Turbo-Mittagessen am Kiefernberg

 
„Wir lassen nicht locker“, verspricht Sven Kammerahl (Elternratsvorsitzender). „Wir brauchen kurzfristig lediglich einige zusätzliche Container.“ Foto: kreller

Weil die Kantine der Grundschule zu klein ist, müssen die Schüler in drei Schichten essen. Wenn die Letzten an der Reihe sind, ist die Pause schon zu Ende

Niels Kreller, Harburg

In der Kantine der Heimfelder Grundschule am Kiefernberg ist Schnelligkeit gefragt. Bis zu 360 Kinder werden hier täglich verköstigt. Und das, obwohl der Containerbau nur für 100 Schüler geplant worden ist. In ihrer Not hat die Schule einen Klassenraum in einen weiteren Speiseraum umfunktioniert und so weitere 20 Plätze geschaffen. Trotzdem: Die Kinder müssen in drei Schichten essen und das in jeweils nur 20 Minuten. Ein Kantinenneubau ist zwar schon zugesagt und auch in Planung – doch wird er frühestens 2019 fertig sein. Das hilft den jetzigen Grundschülern wenig.
In einem Schreiben an Schulsenator Ties Rabe (SPD) im November 2016 wies der Elternrat auf die unhaltbare Situation hin. Angefügt war eine Petition, in der eine schnelle Erweiterung um 50 bis 70 Plätze gefordert wurde. 256 Unterschriften hatte der Elternrat dafür gesammelt.
Schon vorher hatten sich Eltern bei der Schulbehörde über die Zustände beschwert. Reaktion der Behörde: Eine Anweisung, dass jedes Kind 30 Minuten zum Essen haben muss. Damit wurde, so der Elternrat, erreicht, dass die ersten beiden Schichten zwar grundsätzlich in Ruhe essen könnten, die Kinder der dritten Schicht jedoch zum Teil gar keine Zeit mehr zum Essen hätten.
Dann tat sich erst einmal vier Monate nichts. Der Elternrat wartete auf eine Antwort des Schulsenators. Schließlich nahmen sich am 20. März die Linken in der Bürgerschaft dieses Themas an. „Zwei Sachen sind bemerkenswert“, so Sabine Boeddinghaus, die aus Harburg stammende Linken-Fraktionschefin. „Einmal die Kommunikation: Dass sich der Elternrat im November gemeldet und so lange keine Antwort erhalten hat. Und natürlich die Situation selbst. Ich finde das alles mittlerweile ohne Worte.“
Inzwischen bekam der Elternratsvorsitzende Sven Kammerahl eine Antwort. Aufgrund eines Büroversehens, so entschuldigte sich die Schulbehörde, käme die Antwort erst so spät. Immerhin: Die Behörde prüfe „die möglichen Verbesserungen der provisorischen Raumanlage bis zur Fertigstellung des Mensagebäudes.“

„Wir wollen eine Besserung“

Interview mit Sven Kammerahl
(Elternrat Grundschule am Kiefernberg)

Im Gespräch mit dem Elbe Wochenblatt nimmt der Elternratsvorsitzende zur Situation an der Grundschule am Kiefernberg Stellung.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation an der Schule ein? Grundsätzlich positiv. Die Schule hat eine engagierte Schulleitung, die viel für die Attraktivität der Schule getan hat. Es gibt eine engagierte Elternschaft, die sich nicht nur auf Schulfesten einbringt, sondern auch zahlreiche Aktivitäten der Schule begleitet. Hinsichtlich der Kantinensituation schreibt die Schulbehörde eine halbe Stunde Zeit für das Essen vor, was ich für Grundschulkinder auch als zwingend notwendig erachte. Aber diese Zeitvorgabe kann die Schule gar nicht einhalten.

Welche Sofortmaßnahmen sind aus Ihrer Sicht nötig?
Die Erweiterung der Kantinen-Container ist aus meiner Sicht eine gute Lösung, die zeitnah realisiert werden kann.
Plant der Elternrat weitere Schritte, sollte die Behörde auch weiterhin nicht reagieren?
Wir werden auf keinen Fall lockerlassen. Wir wollen jetzt eine Besserung und nicht erst mit einem Neubau 2019 oder 2020!
Warum ist es so wichtig, dass sich die Situation schnell ändert?
Grundschulkinder haben aus meiner Sicht, gerade beim Mit-
tagessen, einen großen Bedarf an Begleitung. Sie müssen lernen, mit Messer und Gabel zu essen, Tischregeln einzuhalten, eine Esskultur lernen. Wie soll das geleistet werden, wenn es bei der Zeitleiste nur noch darum gehen kann, alle Kinder abzufertigen?
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