So fängt man Meteoroide

Das Experiment des TUHH-Teams gehört zu den 18 Projekten, die europaweit für das Raumfahrtprogramm REXUS/BEXUS ausgewählt wurden. Grafik: pr
 
Großes Interesse an Raumfahrt und Astrophysik: Ihsan Kaplan (23). Foto: pr

Studenten der TUHH starten Forschungsprojekt
in der schwedischen Tundra

Ch.v. Savigny, Harburg

Irgendwann im Oktober dieses Jahres werden Ihsan Kaplan (23) und seine Mitstreiter ganz weit oben in der nordschwedischen Tundra einen riesenhaften Ballon aufsteigen lassen. Der Ballon – Durchmesser 64 Meter – mit dem Namen „Bexus“ soll etwa 35 Kilometer hoch bis in die Stratosphäre hinauf schweben und unterwegs lauter winzige Meteoroide – kleine Teilchen aus dem All – einsammeln.
Kaplan, Maschinenbaustudent an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH), erhofft sich dadurch neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Atmosphäre. „Man findet dort Moleküle, die es auf der Erde nicht gibt“, erklärt er. Bei den Teilchen werde es sich großen-teils um Eisen-Nickel-Ver-bindungen handeln. „Die Untersuchung soll unser Verständnis über das Vorkommen dieser Partikel und deren Art und Zusammensetzung aufklären. Es ist ein relativ unbekannter Bereich, der sehr viele Überraschungen bereithält“, sagt Kaplan.
Das Projekt, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gesponsert wird, trägt den komplizierten Titel „High Altitude Meteoroids-dust-catching-Balloon constrUcted by a Revolutionary Generation“. Dafür liest sich die Abkürzung umso einfacher: „HAMBURG“.
Zusammen mit seinem 20-köpfigen, interdisziplinären Team hat Kaplan eine Art Gondel gebaut, die insgesamt vier magnetische Module enthält und die an den Ballon angehängt wird. Mit den Modulen werden die Teilchen eingefangen. Dauer des Experiments: etwa fünf Stunden.
„Ab einer bestimmten Höhe werden wir die Modulkammern schließen, sodass keine Kontamination am Boden möglich wird“, berichtet Kaplan. Zusätzlich werde ein Barometer angebracht. „Somit können wir ein Höhe-Dichte-Profil der Atmosphäre an Mikrometeoroiden erstellen.“
Die Ergebnisse des Experiments werden später bei der DLR eingereicht. „Danach wollen wir einen Teil unsere Proben verschiedenen Instituten spenden, damit die noch weitere Forschung damit betreiben können“, sagt der Projektleiter. „Es ist ein relativ günstiger Versuch, den man viel öfter machen könnte, ohne hochkomplexe millionenteure Missionen starten zu müssen.“

Der Projektleiter: Ihsan Kaplan
„Ich habe ein sehr großes Interesse für Raumfahrt und Astrophysik. Da ich mich regelmäßig mit Themen rund um´s Weltall beschäftige, kenne ich mich gut in diesen Themen aus“, erzählt der angehende Maschinenbauer Ihsan Kaplan.
Mehr durch Zufall sei er auf der Homepage des DLR auf den Wettbewerb gestoßen – und habe sich daraufhin beworben. Die Zulassung bedeutete für ihn und sein Team einen echten Glücksfall: „Das Experiment ermöglicht Rückschlüsse, die auf der Erde nicht möglich wären“, sagt der 23-Jährige.
Sich selbst bezeichnet er als neugierigen Menschen. „Maschinenbau habe ich angefangen zu studieren, da ich gerne Sachen entwerfe und sie irgendwie umsetzen möchte“, berichtet er. Im Rahmen seines Studiengangs arbeitet er zusätzlich als Tutor und bringt Studenten bei, wie man Getriebe und Luftschiffe baut. Um den Unistress auszugleichen, geht er ins Fitnessstudio und ins Schwimmbad. „Außerdem nehme ich Gesangsunterricht und will demnächst Gitarre und Klavier lernen.“ In Zukunft möchte Kaplan weiterhin an Wettbewerben teilnehmen, selbst Patente anmelden und sie anschließend umsetzen.

Noch mehr Tüftler
TUHH-Studenten sind findig und kreativ. Ausprobieren, experimentieren und tüfteln nehmen einen wesentlichen Anteil am Studium ein. Davon zeugen auch die zahlreichen Arbeitsgemeinschaften (AGs) an der Uni – laut Homepage sind es zurzeit 44.
Beispiele:
- Die „RobotING AG“ bringt Robotern das Fußballspielen bei und schickt sie auf internationale Turniere (www.hulks.de).
- Die „e-gnition Hamburg AG“ baut jedes Jahr einen elektrischen Rennwagen und startet damit ebenfalls bei Wettbewerben in Deutschland und anderswo.
- Die Gruppe „Power FarmING“ beschäftigt sich damit, einen „Photobioreaktor“ zu konstruieren.
- Die „Technik ohne Grenzen AG“ plant und konstruiert einen Staudamm für Eritrea.
- Die „TECH AG“ baut zurzeit ein Luftschiff.
Etliche AGs kümmern sich zudem um die Integration von ausländischen Studenten oder bieten Gemeinschaftsaktionen an.
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