Verrotten die Spielplätze?

Der Spielplatz in Neuwiedenthal Nord hat bei der Untersuchung die Note 4 erhalten. Foto: ww

Es fehlt an Geld für erforderliche Sanierungen

Olaf Zimmermann, Harburg

Miriam Coates ist vor zwei Jahren aus Eimsbüttel nach Harburg gezogen. Für sie steht fest: „In Eimsbüttel gibt es bessere Spielplätze als in Harburg. Die Harburger Spielplätze benötigen größtenteils eine Generalüberholung.“ Eine Untersuchung des Bezirksamtes Harburg gibt der jungen Mutter recht. Auf einer Skala von 1 bis 5 werden 30 der 55 öffentlichen Spielplätze im Bezirk in die Kategorien 4 und 5 eingestuft. Es fehlt an Geld, nur die nötigsten Reparaturarbeiten können ausgeführt werden.
Bei der aktuellen Untersuchung wurden die städtischen Spielplätze erstmals in fünf Bereichen unter die Lupe genommen: Baulicher Zustand, Spielangebot, Grün (Bäume/Sträucher), Letzte Sanierung sowie Altersgruppen der Nutzer. In Harburg erhielten die Spielplätze Binnenfeld, Hüllbeen Hanhoopsfeld, Hastedtplatz, Grumbrechtstraße II und An der Rennkoppel die schlechteste Note. In Süderelbe gab’s eine 5 für Heidebruch, Ohrnsweg/Fischbeker Holtweg und Wiedenthaler Sand.
Wie viel Geld hat der Bezirk für Spielplätze zur Verfügung? „In 2016 wurden rund 230.000 Euro für Spielplätze ausgegeben. In diesem Jahr wird es sich ähnlich verhalten. Zusätzlich erbringen Mitarbeiter des Bauhofs Eigenleistungen, die nicht gesondert erfasst werden“, sagt Bezirksamtssprecherin Bettina Maak.
Das Geld wird nicht reichen. André Lenthe (Linke): „Aus diesem knappen Budget werden dieses Jahr schon 190.000 Euro allein für die dringende Sanierung des Kinderspielplatzes Heidebruch veranschlagt, der mit der Note 5 bewertet ist.“
In ihrer Not versucht die Verwaltung, dringend erforderliche Sanierungen aus anderen „Töpfen“ zu finanzieren. So werden aus dem Quartiersfonds für bezirkliche Stadtteilarbeit 605.000 Euro für Spielplatz-Sanierung verwendet.
„Dieses Geld wird jetzt an anderer Stelle fehlen“, so André Lenthe. „Wollte der Bezirk alle 55 Spielplätze zumindest in einen befriedigenden Zustand versetzen, bräuchte er dafür 1,5 Millionen Euro.“
Anwohnerin Jenny Lücken hat seit Monaten ein ungutes Gefühl, wenn ihr Sohn auf den Spielplatz geht. Denn dort hat er sich im Winter verletzt. Sie schreibt:
„Mein Sohn (13) kam am Montag, 13. Februar, gegen 18 Uhr mit einer blutigen Hand nach Hause. Die Verletzung zog er sich auf dem Spielplatz Drachenthal zu der sich in Neuwiedenthal/Stubbenhof gegenüber eines Kindergartens befindet.
Er sagte: „Mama, da ist ein rostiger Nagel. Der schaut aus dem Spielgerät, auf dem ich drauf war.“ Da es dunkel war, konnte er nicht genau sehen, was es eigentlich war. Da ich mir Sorgen machte – auch um andere Kinder – bin ich losgegangen, um mir das corpus delicti anzusehen. Ich war so erbost über das, was ich vorfand. Es war kein Nagel, nein! Es hatte sich jemand mit einem scharfen Gegenstand an der Drehstange zu schaffen gemacht und das Metall angekratzt, so dass dort ein fieser Splitter herausragte. Da um die Uhrzeit kein Verantwortlicher mehr zu finden war, habe ich es sofort im Internet gepostet, um andere Eltern zu warnen.“

Was sagt das Bezirksamt dazu? Sprecherin Bettina Maak: 
„Die 68 Spielplätze in Harburg werden nach der jeweiligen Nutzungsintensität gewartet. Sie werden (entsprechend der gültigen DIN 1176 und DIN 18034) regelmäßig kontrolliert und geprüft. Eine visuelle Kontrolle findet einmal wöchentlich, eine operative Kontrolle einmal monatlich statt. Die jährliche Hauptuntersuchung wird von einer unabhängigen Fachfirma durchgeführt. Untersucht wird bei jeder Kontrolle insbesondere die Verkehrssicherheit der Spielgeräte.
Defekte Spielgeräte werden schnellstmöglich repariert oder ausgetauscht. Ein Austausch ist allerdings auch daran geknüpft, dass finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
Wenn Kinder, Eltern oder sonstige Personen defekte Geräte entdecken, sind wir für einen Hinweis dankbar. Unter www.hamburg.de/melde-
michel kann der Schaden gemeldet werden, und die Melder können dort auch den Stand des Verfahrens verfolgen.“ 

Öffentliche Spielplätze

Die Verwaltung hat die öffentlichen Spielplätze im Bezirk Harburg untersucht und den jeweiligen Zustand mit Schulnoten (1 bis 5) beurteilt. Diese Zahlen sind aktuell, sie stammen aus dem April 2017.


Am Irrgarten: (Schulnote) 4
Am Festungsgraben: 2
Auf dem Blumenberg: 3
Beckerberg/Gerade Str.: 2
Binnenfeld: 5
Bremer Straße: 4
Buchholzer Weg 4
Bunatwiete: 2
Gotthelfweg: 4
Gr. Str./Hainholzweg: 3
Harburger Rathausplatz: 3
Hastedtplatz: 5
Hirschfeldplatz: 3
Hohe Str./Schulgarten: 3
Hüllbeen Hanhoopsfeld: 5
Koboldweg: 3
Lüneburger Tor: 4
Mehringweg: 4
Neuländer Hauptdeich: 4
Nymphenweg: 1
Reeseberg: 4
Rönneburger Kirchweg: 3
Roseggerstraße: 4
Steinikestr./Göhlbacht.: 3
Zum Jägerfeld: 4
Zündschnurweg: 3
Am Gehegegraben: 3
An der Rennkoppel: 5
Birkenbruch/MInnerwg.: 3
Bissingstraße: 2
Cranzer Elbdeich: 4
Fischbeker Holtweg: 4
Grumbrechtstr: 4
Grumbrechtstr. II: 5
Hausbrucher Straße: 3
Heidebruch: 5
Heimfelder Straße: 4
Helmsweg: 4
Kiefernberg: 3
Mooranger: 1
Moorbg. Elbdeich 129: 4
Moorbg. Elbdeich (Sch.): 4
Moorbg. Kirchdeich: 4
Moorbg. Ring: 4
Neuwiedenthal Nord: 4
Ohrnsweg/Fischb. Heuw.: 5
Ostheide/Nordheide: 2
Rehrstieg: 1
Seehofring: 4
Stader Straße 203: 4
Stremelkamp: 2
Twisterring: 3
Vogelkamp NF65: 2
Wiedenthaler Sand 5
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1 Kommentar
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Petra Weinstein aus Harburg | 25.06.2017 | 19:52  
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