Sie packte Harburg-City auf die Karte

Gilt als „Mutter der Harburger Stadtrundgänge“: Ingrid Sellschopp, hier vor dem Harburger Rathaus. Foto: pr
 
Kleines Rätsel: Wo im Harburger Binnenhafen sind die „fliegenden Fische“ zu bewundern?. Foto: pr

Ingrid Sellschopp erfand Stadtteiltouren durch Hamburgs Süden

Jens Beeskow, Hamburg

Für manche Hamburger jenseits der Elbe gilt Harburg bis heute als ein eher schmuddeliger Industrie- und Arbeiterstadtteil, wo vornehmlich ärmere Leute und zahlreiche Ausländer leben. Die Realität sieht allerdings mlängst ganz anders aus. Spätestens seit der Gründung der international renommierten Technischen Universität Ende der 1970er Jahre hat das Stadtbild Harburgs eine rasante Entwicklung genommen.
Dass der Stadtteil südlich der Elbe heute einige ausgesprochen sehenswerte Ecken hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Nur entdecken muss man sie – oder man lässt sie sich zeigen. Harburgs wohl charmanteste Botschafterin ist Ingrid Sellschopp, die sich selbst als „die Mutter der Harburger Stadtrundgänge“ bezeichnet: „Im Jahr 2003 habe ich Harburg praktisch erst auf die touristische Landkarte gesetzt“, erzählt die Seniorin.
Die gebürtige Münchnerin ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, spricht fließend Englisch und Französisch, hat zwei Jahre für eine US-Firma in Brüssel gearbeitet.
Dort hat sie einen in Hamburg ansässigen Juristen kennengelernt, ist mit diesem aus Liebe nach Harburg gezogen und wurde Hausfrau. Doch das genügte ihr schon bald nicht mehr. Und so nahm sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung Kontakt mit der Hamburger Tourismus-Zentrale (heute HHT) auf. Dort wurden im Vorfeld des 800. Hafengeburtstags 1989 Gästeführer gesucht und entsprechend ausgebildet. „Im Prinzip ist das dann zu dem Beruf meines Lebens geworden“, schwärmt Ingrid Sellschopp, die somit natürlich auch Mitglied im Hamburger Gästeführerverein ist.
Harburg ist ihr eine
Herzensangelegenheit
Ab 1990 hat sie dann den Besuchern der Hansestadt Speicherstadt und Torhäuser gezeigt, der Katalog der touristischen Highlights wuchs ständig. „Ich habe lange versucht, auch Harburg mit in diese Reihe aufnehmen zu lassen, habe Pressearbeit gemacht, bis wir 2003 den ersten Rundgang in Harburg anbieten konnten geboten haben.“ Harburg – Im Süden viel Neues, so lautete der Titel der ersten Gästeführung, die auch heute noch im Programm ist. „Der Andrang war enorm groß vor dem Rathaus, wo wir gestartet sind“, erinnert sich Ingrid Sellschopp. „Wir haben das dann mit drei Gästeführern gemacht. Und man hatte schon das Gefühl, dass Harburg sich danach, als es regelmäßig Führungen gab, schon aufgewertet gefühlt hat.“
Bis 2015 hat sie mit einem Team aus vier Gästeführern, zu dem mit Hans-Ulrich Niels ein weiterer Ur-Harburger gehörte, den Stadtteil präsentiert. Mittlerweile macht Ingrid Sellschopp allein weiter, ist in Harburg bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Zwar bietet sie auch in Hamburg weiter Führungen an, aber dass Harburg ihr eine echte Herzensangelegenheit ist, spürt man im Gespräch mit der Expertin sofort. „Das ist für mich sowas wie ein Alleinstellungsmerkmal.“ Die Konkurrenz sei mittlerweile groß geworden. Unter anderem bietet auch die Kulturwerkstatt Führungen an. Doch dank der Kombination aus Herzblut und fundierter Ausbildung ist Ingrid Sellschopp noch immer eine gern und gut gebuchte Gästeführerin. Neben einigen offiziell angebotenen Rundgängen zeigt sie mittlerweile zumeist Gruppen nach persönlicher Absprache die Vorzüge Harburgs.
Eine Besonderheit in Ingrid Sellschopps Repertoire ist eine kleine literarische Aufführung, die in die Kaiserzeit entführt. Regelmäßig stellt sie dabei die naiv-komische und von Männern umschwärmte Dichterin „Julchen“ Schrader dar.
„Ich bin dieser ja realen Figur durch einen Beitrag in den Harburger Anzeigen und Nachrichten begegnet und habe mir diese kleine Aufführung ausgedacht, die Unterhaltung für Jung und Alt sein soll. Das kommt immer sehr gut an, und deshalb mache ich das auch gern weiter.“ Überhaupt beschreibt sie ihre Art der Gästeführung als „Infotainment“. Sie verpackt historische Fakten – je nach Stimmungslage des Publikums – in unterhaltsame Geschichten. Warum hat ausgerechnet Harburg so ein schönes Rathaus? Warum gehörte Harburg früher einmal zu Hannover? Und wie ist das Finanzamt der Stadt zum kundenfreundlichsten in Deutschland geworden?
„Ich führe die Besucher vom alten Harburg bis in die Zukunft, schlage einen Bogen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert . Dabei drehe ich bei Weitem nicht jeden Stein um. Ich gebe einen Überblick über die sehenswerten Bereiche, ich empfehle auch schonmal ein gutes Restaurant, mache eben Lust auf mehr Harburg.“
Wer diesen Beruf ergreifen möchte, muss schon ein ausgesprochen kommunikativer Typ sein. Das ist Ingrid Sellschopp auf jeden Fall. Immer wieder gibt sie Anekdoten und witzige Begebenheiten zum Besten. Dass sie früher gern Schauspielerin geworden wäre, könnte man durchaus erahnen. „Man muss bereit sein, anderen auf diese spezielle Art ein paar schöne Stunden zu bereiten. Für mich selbst ist es schon eine Freude, mit interessierten Leuten zusammen zu sein und ihre Neugier zu stillen.“
Was sind ihre persönlichen Highlights in Harburg? „Ich liebe den Anlauf auf das Silo im Binnenhafen. Das ist fast wie ein Laufsteg. Aber auch der Kulturspeicher, das älteste Lagerhaus Hamburgs, das es schon seit 1827 gibt, ist ein absolutes Harburg-Muss.“

Gästeführer
Gästeführer mit Spezialgebiet Harburg und Wilhelmsburg sind unter anderem
Ingrid Sellschopp
ingrid.sellschopp@arcor.de
Tel. 040-760 29 60

Hans-Ulrich Niels
hu.niels@arcor.de
Tel. 040-790 6333

Burkhard Kleinke
burkhardkleinke@web.de
Tel. 040-7533612
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