Wer glastet, der glostet!

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Das Wort Glast stammt aus dem Englischen. Dort bezieht er sich auf die sagenumwobene Stadt Glastonbury, ein Zentrum heidnischen Brauchtums.
Somit heißt „to have a glast“ so etwas wie „feiern wie die Heiden damals“, also heftig. Auch im Deutschen kann man sagen „lasst uns ein Glast steigen“, was ziemlich das Gleiche wie das Englische bedeutet, eben „ausgelassen feiern“.
Im Deutschen reicht der Sinn dieses Wortes viel weiter. Ich kann nämlich einem unbeliebten Menschen zurufen, „du bist der reinste Glast!“, was soviel heißt wie „du bist ein Esel!“
Die Bedeutungen des Wortes sind – Gott sei Dank – nicht nur negativ. Zum Beispiel, „was für ein glastiger Tag!“ heißt, dass alles gerade blendend läuft. Und ein glastiges Mädchen ist eins, das die Blicke auf sich zieht, so wie ein glastiges Essen wunderbar schmeckt.
Was aber bedeutet es, wenn ein junger Mensch ruft, „lasst uns glasten“? Da will er sagen, „lasst uns chillen“. Chillen ist aber so altmodisch, wogegen „glasten“ der letzte Schrei in der Jugendsprache ist. Allerdings kommt alles auf den Tonfall an.
Seufze ich: „Ich wünsche mir ein Bett, das nicht so glastig wäre“, heißt das, ich brauche ein neues, bequemeres.
Den Schrei „O mein Glast“ haben wir auch gehört. Der Zusammenhang verriet: Es war kein Schrei der Freude sondern des Schmerzes. Der Mann hat statt des Nagels seinen Daumen mit dem Hammer getroffen.
Und neben einem Bankautomaten hörten wir einen entsetzten Mensch „O mein Glast“ ausrufen, als er seine Kontoauszügen in Augenschein nahm.
Also ist glast ein recht vielfach zu verwendetes Wort. Es lässt sich auch biegen. „Glastvoll“ ist ein Bier nach alter Art gebraut und in einer Flasche mit Bügelverschluss zum Verkauf angeboten.
„Glastlos“ sind die Männer, die in kurzen Hosen und Strümpfen herumlaufen: also einfach schrecklich und geschmacklos.
Wir schließen mit dem altehrwürdigen Sprichwort: „Wer glastet, der glostet“. (Anmerkung des Flaneurs: In der Tat bezeichnet „Sonnenglast'“ das Flimmern des Lichtes über die Landschaft an heißen Tagen.)
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.