„Such und Hilf!“

Ronja wartet auf das Signal ihrer Hundeführerin Iris Paiska: „Such und Hilf!“. Fotos: ast
 
Gut vorbereitet: Wiebke Krahn testet mit einem Puder die Windrichtung.

Immer wieder sonntags: Wie die Rettungshundestaffel in Wald und Feld trainiert.

Von Andrea Stein. Es ist Sonntagmorgen, 8.30 Uhr, die Sonne kämpft sich mühsam ihren Weg durch den Morgennebel. Herbstlich kühl ist es, aber den Vierbeinern ist das egal. Sie wollen jetzt nur eins: ihre Arbeit tun. Das Gelände der Polizeihundeschule in Altengamme ist heute das Übungsgebiet der Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg. Sie proben den Ernstfall: die Suche nach vermissten Menschen.
Für die Hundenase mit ihren über 200 Millionen Riechzellen (der Mensch hat fünf Millionen!) ist das kein Problem. In der Ausbildung lernen die Tiere, ihre hervorragende Nase für die Suche einzusetzen und dem Hundeführer zu melden, ob und wo er etwas gefunden hat. Etwa zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung eines Hundes, dann kann er nach bestandener Prüfung in den echten Einsatz gehen.
Ronja und Rudi, zwei junge Mischlinge, stehen gerade erst am Anfang ihrer Ausbildung. Mit dem Kommando „Such und Hilf!“ werden sie von ihren Hundeführern auf die Suche geschickt. Sie haben schon gelernt: wenn ich jetzt zu dem „Opfer“ laufe und belle, dann gibts Leckerli! „Bei den erfahreneren Hunden arbeiten wir hingegen haupsächlich an der Suchkondition“ erklärt Ausbilderin Wiebke Krahn. In einem Einsatz durchsuchen die Hunde immerhin bis zu 40.000 Quadratmeter innerhalb von rund 20 bis 30 Minuten. Die meisten Hunde der Staffel sind Flächensuchhunde. Sie suchen lebende Menschen und werden in weitläufigen Gebieten, etwa im Wald, eingesetzt, wo man ansonsten Suchtrupps mit Hunderten von Menschen losschicken müsste.
Seit einiger Zeit sind in der Staffel neben ihren 16 geprüften Flächensuchhunden auch vier zusätzlich in Trümmern geprüfte Vierbeiner mit auf der Suche.
„Früher wurden in Deutschland nur Trümmersuchhunde ausgebildet. Das ist leider etwas eingeschlafen. Aber auch noch heute gibt es Einsätze in Deutschland, denn es kommt immer wieder auch zu Gebäudeeinstürzen. So bin ich sehr stolz, dass unsere Staffel auch in solchen Fällen Hilfe leis-ten kann“, sagt Holger Grinnus. Der Erste Vorsitzende der Staffel ist auch im Auslandskader des BRH tätig. Dieser Trupp kann jederzeit in Katastrophengebiete auf der ganzen Welt geschickt werden.
Das Einsatzgebiet liegt allerdings meist in der Nähe: In den letzten eineinhalb Jahren ist die Staffel zu rund 50 Einsätzen ausgerückt. Meist sind es Senioren, selbstmordgefährdete Menschen, aber auch Kinder, Wanderer und Pilzsammler, die vermisst werden. Hamburg und die gesamten Landkreise Harburg und Lüneburg gehören zu den Einsatzgebieten. Aber es kann auch Richtung Soltau oder nach Schwerin gehen, wie zuletzt vor drei Wochen: Leider kamen die Retter hier zu spät, die Person hatte sich im Wald erhängt.
So ein Einsatz dauert schon mal zehn Stunden, und das oft mitten in der Nacht. Die fast 50 Mitglieder der Staffel sind neben ihren ganz normalen Berufen alle ehrenamtlich für die Staffel tätig. Training, Einsätze – auch für den Hamburger Katastrophenschutz – Weiterbildung: das lässt manchmal nicht viel Raum für die persönliche Freizeit. Aber: „Die Kombination aus Beschäftigung mit dem Hund und sinnvoller Tätigkeit für die Gesellschaft gefällt mir einfach“, sagt Ole Langhans. Sein Schäferhund Cliff, geprüfter Rettungshund, hat gut gearbeitet heute. Für ihn heißt es jetzt: Ab nach Hause.

Die Bundesverband Rettungshunde (BRH) Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg ist ein gemeinnütziger Verein, der sich nur aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.
Kontakt: www.rhs-harburg.de
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