Vor dem Haus von Fritz Honka

Im Dachgeschoss dieses Hauses hauste Fritz Honka. Foto: Düse
 
Die Säge von Fritz Honka ist heute im Hamburger Polizeimuseum in Alsterdorf zu sehen. Foto: Stahlpress Medienbüro

Wie die Polizei dem Mörder vor 40 Jahren nach einem Wohnungsbrand in Ottensen durch Zufall auf die Spur kam.

Von Waldemar Düse. Am 17. Juli 1975 stochert ein Feuerwehrmann in der Ottenser Zeißstraße nach einem Wohnungsbrand in der Dachgeschoss-Wohnung der Nummer 74 auf der Suche nach Brandnestern in einer Abseite herum. Er findet einige bestialisch stinkende, blaue Müllsäcke, prall gefüllt mit Armen und Beinen von Frauen. Die Polizei beginnt, ein Puzzle zusammenzusetzen, das am Ende den Blick auf das bizarr-verpfuschte Leben eines vierfachen Mörders freigibt, dem vier Frauen zum Opfer gefallen sind: Gertraud Bräuer (43) – ermordet im Dezember 1970, Anna Beuschel (55) – ermordet im Oktober 1974, Frieda Roblick (58) – ermordet im Dezember 1974 und Ruth Schult (52), ermordet im Januar 1975.
Der Mieter des 18-Quadratmeter großen Dachgeschoss-Verschlags heißt Fritz Honka. Am 29. Juli 1975 gesteht er, die Frauen getötet zu haben.
Fritz Honka wird am 31. Juli 1935 in Leipzig geboren. Sein Vater soll Kommunist gewesen und dafür ins KZ gewandert sein. Seine Mutter kommt dem zeitgenössischen Idealbild der Frau als Mutter von neun Kindern zwar sehr nahe, ist aber mit der Erziehung ihrer Kinder vollkommen überfordert. Fritz Honka landet in einem Heim für Kinder von KZ-Insassen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird ihm eine Maurerlehre verordnet, eine Allergie (Zementkrätze) macht dem Start ins Berufsleben ein Ende, bevor es richtig Fahrt aufgenommen hat. 1956 hat Honka die Faxen dicke und „macht rüber“ nach Norddeutschland.
Aber auch hier setzt sich die unselige Geschichte seines Lebens fort. Der nur 1,68 Meter große, zierliche und schmächtige, seit einem Unfall schielende Mann mit den riesigen Händen und den gebogenen Fingernägeln, bleibt nicht nur aufgrund seines Äußeren ein Außenseiter der Gesellschaft.

Honka lernt seine Opfer in „Absturzkneipen“ kennen

Nach der Übersiedlung aus der DDR nach Norddeutschland erfüllt sich Fritz Honkas kleinbürgerlicher Traum von einem Leben in Sicherheit und Ordnung nicht. Zunächst verdingt er sich auf Bauernhöfen, lernt dort aber auch nicht viel mehr als Gewalt kennen. Er zieht nach Hamburg, findet eine Anstellung als Hafenarbeiter.
Zwar lernt er eine Frau kennen, die es mit ihm sogar in seiner schäbigen Mansarde aushält. Aber nach zweimaliger Heirat und Scheidung, Misshandlungen und Morddrohungen, verdrückt sie sich lieber.
Ende der 1960er-Jahre hängt Honka in Absturzkneipen ab, die „Elbschlosskeller“ oder „Goldener Handschuh“ heißen. Hier findet der kettenrauchende Alkoholiker das, was ihm an menschlicher Zuwendung geblieben ist: Die verzweifelte Bereitschaft verbrauchter Prostituierter, für einige Schnäpse und ein Dach über dem Kopf still zu halten.

Das Urteil im Dezember 1976: 15 Jahre Haft

Aber auch das funktioniert nicht immer so, wie Honka sich das vorstellt. Mal verweigern sich die Frauen ganz. Eine lügt ihn im Streit an, ihn mit Syphilis angesteckt zu haben. Bei einer anderen sind ihm deren darstellerische Fähigkeiten nicht gut genug. „Sie lag nur da wie ein Brett“, wird er später den Mord an ihr begründen. Die vermeintliche Syphilitikerin schändet er noch auf das Widerlichste, nachdem er sie erwürgt hat.
Die erwürgten und anschließend zersägten Opfer stopft er in Plastiksäcke, die er in den Abseiten seiner Dachgeschoss-Behausung versteckt. Erst der Wohnungsbrand in der Zeißstraße 74 fördert alles zu Tage. Im Prozess vor dem Hamburger Landgericht wird er wegen Mordes und dreifachen Totschlags zu 15 Jahren Haft und anschließender Einweisung in die Psychiatrie verurteilt. Dem „verschüchterten, total gehemmten Einzelgänger“, so die Einschätzung der Kripo, wird eine „eine schwere seelische Abartigkeit mit Krankheitswert" attestiert.
Nach seiner Entlassung 1993 wird er unter dem Namen Peter Jensen in einem Pflegeheim in Scharbeutz untergebracht. Als das aufgeflogen ist, kommt er ins AK Ochsenzoll. Dort stirbt Honka am 19. Oktober 1998 an Leber- und Lungenversagen.

Die Opfer

Honkas erstes Opfer starb vermutlich im Dezember 1970: Gertraud Bräuer ist zum Zeitpunkt ihres Todes 42 Jahre alt. Sie war Friseurin und Gelegenheitsprostituierte.
Vier Jahre später starb Anna Beuschel, (55), die Honka im „Goldenen Handschuh kennengelernt hatte. Sie wurde von ihm stranguliert. Die Leiche wurde verstümmelt und ihre Überreste auf dem Dachboden versteckt
Frieda „Rita” Roblick (58), war Prostituierte. Sie wurde im Dezember 1974 getötet.
Ruth Schult (52), Prostituierte, ermordet 1975. war bei Honka eingezogen. Sie wurde durch den Schlag mit einer Kornflasche über den Kopf betäubt und anschließend mit einem Damenstrumpf stranguliert
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