Wer kennt schon Harburg?

Im August 2012 wurde das neue Hauptgebäude der TUHH eingeweiht. Foto: heiner leiska
 
Argumentiert vehement gegen die Namensänderung: Ex-Propst Jürgen F. Bollmann. Foto: archiv

Technische Universität Hamburg-Harburg will Harburg aus ihrem Namen streichen – Lokalpatrioten empört

Olaf Zimmermann, Harburg

„Nächster Halt: Technische Universität Hamburg.“ Die Durchsage hörte Dierk Eisenschmidt vor einigen Tagen, als er im Bus den Schwarzenberg hinauf fuhr: „Auf meine Nachfrage sagte mir der Busfahrer, das sei die neue Bezeichnung für die Technische Universität Hamburg-Harburg.“
Eisenschmidt, ein Lokalpatriot aus Überzeugung, ärgert sich ebenso wie andere Harburger, dass „Harburg“ plötzlich aus dem Namen der Universität verschwunden ist. Sprecher der Technischen Universität verweisen darauf, dass auf internationaler Ebene Hamburg nun mal bekannter sei als Harburg. Demnächst soll die Namensänderung auch offiziell vollzogen werden. Im Wochenblatt kommen ein Verfechter sowie ein Gegner der geplanten Namensänderung zu Wort.

„Ein wichtiger Pfeiler wird weggerissen“
Ex-Propst Jürgen F. Bollmann zur Namensänderung der TUHH

Im Streit um den Namen der TUHH hat sich der langjährige Harburger Propst Jürgen F. Bollmann zu Wort gemeldet. Seine Stellungnahme:
„Einem offenen Brief der ersten Mitarbeiterin der Technischen Universität Hamburg-Harburg, Rita Doobe, habe ich entnommen, dass einem wichtigen PR-Träger Harburgs das „Harburg“ aus dem Namen gestrichen werden soll oder sogar gestrichen worden ist.
Ich teile die Entrüstung Frau Doobes mit vielen Menschen in Harburg darüber. Die Geschichte der TUHH ist eng mit der Entwicklung Harburgs verbunden. Beide haben in den vergangenen Jahrzehnten viel Gutes voneinander gehabt. Es gibt nur noch wenige Institutionen, die den Namen Harburgs über seine Grenze hinaus bekannt halten können. Dazu gehören im Bereich
- der Kultur: der Posaunenchor Harburg, die Harburger Kantorei, die Kunstsammlung Falkenberg, das Helms-Museum und der Kunstverein Harburger Bahnhof
- der Wirtschaft: das Phoenix-Center, der Wirtschaftsverein Hamburger Süden und der Flugzeugbauer Airbus
- der Wissenschaft und Forschung: die Technische Universität Hamburg-Harburg (!).
Das Image eines Stadtteils hängt wesentlich von seinen ihn tragenden Institutionen ab. Harburger können deshalb nicht zulassen, dass ein wichtiger Pfeiler durch eine überflüssige Namensänderung weggerissen wird, zumal es für die TUHH bisher kein Nachteil war, Harburg in ihrem Namen zu führen.

„Wir vergessen unsere feste Verwurzelung in Harburg nicht“

Rüdiger Bendlin (TUHH) zur Änderung des Hochschulnamens

In einer Stellungnahme erläutert Rüdiger Bendlin, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit an der TUHH, die Motive der geplanten Namensänderung.
„Die TUHH bezeichnet sich in Pressemitteilungen und Broschüren seit 2012 aktiv als Technische Universität Hamburg (TUHH). Im März 2016 hat das Präsidium beschlossen, dass auch das Logo der TUHH verändert wird. Dieser Änderung gingen viele Gespräche mit Harburger Bezirkspolitikern, der Wissenschaftsbehörde, Bürgerschaftsabgeordneten und Wirtschaftsvertretern voraus.
Unbenommen von dieser Veränderung existiert im Moment im Hamburgischen Hochschulgesetz weiterhin der Name Technische Universität Hamburg-Harburg. Im Zuge der Entwicklung des Wachstumskonzeptes für die TUHH, das in absehbarer Zeit der Hamburgischen Bügerschaft vorgegelegt werden soll, wird auch die Namensänderung vollzogen.
Der Hintergrund für die Veränderung ist, dass im internationalen und nationalen Maßstab die TUHH als Hamburgs TU assoziiert wird, nicht aber zwangsläufig mit Hamburg-Harburg als Bezeichnung des Bezirks.
Wir selbst verstehen uns als Teil des Bezirks. Die TUHH ist ohne ihren Bezirk Harburg nicht mehr denkbar, umgekehrt profitiert der Bezirk seit fast 40 Jahren von der TUHH.
Die Harburger sind zu recht stolz auf ihre TUHH. Und wir sind es auch. Dennoch gehört Harburg zu Hamburg und die TUHH ist Hamburgs TU. Die Umbenennung ist nicht eine Um- oder Abkehr, dass zeigt ja unsere lokale Präsenz in den vergangenen Jahrzehnten, sondern eine stärkere Anbindung des Bezirks an Hamburg.
Selbstverständlich vergessen wir nicht unsere feste Verwurzelung im Süden Hamburgs und werden auch weiterhin dem Bezirk Harburg im Wachstum treu bleiben. Unsere wissenschaftliche Ausrichtung ist international und in diesem Maßstab ist Hamburg der Wissenschaftsstandort.“

TUHH
Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) ist eine staatliche Universität in Hamburg. Sie gehört zu den jüngsten technischen Universitäten in Deutschland. Die TUHH wurde 1978 gegründet und liegt in
Harburg.
Rund 100 Professoren unterrichten die knapp 7.400 Studierenden in 42 Bachelor- und Masterstudiengängen. Amtierender Präsident ist seit 1. April 2011 der Biologe Garabed Antranikian.
Die 1982 eingerichtete hochschuleigene Technologietransferstelle wurde 1992 als erste ihrer Art in Deutschland in eine eigene Gesellschaft (TUHH-Technologie GmbH, seit 2004: TuTech Innovation GmbH) ausgegründet. Sie ist ein Dienstleister für Hamburger Hochschulen und im Hochschulumfeld entstandene Startup-Unternehmen. Die TuTech Innovation GmbH hat ihren Sitz im Harburger Binnenhafen (channel Hamburg).
Im Juli 1998 gründete die TUHH das Northern Institute of Technology Management (NIT). Die durch Unternehmen finanzierte Business School NIT bietet zusammen mit der TUHH einen englischsprachigen Doppel-Studiengang an.
Quelle: Wikipedia
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