Wie Elektroschrott von Wilhelmsburg nach Ghana wandert

ie Hölle von Agbogbloshie: Um an die Edelmetalle im Inneren des Fernsehers zu kommen, zerschmettert dieser Junge das Gerät auf dem Boden. Foto: Follow the money

Filmteam Follow the Money hat Fernseher heimlich nach Afrika begleitet.

Von Anna Sosnowski. Was für eine Reise: Rothenburgsort, Wilhelmsburg, Altenwerder, Ghana – mehr als 9.000 Kilometer weit ist der alte Röhrenfernseher des Rechercheteams „Follow the Money“ (FtM) gereist. Dabei hätte das kaputte Gerät nie in Afrika landen dürfen, denn der Export von gefährlichem Elektroschrott ist verboten.
Wie ihr Fernseher dennoch bis dorthin gelangte und wer an ihm verdiente, zeigen die vier Journalisten mit ihrer Reportage „Die GPS-Jagd. Was passiert mit unserem Schrott?“. Zu sehen ist ihr halbstündiger Film am 26. Juli im Abaton-Kino sowie im NDR (siehe Infokasten).
Etwa zwei Millionen Tonnen Elektroschrott fallen in Deutschland jährlich an, doch nur 700.000 Tonnen landen auf Recyclinghöfen. „Wir wollten herausfinden, was mit dem Rest passiert, der einfach verschwindet“, sagt Marcus Pfeil vom FtM-Rechercheteam.
Sie bauen einen GPS-Peilsender in einen kaputten Fernseher ein und übergeben ihn einem Entrümpler. Kurz darauf sendet das Gerät aus der Billstraße in Rothenburgsort, einem berüchtigten Umschlagplatz für Elektroschrott.
GPS-Signal von Speditionsgelände in Wilhelmsburg
Dann plötzlich: GPS-Signale aus Wilhelmsburg! Der Fernseher steht im Rotenhäuser End hinter einer Wand aus Containern, auf dem Packgelände einer Spedition, die nach Afrika verschifft. Drei Wochen später funkt der Fernseher dann aus Accra, der Hauptstadt von Ghana.
In Accra befindet sich eine der größten Elektroschrott-Müllkippen der Welt, mitten im Slum von Agbogbloshie. Hier weiden Kinder europäische Altgeräte mit bloßen Händen aus, verbrennen Plastik, um an Edelmetalle zu gelangen. Und vergiften sich dabei mit Blei, Cadmium oder Dioxinen. Agbogbloshie, vor 15 Jahren noch ein Brutplatz für Zugvögel, gehört heute neben Tschernobyl zu den am meisten verseuchten Orten der Welt. Wird auch der GPS-Fernseher am Ende in der Hölle von Agbogbloshie landen? Die Journalisten nehmen vor Ort die Verfolgung auf.

„Die GPS-Jagd“

Der Film zur GPS-Jagd läuft am Sonnabend, 26. Juli, um 17 Uhr im Abaton, Allende-Platz 3, anschließend gibt es eine Diskussion mit den Filmemachern. Der Eintritt kostet fünf Euro. Der NDR zeigt die Reportage bei „Panorama – Die Reporter“ am Dienstag, 5. August, um 21.15 Uhr. Ab Donnerstag, 24. Juli, ist er außerdem hier zu sehen:www.schrottfernseher.de
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