Vom Apfelbaum in den Winterschlaf

Am Steuer seiners Treckers: Claus Marben fährt seine Äpfel ins Lager.
 
Der reife Apfel: Die Ernte ist bald vorbei. Sie war in diesem Jahr unterer Durchschnitt.

Bei Landwirt Claus Marben ist jetzt Erntezeit

Von Sabine Deh, Elbmarsch. Wenn Landwirt Claus Marben (44) über seine Äpfel spricht, gerät er ins Philosophieren. „Einen Apfel, den ich nicht mag, baue ich nicht an.“ Den roten Wellant-Apfel dagegen schon. Sehr süß und saftig. Knackige Konsistenz und fruchtiges Aroma, Claus Marben spricht nun schneller. Man merkt ihm an, wie begeistert er von seinen Äpfeln ist. „Wie ein guter Rotwein sollte dieser ,Wellness-Apfel' zehn Minuten atmen, dann entfaltet er seinen vollen Geschmack“, sagt er. Die Sorte Holstein Cox, kommt Claus Marben allerdings nicht auf die Plantage. „Zu früh geerntet erzeugt dieser Apfel einen stumpf-säuerlichen Geschmack im Mund. Bäh.“
Beate und Claus Marben kümmern sich in dritter Generation um die sechs Hektar große Plantage in der Elbmarscher Feldmark. Dort sind momentan mehr als 20 Sorten erntereif. Die Frühsorten Astramel, James Grieve, Jamba, Delbafestival, Alkmene, Discovery und Katja. Hinzu kommen 14 Sorten Lageräpfel, darunter der Cox Orange, Elstar, Rubinette, Braeburn und die alte Sorte Berlepsch. Sie werden im Lager in kontrollierter Atmosphäre in eine Art Winterschlaf versetzt und kommen erst später in den Verkauf.
Im benachbarten Alten Land wird in diesem Jahr mit einer Ernte von 285.000 Tonnen gerechnet. Schwacher Durchschnitt. Der Nachtfrost im Mai hat den Blüten zugesetzt. Gegenüber dem schwachen Erntejahr 2010 wird bundesweit allerdings mit einer leichten Steigerung um neun Prozent auf 856.000 Tonnen gerechnet. Laut Ministerium für Landwirtschaft essen die Deutschen pro Jahr und Kopf über 30 Kilo.
Der Duft nach frischen Äpfeln im Lager der Marbens ist überwältigend. Bis unter die Decke stapeln sich dort Holzkisten mit roten, grünen und gelben Äpfeln. Die Geschmackspalette reicht von säuerlich bis süß. Einen Großteil seiner Äpfel vertreibt Claus Marben als Direktvermarkter über Hofverkauf und auf Hamburger Wochenmärkten. Der Rest wird über einen Großhändler in Supermärkten verkauft.
Das Herz seiner Gattin Beate hat Claus Marben allerdings nicht mit Hilfe eines verführerischen Apfels gewonnen. Die EDV-Fachfrau war bei einer Feier des örtlichen Sportvereins von seinem Charme und seinen Tanzkünsten beeindruckt. Er fand ihre Natürlichkeit umwerfend. Gemeinsam schultern die Eltern von drei Kindern nun schon seit 15 Jahren das arbeitsintensive Familienunternehmen. Eine 40-Stunden-Woche sei eher die Ausnahme als die Regel. Trotzdem sei die Kombination von Arbeit an der frischen Luft, gepaart mit dem Kontakt zu den verschiedensten Menschen für die Marbens unschlagbar.
Und dann packen ja auch Claus Marbens Eltern Wilhelm und Mechthild immer noch mit an. „Zu meiner Zeit waren die Apfelbäume auf der Plantage noch über fünf Meter hoch“, erzählt Wilhelm Marben. Heute erreichen die Bäume eine Höhe von maximal 2,5 Metern, was die Ernte deutlich leichter macht.
Der größte Feind der Apfelanbauer seien Hagelstürme, von denen deutsche Landwirte in den letzten Jahren immer häufiger heimgesucht werden. Außerdem die Konkurrenz aus Südamerika und Neuseeland, deren Äpfel sich in den Supermärkten immer breiter machen. Verstehen kann Claus Marben diese Entwicklung nicht. „Die Äpfel haben einen langen Transportweg hinter sich und versauen damit die Ökobilanz.“ Dass der Verbraucher nach Ananas, Orangen und Bananen aus fernen Ländern greift, kann er akzeptieren. Für Äpfel gilt: Warum nach Früchten aus der Ferne greifen, wenn in der Nachbarschaft gute Qualität in ausreichender Menge wächst und gedeiht.
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