Wie Lerngespräche mit Kindern gelingen

Lernexpertin Hanna Hardeland: „Nicht mehr über das Kind sprechen, sondern konstruktiv mit dem Kind.“ Foto: pr

Autorin Hanna Hardeland hat einen Ratgeber für Lehrer und Eltern verfasst – ein Interview

Carsten Vitt, Hamburg

Mit einem halbjährlichen Eltern-Schüler-Termin wollen Hamburgs Grundschulen das Miteinander im Schulalltag verbessern. Doch das Lernentwicklungsgespräch (LEG) sorgt häufig für Stress, nun gibt es sogar einen Ratgeber dafür – ein Interview mit der Autorin Hanna Hardeland.

Elbe Wochenblatt: Wer hat mehr Bammel vor dem Gespräch: Schüler, Lehrer oder Eltern?
Hanna Hardeland: Ich erlebe bei allen Verunsicherung: Lehrer wissen nicht genau, wie sie das Gespräch strukturieren und kindgerecht gestalten können. Eltern sind unsicher, was das Gespräch soll und was sie darin so alles über ihr Kind erfahren. Dadurch baut sich Druck auf, den auch die Schüler spüren. Dabei soll das Gespräch genau das Gegenteil bewirken: In wertschätzender Atmosphäre sollen gemeinsam Lernideen entwickelt werden.

EW: Wieso haben die Beteiligten solche Probleme damit?
Hardeland: Das LEG erfordert natürlich ein Umdenken. Bislang haben Eltern und Lehrer über Schulnoten gesprochen, meist ohne das Kind beim Elternsprechtag hinter verschlossenen Türen. Jetzt sprechen alle gemeinsam über Kompetenzen und Eigenschaften des Kindes. Dabei wird das Kind als Experte seines eigenen Lernens gesehen. Jedes Neue verunsichert.

EW: Wenn bis heute selbst vielen Lehrern nicht klar ist, wie sie ein Lerngespräch am besten gestalten: Warum bildet die Schulbehörde ihre Lehrer nicht weiter?
Hardeland: Offenbar wird davon ausgegangen, dass sie bereits über die erforderliche Beratungskompetenz verfügen. Dabei sind die meisten Lehrer zwar für den Umgang mit der Klasse geschult, nicht aber für das individuelle Einzelgespräch.

EW: Hat das schulische Lernentwicklungsgespräch
einen ähnlichen Hintergrund wie das Mitarbeitergespräch in einem Unternehmen?
Hardeland: Nein. Das LEG, so wie ich es im Buch vorstelle, entspringt der schülerorientierten und kindgerechten Pädagogik und hat zum Ziel, nicht mehr über das Kind zu sprechen – sondern konstruktiv mit dem Kind.

EW: Kleiner Tipp für Schüler: Was ist das Wichtigste bei dem Gespräch?
Hardeland: Das Gespräch soll keine Angst machen, sondern Mut! Es geht nicht darum, was der Lehrer hören will, sondern um die eigenen Ziele und Wünsche. Diese kann ein Schüler aber nur offen formulieren, wenn der Druck aus der Gesprächssituation genommen wird. Da sind Eltern und Lehrer gefordert.

Lerngespräch
In Hamburg sind Lernentwicklungsgespräche (LEG) seit 2011 an Grundschulen und weiterführenden Schulen Teil des Schulalltags. Die etwa 30-minütigen Gespräche mit Lehrern, Eltern und Kindern ersetzen teilweise Halbjahreszeugnisse. Das Ziel ist, gemeinsam mit den Kindern über deren Kenntnisstand und Fähigkeiten zu reden und Ziele zu vereinbaren. Die Schüler sollen mitbestimmen, was sie wie erreichen wollen. Stichwort: Eigenverantwortung. Außer um Fachwissen geht es dabei auch um Sozialkompetenzen.
Hanna Hardeland: Lernentwicklungsgespräche in der Grundschule. Ein Praxisleitfaden, 128 Seiten
Beltz Verlag, 19,95 Euro
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