Unfalltod von Effi: Prozess wird neu aufgerollt

Vor fast zwei Jahren: Blumen vor dem Sportplatz Baererstraße, die an den toten Effi erinnern. Foto: Greulich

Hamburgs höchste Strafrichter entscheiden: Urteil des Amtsgerichtes gegen Fußballtrainer aufgehoben.

Von Horst Baumann. Der Unfalltod des siebenjährigen Effi F. auf dem Sportplatz Baererstraße wird vor dem Amtsgericht Harburg neu verhandelt. Das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) hat die Verurteilung eines Fußballtrainers von Dersimspor nun aufgehoben und das Verfahren an das Amtsgericht zurückverwiesen.

In erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Der ehrenamtlich tätige Trainer der C-Jugend war in der ersten Instanz wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
Was war passiert: Nach dem Training der C-Jugend, als die Mannschaft den Platz bereits verlassen hatte, ging der Trainer zu seinen Spielern und wies sie darauf hin, dass die zu Trainingszwecken auf die Pfosten gekippten, jeweils knapp 200 Kilo schweren Tore wieder „zusammen aufgestellt“ werden müssten.

Effi von Querverstrebung eines Tores am Kopf getroffen

Nach dieser Aufforderung an seine Spieler ging der Trainer zunächst in den Geräteraum. Drei Zwölf- bis 14-jährige Mannschaftsspieler gingen daraufhin allein zu den Toren. Dort spielte der nicht zur Mannschaft gehörende siebenjährige Effi mit einem Freund Fußball. Beim Aufstellen der mit einem Kippmechanismus versehenen Tore durch die Vereinsspieler wurde Effie von der Querverstrebung eines Tores am Kopf getroffen und zwischen Boden und Querverstrebung eingeklemmt. Er starb wenige Stunden später an den Folgen der Verletzungen.
Das Amtsgericht Harburg hatte dem Übungsleiter des Vereins aus dem Phoenix-Viertel im Urteil eine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen, weil er sich unmittelbar nach der Anweisung an die Jugendlichen, nicht auf das Spielfeld zu den Toren begeben habe.
Hamburgs höchste Strafrichter folgten dem nicht: „Das Amtsgericht hat die Sorgfaltspflichten eines ehrenamtlichen Übungsleiters fehlerhaft bestimmt“, heißt es in der jetzt veröffentlichten Entscheidung des OLG.
Im Urteil gab es keine ausreichenden Feststellungen zum zeitlichen und örtlichen Tathergang, wie selbstständig die trainierten Jugendlichen waren, welche Verhaltensregeln es von den Sportverbänden für Trainer gibt und dass ehrenamtliche Übungsleiter für das Gemeinwohl tätig sind.
Einen neuen Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht Harburg gibt es bislang noch nicht.


Chronik

17. Mai 2013: Auf dem Sportplatz Baererstraße wird Effi durch ein herabfallendes Fußballtor schwer verletzt und stirbt an den Folgen.

27. Oktober 2014: Ein Jugendfußball-Trainer von Dersimspor wird vom Amtsgericht Harburg wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu sieben Euro verurteilt.

28. April 2015: Das Hamburger Oberlandesgericht hebt das Urteil des Amtsgerichtes Harburg auf. Es muss an einer anderen Abteilung neu verhandelt werden.
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