Tschüss, Herr Matthes

Manfred Matthes mit einem Familienfoto, das Weihnachten in der „Veddeler Fischgaststätte“ aufgenommen worden war. Foto: cvs

Der beliebteste Austräger des Elbe Wochenblatts starb mit 81 Jahren

Einmal, als er bei uns in der Redaktion war, sprach er über Wohlhabende, deren Taschen stets verschlossen sind. „Mitnehmen“, sagte Manfred Matthes, „können die auch nichts.“ Bitterkeit lag nicht in seiner Stimme, denn materielle Dinge standen für den beliebtesten Austräger des Elbe Wochenblattes nicht an erster Stelle.

Manfred Matthes war bis zuletzt voller Tatendrang

Groß geworden ist Matthes in der bekannten „Veddeler Fischgaststätte“, die zunächst seine Eltern und bis vor wenigen Jahren sein Bruder führte. In der Kindheit musste er um vier Uhr früh aufstehen, um Kartoffeln zu schälen. Als Erwachsener arbeitete er als Gebäudereiniger und Lieferwagenfahrer. Er war vier Mal verheiratet und hinterlässt drei erwachsene Kinder. Mit Ingeborg, seiner letzten Ehefrau, war er zuletzt nicht mehr in den Urlaub nach Föhr oder an den Bodensee gefahren, weil er nicht mehr so gut zu Fuß war. Dennoch war er immer noch voller Tatendrang. Zuletzt hatten wir im Sommer telefoniert, als er vom Treffen der „alten Veddeler“ berichtete.
Bis zu seinem 80. Geburtstag hatte Matthes das Elbe Wochenblatt in Rönneburg und Wilstorf zwölf Jahre lang ausgetragen, um seine Rente aufzubessern. Aber austragen ist ein zu technisches Wort für den Schwung, mit dem der Harburger auf seine Mitmenschen zuging und gute Laune verbreitete. Mit seiner grauen Weste, die er mit dem orangeroten Schriftzug des Elbe Wochenblatts beflocken ließ, und seinem Sonnenhut in Deutschlandfarben war Matthes eine auffällige Erscheinung. „Ich will ja, dass man mich erkennt“, begründete er sein Outfit.
Erst jetzt haben wir erfahren, dass Manfred Matthes am 7. November überraschend gestorben ist. Auch er kann nichts dahin mitnehmen, wo er jetzt ist. Aber er hat seine Familie, Freunde und Nachbarn, die ihn sehr vermissen.
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