„Stadt für alle“ ist in Gefahr

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt spricht von einer „hohen Nachfrage auf einem weiterhin dynamischen Wohnungsmarkt“. Foto: bina engel

Die Mieten stiegen in Hamburg seit 2015 um 5,2 Prozent

Volker Stahl, Hamburg
In der Hansestadt gibt es 938.000 Wohnungen, rund 700.000 davon sind Mietwohnungen. Und die werden immer teurer. Seit 2015 haben sich die Netto-Kaltmieten in Hamburg um 5,2 Prozent von durchschnittlich 8,02 auf 8,44 Euro pro Quadratmeter erhöht. Damit sind Mieten seit 2011 um rund 18 Prozent gestiegen, mithin dreimal so schnell wie die sonstigen Lebenshaltungskosten.Die Mieten gingen vor allem
in guten Wohnlagen durch die Decke, durchschnittlich um mehr als sieben Prozent. Die stärkste Steigerung gab es laut Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt bei 66 bis 91 Quadratmeter großen „minderausgestatteten Altbauwohnungen“ (23,2 Prozent), bei den „Nachkriegsbeständen“ (Bauten von 1948 bis 1960) sowie in der Baualtersklasse von 1961 bis 1977. Den stärksten Preisrück-gang errechnete die Behörde in Feld C5 – kleine Altbauwohnungen in guter Lage kosten durchschnittlich 11,2 Prozent weniger.

Senat will weiter 10.000 Wohnungen im Jahr bauen


Insgesamt lässt sich jedoch feststellen: Weder die im Juli 2015 eingeführte Mietpreisbremse noch die Wohnungsbauoffensive des Senats mit 16.000 neuen Einheiten konnten die erneute Mietensteigerung stoppen. Grund dafür ist das Bevölkerungswachstum um 40.000 Personen in diesem Zeitraum.
Senatorin Stapelfeldt versprach, die Anstrengungen des Senats fortzusetzen, um jährlich mindestens 10.000 Wohnungen auf den Weg zu bringen, denn: „Ein Stillstand auf dem Wohnungsmarkt wäre verheerend für Menschen mit geringem Einkommen. Hamburg muss eine Stadt für alle bleiben.“
Die Folgen der davongaloppierenden Mieten dürften viele Hamburger schon bald in ihrem Geldbeutel spüren: Statt eines schönen Weihnachtsgeschenks haben viele der 720.000 Hamburger Mieterhaushalte pünktlich zum Fest eine saftige Mieterhöhung von ihrem Vermieter präsentiert bekommen.
Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, fürchtet, dass nach der Veröffentlichung des Mietenspiegels Anfang Dezember bis zu 200.000 Haushalte betroffen sind und warnt diese davor, Mieterhöhungsverlangen ungeprüft zu akzeptieren: „Jede unberechtigte Mieterhöhung benachteiligt nicht nur den unmittelbar betroffenen Mieter, sondern führt auch dazu, dass diese Mieten in den nächsten Mietenspiegel einfließen.“
Während der Mieterverein den Senat aufforderte, den Steigflug der Mieten durch forcierten Wohnungsneubau, Nachbesserung bei der Erstellung des Mietenspiegels (alle Mieten sollen darin einfließen, nicht nur die Neuvertragsmieten) und durch Erlass von Sozialen Erhaltungsverordnungen zu stoppen, zeigten sich Vertreter der Wohnungswirtschaft zufrieden mit der Entwicklung auf dem Mietmarkt. Torsten Flomm vom Hamburger Grundeigentümerverband sprach von einer „moderaten Preisentwicklung“ und Axel Wittinger, Vorsitzender des Immobilienverbands IVD, erklärte, die Steigerung um 5,2 Prozent habe ihn nicht verblüfft: „Die Handwerkerlöhne sind noch stärker gestiegen. Deshalb sind Mieterhöhungen in dieser Größenordnung zur Gebäudeerhaltung wichtig.“
Derweil fordert die CDU, das Umland in die Lösung des Wohnungsproblems mit einzubeziehen. „Hamburg alleine wird es nicht schaffen. Die Randgebiete und die Metropolregion müssen mit einbezogen werden. Dies würde den Flächenfraß in der Stadt eindämmen und für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen“, so Jörg Hamann (CDU Hamburg).
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