Traumfabrik in der Heide

Vom Glanz vergangener Zeiten ist im Filmmuseum Bendestorf nicht viel zu spüren: Auf rund 120 Quadratmetern haben nur wenige Exponate Platz. Im Fundus der Filmstudios lagern viele Erinnerungsstücke. Fotos: sd
 
„Das Filmmuseum gehört auf das Studiogelände“, wünscht sich Walfried Malleskat, ehrenamtlicher Leiter der Einrichtung.

Filmstudios Bendestorf: Abrissbirne oder Multi-Media-Museum?

Von Abine Deh.
Walfried Malleskat hat einen Traum: Der 60-Jährige macht sich dafür stark, dass in eine der Hallen des Filmstudios Bendestorf ein modernes Filmmuseum einziehen kann. Im vergangen Jahr hat Malleskat daher den Verein Freundeskreis Filmmuseum Bendesdorf gegründet. „Die Halle A1 muss bleiben, sie ist der einzig richtige Ort für eine Würdigung der filmgeschichtlichen Dimension, die von den Bendestorfer Ateliers ausging“, sagt er.
Im 2.400 Einwohner zählenden Bendestorf am Rand der Lüneburger Heide wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Filmgeschichte geschrieben. Im Luftkurort sind die Straßenschilder aus Holz. Auf ihnen sind Namen wie Heinrich-George-Weg und Adele-Sandrock-Stieg zu lesen. „Diese Schauspieler haben nie in Bendestorf gearbeitet“, sagt Mal-leskat und schüttelt den Kopf. Er ist ehrenamtlicher Leiter des doch recht überschaubaren Filmmuseums Bendestorf. Auf den ebenfalls hölzernen Wegweisern steht es ganz unten, gleich darüber das Haus Meinsbur mit seiner „Antiken Gaststätte“. Besucher könnten auch einfach zur Ortsverwaltung gehen, wo das Filmmuseum untergebracht ist.
Während er die Schludrigkeiten in der Beschilderung rügt, färbt sich sein Gesicht rot. Malleskat kann sich in Rage reden, wenn es um sein Steckenpferd geht. Erste Anwärterin auf eine eigene Straße wäre die Knef: Hildegard Knef drehte 1951 in den Studios den Film „Die Sünderin“. Dass sie für anderthalb Sekunden nackt zu sehen war, löste im prüden Nachkriegsdeutschland einen riesigen Skandal aus.
Dass gleich drei verschiedene Gasthäuser in der Umgebung damit werben, dass die Szene in ihrem Biergarten gedreht wurde, muss Malleskat ebenfalls richtigstellen. Es war der Knef zu kalt für Außenaufnahmen, die dann ins große Studio A3 in Bendestorf verlegt wurden.
Wie kamen die Stars in die Heide? Das Filmstudio Babelsberg lag 1945 in der sowjetischen Besatzungszone, der Berliner Regisseur Rolf Meyer suchte nach einer Alternative in der britischen Besatzungszone und fand sie in Bendestorf. Bald wurden auf dem Gelände drei moderne Studiohallen gebaut, Heide-Hollywood war geboren.
Marika Röck, Zarah Leander und Johannes Heesters standen dort wieder vor der Kamera, was in Babelsberg unmöglich gewesen wäre. US-Schauspieler Peter Lorre drehte hier 1951 Teile seiner einzigen Regiearbeit „Der Verlorene“. Auch der von Quentin Tarantino verehrte Edgar-Wallace-Regisseur Alfred Vohrer ging in den Bendestorfer Studios ein und aus. John Lennon, intellektueller Kopf der Beatles, spielte 1966 in der Heide einen Soldaten im Film „Wie ich den Krieg gewann“.
Von diesen glorreichen Zeiten ist im Filmmuseum nicht viel zu spüren. Der weinrote Bademantel, den Antony Perkins trug, als er 1991 in Bendestorf an der Seite von Vanessa Redgrave in „Der Mann nebenan“ seine Paraderolle, einen Psychopathen, gab, sowie das Originaldrehbuch der „Sünderin“, sind die Attraktionen.
Im Heide-Hollywood wird nur noch sporadisch gedreht. Der Boom durch viele Aufträge aus der Werbeindustrie in den Achtzigern ging rasch wieder vorbei. „Dauerhaft ist Bendestorf als Film-Standort nicht zu halten“, macht sich Hans-Joachim Fink, der Eigentümer der Studios, keine Illusionen. Für heutige Produktionen seien die Hallen zu klein und zu weit ab vom Schuss. Fink könnte dort aufgrund einer Änderung des örtlichen Bebauungsplans inzwischen Wohnhäuser bauen.
Die Idee, eine der Studiohallen in ein Multi-Media-Museum umzufunktionieren findet Fink „charmant“. Er würde der Gemeinde für dieses Projekt auch eine seiner Hallen verkaufen, wenn der Preis stimme. Eine Machbarkeitsstudie soll jetzt zeigen, ob sich die Museums-pläne rechnen. Im Herbst will die Gemeinde das Ergebnis präsentieren. Dann wird sich zeigen, ob sich Malleskats Traum von einem modernen Filmmuseum erfüllt, oder seine Ausstellung weiterhin ein trostloses Dasein unter dem Dach der Gemeindeverwaltung fristen wird.
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