Unglückliche Liebe - unvollständig

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Der Flaneur hat eine unglückliche Liebe hinter sich. Nun ist er so gepolt: Wenn er leiden muss, fragt er sich jedes Mal, ob das Leid ihm etwas sagen möchte.
Und in der Tat hat es ihm etwas gesagt! Das möchte er mit seinen treuen Lesern teilen.
Kennen Sie das Erlebnis, dass etwas in Ihrem Leben unvollständig geblieben ist?
Sie haben zum Beispiel eine Aufgabe, und plötzlich wird sie Ihnen entrissen. Sie stehen sozusagen ohne Aufgabe da.
Sie haben sich von Ihren Kindern entfremdet. Egal wessen Schuld es war, der Riss ist nicht zu kitten, Sie können tun, was Sie wollen.
Sie lieben eine Frau. Sie verbringen erfüllte Stunden mit ihr. Sie glauben, Ihre Einsamkeit hat ein Ende. Auf einmal macht sie Schluss und lässt Sie in der Luft hängen. Da ist nichts zu machen. Die große Erfüllung, an die Sie geglaubt haben, ist zerschmettert. Vielleicht will die ehemalige Geliebte gar nicht erklären, warum sie Sie auf den Müll geworfen hat.
Allen diesen schmerzlichen Erfahrung ist gemeinsam, dass etwas Versprochenes und Verhiessenes nicht in Erfüllung gegangen ist. Etwas ist unvollständig geblieben.
Sie können sich damit abfinden und sagen, das Leben ist halt so grausam und herzlos.
Aber Sie können sich auch sagen, das, was hier unvollständig geblieben ist, ist auf einer anderen Ebene weiterhin lebbar.
Dort geht Ihre Aufgabe weiter.
Dort feiern Sie wieder mit Ihren Kindern Weihnachten.
Dort dürfen Sie den Menschen weiter lieben, der hier Ihre Liebe abgelehnt hat.
Nun ist aber des Flaneurs Latein zu Ende. Zwar spürt er, nachdem er die Frau verloren hat, die er über alles geliebt hat, dass das nicht das Ende sein kann.
Wo die Fortsetzung stattfindet, das weiß er nicht.
In dem Himmel, von dem gläubige Menschen sprechen?
In einem zukünftigen Leben auf der Erde, von dem östliche Menschen sprechen?
Der Flaneur ahnt etwas. Wissen tut er es nicht.
Mit Paulus muss er von sich sagen:
„Denn jetzt sehe ich wie in einem Spiegel nur Rätselbilder.“ (1 Korinther 13,12).
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