Von Horst zu Horst

Der Nachwuchs ist jetzt flügge. Fotos: sd
 
Lebensraum Süßwasserfeuchtgebiet: Dieser Storch hat sich eine Schlange geschnappt.

Die Deutsche Storchenstraße endet jetzt in Neuland.

Von Sabine Deh.
Im Horst wird es langsam eng. Die Weißstörche Willi und Anneliese bewohnen in der Elbmarsch ein Nest am alten Deich. In dieser Saison hat das Paar drei Küken großgezogen. Mit lauten Klappern haben die Vogeleltern zunächst gebalzt und später ihre Jungen vor Angreifern geschützt. Um ihre hungrigen Jungen durchzubringen, mussten sie feuchtes Grünland in der Größe von rund 50 Hektar nach Nahrung abgrasen. Ab sofort ist ihr Heim Bestandteil der Deutschen Storchenstraße, die in Mecklenburg-Vorpommern beginnt und bisher hinter Lüneburg endete. Nun geht die Ferienroute bis nach Harburg: Bis zum Oktober werden zwischen der Elbmarsch und Neuland zehn neue Infotafeln zwischen den verschiedenen Storchennestern aufgestellt.
Meister Adebar gilt in Norddeutschland als Glücksbringer. Der Vogel mit dem schwarz-weißen Federkleid erreicht bei einem Gewicht von nur drei bis vier Kilo eine Flügelspannweite von 2,20 Metern. Er ernährt sich von Fröschen, Mäusen, Regenwürmern und Insekten. „Aber eigentlich ist der Storch nicht wählerisch und frisst alles, was ihm vor den Schnabel kommt“, sagt Dietrich Westphal vom NABU. Einer Legende nach soll der Klapperstorch die Babys bringen. Diese Mär ist wahrscheinlich auf das Heilkraut „Storchenschnabel“ zurückzuführen, das Frauen früher half, ihren Kinder-Wunsch zu erfüllen. „Wir Elbmarscher lieben unsere Störche“, sagt Rolf Roth, Bürgermeister der Samtgemeinde im Landkreis Harburg. Ist allerdings nicht ganz ohne Eigennutz: Neben Reetdachhäusern, Schafen und dem Maiglöck-chenanbau sollen nun auch die Störche Touristen an die Elbe locken. Im Dörfchen Hunden haben sie auf den Trend schon reagiert und zur Enthüllung der Infotafel im Hofcafé gegenüber dem Nest eine Obsttorte in Storchenform gebacken.
Hans Steinert, Storchenvater aus dem Landkreis Harburg, macht sich trotzdem Sorgen um den Storch, der auf der roten Liste gefährdeter Tierarten steht. Stromleitungen, vermehrter Straßen- und Siedlungsbau und die Landwirtschaft machen den Tieren das Leben schwer. „Bauern lassen immer weniger Flächen brachliegen und bauen dort lieber Mais an, der dann für eine lukrative Energiegewinnung genutzt wird“, klagt der Naturfreund. „Das hat zur Folge, dass der Storch Probleme bekommt, genug Nahrung für seine Jungen zu finden“, warnt auch Dietrich Westphal vom NABU. Vor 70 Jahren nisteten in Deutschland noch rund 30.000 Storchenpaare. Bis in die 1980er Jahre ging der Bestand durch intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden dramatisch zurück. Heute hat sich die Zahl bundesweit auf rund 4.000 Paare stabilisiert. „Damit die positive Bestandsentwicklung anhält, müssen Bemühungen verstärkt werden, die den Lebensraum des Storches schützen“, fordert Hans Steinert. Naturschutzverbände wie WWF (World Wide Fund For Nature), NABU und BUND engagieren sich seit Jahren für die Bewahrung von Süßwasserfeuchtgebieten. Die Organisationen versuchen, naturzerstörende Eingriffe zu verhindern, geschädigte Biotope wiederherzustellen, weisen Schutzgebiete aus und fördern eine naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft.
Die Deutsche Storchenstraße ist ein weiterer Bestandteil des Schutzprogramms. Die inzwischen 450 Kilometer lange Route führt Autofahrer, Radfahrer und Wanderer auf beiden Seiten der Elbe durch große Teile Norddeutschlands und wurde 2008 eröffnet. Nesttafeln entlang der Strecke geben Auskunft über den Bruterfolg der letzten Jahre und weisen den Weg zum nächsten Horst.
Der Sänger und Moderator Rüdiger Wolff, Schirmherr des NABU-Storchenschutzes in Hamburg, schrieb mit „Segeln im Wind“ eine Hymne auf den Storch. „Ich wünsche mir, dass mein Lied dazu beiträgt, mehr Menschen auf die Not unserer Störche aufmerksam zu machen“, begründet er sein Engagement. Ende August, wenn auf den Feldern die Ernte beginnt und die Sonnenblumen in voller Blüte stehen, machen sich Willi und Anneliese auf ihren langen Weg zurück in den Süden. Die Elbmarscher werden aber auch im kommenden Februar wieder täglich lauschen, ob das Storchenpaar mit lauten Klappern seine Rückkehr ankündigt.
Weitere Infos stehen im Internet unter http://www.deutsche-storchenstrasse.de.
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