„Tsipras soll Leistung zeigen“

Georgios Skokas erzählt, dass auf Facebook eine lange Namensliste mit reichen Griechen veröffentlicht worden ist. Der Imbissbetreiber will, das Tsipras deren Steuerschulden eintreibt. Griechenland sei „kein Bettler, der in Europa die Hand aufhält.“ Foto: Andreas Tsilis

Was Harburger Griechen nach dem Referendum erwarten.

Von Andreas Tsilis. Griechenland hat sich entschieden. Und viele wie Olga Amiridou hoffen nun auf eine schnelle und gute Lösung für das von der Staatspleite bedrohte Land. Aber schnell und gut, kann das funktionieren? „Die EU soll jetzt ein bisschen nachgeben“, sagt Amiridou, „ein Grexit, der Ausstieg aus dem Euro, wäre für alle ein Zusammenbruch.“
In der Sache setzt die Angestellte deshalb voll auf Tsipras. „Er ist ehrlich und damit anders als seine Vorgänger.“ Das Vertrauen in den Premierminister helfe gerade jüngeren Griechen gegen die Furcht, den Euro zu verlieren. Denn kommt die Drachme zurück, so glaubt Amiridou, wird nichts mehr so sein wie bisher: „Dann gehts mit Griechenland den Bach runter“.

Prinzip Hoffnung: „Wir können nur abwarten“

Das will sich Gastronom Saki Dimou gar nicht ausmalen, doch insgeheim glaubt er schon zu wissen, wie die Wiedereinführung des Drachme die Preise nach oben treiben würde. Ein Liter Milch könnte schnell bei 1.500 Drachmen (über drei Euro) liegen, rechnet Dimou aus. „Dreimal soviel wie jetzt.“
„Tsipras soll Leistung zeigen“, fordert Dimou deshalb. „Er muss für Griechenland das Beste herausholen.“ Im Café „El Greco“, einem Treffpunkt vieler Griechen, will sich Iordanis Karadimos am liebsten nicht mehr mit dem Thema beschäftigen. So oder so wird es eng, bricht es schließlich aus ihm heraus. „Es kann Jahre dauern, bis alles irgendwie läuft“, sagt der selbstständige Gemüselieferant. Was das für den Alltag bedeutet, will er sich nicht ausmalen. „Fragen Sie die Alten, die beschäftigen sich jeden Tag damit“, sagt Karadimos.
Die, die er meint, wollen heute aber lieber schweigen. „Wir können hier nur abwarten“, sagt Karadimos am Ende achselzuckend. Vom Abwarten hat die Medizinerin Eli Olowson-Saviolaki genug. Tsipras soll die Korruption angehen, Investitionen sollen das Land nach vorn bringen. „Das Volk braucht genug Luft zum Atmen.“
Im Keller des El Greco stapeln sich Postkarten auf dem Weg in Richtung Keller. Sie machen Werbung für den „13. Blankeneser Heldenlauf“ und das „Wunder von Bern“. Aber viele Harburger Griechen haben von Wundern und vermeintlichen Helden die Nase voll.
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