilfe einer kompletten Fremdfinanzierung durchführbar ist. Unterstützt von Metin Hakverdi (MdB) konnte der Großteil der notwendigen Mittel in Berlin aus dem Sonderfonds Denkmalschutz eingeworben werden.

Was muss beim Blauen Kran alles restauriert werden? Ist er derzeit funktionsfähig?
Der blaue Kran ist seit den 80er Jahren nicht mehr geprüft worden. Er ist im Originalzustand des Baujahres 1960 und hat bis zuletzt eingeschränkt funktioniert. Derzeit ist der Kran demontiert. Das Tragwerk ist in Ordnung, die Verblechung wird denkmalgerecht erneuert, einige Stahlteile müssen ersetzt werden und die vorhandene Technik muss generalüberholt werden. Dazu stehen wir in Kontakt mit den Nachfolgeunternehmen damaligen Herstellers „Peiner Maschinenbau“. Ziel ist eine vollständige Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit.

Wie soll der Blaue Kran nach erfolgter Restaurierung genutzt werden? Als Kulturkran II oder zum Schau-Kranen? Ein funktionsfähiges technisches Denkmal kann nur durch den Betrieb erhalten werden. Insofern wird der Kran für gelegentliche Hebe-vorgänge genutzt werden, etwa im Zusammenhang mit Bedürfnissen des Museumshafens Harburg. Diesen Aktionen kann und soll die interessierte Öffentlichkeit beiwohnen. Mit zwei Hafenkranen deutlich unterschiedlicher Ausstattung und den derzeit zwei Eisenbahnwaggons an der Kaikante entsteht ein lebendiges, begehbares industriekulturelles Ensemble.
Gut wäre, wenn die Blickbeziehung zwischen den zwei Kran-Standorten gewährleistet wäre, indem die Planung auf dem dazwischenliegenden Grundstück durch das Bezirksamt überarbeitet würde. Derzeit ist dort vorgesehen, dass überkragend über den Lotsekai bis ans Wasser gebaut werden darf – dies würde das Ensemble zerstören.

Technische Daten

Beim blauen Kran handelt es sich um einen Portaldrehkran der Peiner Maschinenbaufabrik, Baujahr 1960, ein leichter Werft- und Hafenkran W40, fünf Tonnen Hubkraft. Elektrischer Antrieb von Hubwerk und Einziehwerk.
Der Kran stand bis cirka 1980 für „Neven und Grube“ am Treidelweg auf Schienen, wurde dann an den Standort Lotsekai Ost umgesetzt. Er ist das einzige Exemplar dieses Typs und der letzte dieser Art von ehemals einem Dutzend im Harburger Hafen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.