Von Tiefsee bis Weltraum: Technik auf Herz und Nieren getestet

Auch Außergewöhnliches kommt bei Treo auf den Prüfstand: Hier bereitet Manuel Kairies eine Bahntoilette für den Shaker-Test vor.
 
Mitarbeiter Andreas Müller testet die Prüflinge in der Korrosionsprüfkammer auf Feuchtigkeitsbeständigkeit. Fotos: treo

Die Firma Treo im hit-Technologiepark untersucht neue Hightech-Produkte

Jens Beeskow, Harburg

Wer bei der Firma Treo im hit-Technologiepark die Räumlichkeiten betritt, der muss erstmal ein Formular unterschreiben. Zur Geheimhaltung wird man verpflichtet. Foto- und Filmaufnahmen? Verboten! Zu Recht. Denn in dem Labor für Umweltsimulation nehmen Geschäftsführer Dr. Hanno Frömming und sein Team Technologien genauestens unter die Lupe, die in Zukunft unter Umständen den Weltmarkt erobern sollen.
„Wir testen vorwiegend für den Schiffbau und die Luftfahrt“, erklärt Frömming. Dabei gehören große DAX-Unternehmen allerdings ebenso zu seinen Kunden wie „der Tüftler von nebenan“, also kleine, innovative Start-ups. In dem überraschend übersichtlichen Labor wird beinahe alles gerüttelt, eingestaubt oder hohem Druck, Feuchtigkeit und extremen Temperaturen ausgesetzt, was in irgendeiner Form in Richtung Hightech-Elektronik geht. Dabei handelt es sich seltener um die Dinge des täglichen Lebens wie TV-Geräte oder Kameras, als um Industrieelektronik wie Bestandteile von Schiffsnavigationssystemen, Satellitenbauteile oder U-Boot-Komponenten.

Branche stark im Wandel

„Wenn Sie ein Auto kaufen, dann ist jeder Schalter darin in der Regel aufs Genaueste getestet, denn keine Firma will ständig Servicefälle haben, für die sie unter Umständen um die halbe Welt reisen müssen“, erklärt Frömming. „Daraus ergibt sich für fast jedes Unternehmen automatisch ein hoher Anspruch an die Qualität ihrer Produkte.“ Und so hatte Treo auch schon Bahntoiletten auf dem Rüttler oder so banale Sachen wie die Halterung für die speziellen Tüten, die bei Übelkeit in Flugzeugen genutzt werden, auf dem Dauerprüfstand.
Erst seit rund sieben Jahren besteht das mittelständische Unternehmen, das Hanno Frömming gemeinsam mit drei Mitgesellschaftern gegründet hat. Damals hatte man ein Prüflabor in Stade gekauft, weil die Partner es für „eine interessante Dienstleistung“ gehalten hatten. Erfahrungen in diesem Bereich hatte der studierte Wirtschaftsingenieur und promovierte Maschinenbauer Frömming keine, wie er heute zugibt: „Ich kannte mich am Anfang damit überhaupt nicht aus, bin praktisch ins kalte Wasser gesprungen und musste mich da erst reinarbeiten.“ Mit Erfolg, denn das Business läuft bestens. „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, sind unter anderem empfohlenes Prüflabor für Airbus und zertifiziert von der bedeutendsten Schiffbauklasse DNV-GL.“
Treo hat mehr als 100 Prüfverfahren akkreditiert, die auch immer wieder neu auf den Prüfstand gestellt werden. „Wie jede Branche, so ist auch unsere großen Schwankungen unterworfen“, erklärt Frömming. „Wir sind mit der Luftfahrt gewachsen, haben damit zeitweise fast 90 Prozent unseres Umsatzes generiert. Heute sieht das völlig anders aus. Trotzdem wachsen wir weiter, gerade weil wir nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt sind.“
„Wir haben eine breite Palette an Prüfmöglichkeiten, die nicht viele Labore in Deutschland so abbilden können. Dazu zeichnen wir uns dadurch aus, dass wir komplette Prüfpläne anbieten können.“ Das heißt zum Beispiel: Ein Kunde kommt mit einem neuartigen Steuergerät, das zum Navigationssystem eines Kreuzfahrtschiffes gehört, und kann bei Treo sämtliche notwendigen Test in einer Hand ausführen lassen.
Der Rundgang durch das Labor in Harburg ist entsprechend abwechslungsreich. In einem Gerät kann die Korrosion mehrerer Jahre innerhalb weniger Tage simuliert werden. Ein anderes kann in zehn Sekunden die Umgebungstemperatur eines „Prüf-lings“ von 70 Grad minus auf 200 Grad plus ändern, ein weiteres in Sekunden die Druckverhältnisse von Normalnull auf 15 Kilometer Höhe verändern. Nicht ohne Stolz präsentiert Frömming in diesem Zusammenhang eine selbst konzipierte Druckkammer, „die es so sonst nirgends gibt“. In einer Zweigstelle in Kiel kann zudem auf elektromagnetische Verträglichkeit geprüft werden.

„Oft noch verblüfft, was sich die Leute so ausdenken“

Dass die viel beschworene deutsche Gründlichkeit und die in Deutschland hohen gültigen Standards zum Erfolg des Unternehmens beitragen, will der 36-jährige Unternehmer nicht uneingeschränkt bestätigen. „Wir testen ja zumeist Produkte für den Weltmarkt, also nach internationalen Standards. Auf der anderen Seite kommen unsere internationalen Kunden vielleicht auch nicht ohne Grund zu uns.“
Insgesamt zehn Mitarbeiter prüfen bei Treo alles bis ins kleinste Detail. „Testen wird immer wichtiger, Regelwerke werden immer genauer eingehalten.“ Dafür muss das Personal durchaus komplexen Anforderungen genügen. „In erster Linie sind wir Dienstleister, müssen also mit Kunden umgehen, die die Test-reihen oft auch über mehrere Tage begleiten“, beschreibt Hanno Frömming. Dazu müssen seine Mitarbeiter technisch penibel und an Normen orientiert vorgehen können sowie sich schnell und durchaus auch kreativ auf neue Situationen und immer wieder außergewöhnliche Produkte einstellen können. „Bestimmte Bereiche kann man nicht klassisch studieren. Daher ist es wichtig, dass wir Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Qualifikationen in unserem Team haben.“
Die Neugier und den Blick für das Besondere, so Frömming, habe er dabei über die Jahre niemals verloren. „Es ist immer wieder sehr interessant, und wir sind oft auch noch verblüfft, was sich die Leute so ausdenken.“ Weiter ins Detail gehen darf er dann aber doch nicht. „Die Kunden verlassen sich darauf, dass wir hier sorgsam mit ihrem Know-how umgehen und ihre oft noch geheimen Technologien entsprechend schützen.“ Dafür hat der Gast am Eingang ja schließlich auch unterschrieben.

Das wird bei Treo getestet
Klimasimulation, Wasserdichtigkeit, Staubdichtigkeit; Korrosion, chemische Beständigkeit, Flamm-Prüfungen, dynamische Neigungsprüfungen, (Über-) Drucktests, elektrische Prüfungen und elektromagnetische Verträglichkeit.
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