Sie drehen an allen Uhren

Praktischer Unterricht: Lehrer Jörg Zehle mit seinen Schülern des zweiten Ausbildungsjahres. Foto: sd
 
Die Ausbilder der Uhrmacherschule Hamburg: Die Lehrer Rainer Lüers und Jörg Zehle (o.v.l.) sowie Ralf Holsten und Rainer Schümann (u.v.l.).

Ein Besuch in Norddeutschlands einziger Uhrmacherschule

Von Sabine Deh.
Was für ein Fummelkram! Patrick Thernes (22) hat sich das Uhrwerk mit der Lupe genau angesehen, jetzt zieht er es auf und wird die Räder auf Ober- und Unterseite ölen. Die Öltropfen sind winzig. Um ihn herum sind Wand-, Tisch- und Stand-Uhren. Bei einigen fehlen die Zeiger und das Uhrwerk. Die meisten bimmeln aber im Stundentakt oder geben einen tiefen Gong von sich.
Wie sein Vater möchte Thernes später mit alten Taschenuhren handeln. Neben ihm sitzt die 17-jährige Johanna Holtz, die später das Juweliergeschäft ihrer Großmutter übernehmen wird. Beide stecken mitten in ihrem zweiten Ausbildungsjahr in der Uhrmacherschule Hamburg.
Von außen wirkt das graue Schulgebäude in Farmsen unscheinbar. Aber sobald der Besucher im Inneren den Trakt der Uhrmacher-Zunft betritt, weiß er, was die Stunde geschlagen hat. In ganz Deutschland gibt es nur fünf Berufsfachschulen für Uhrmacher. Die Hamburger Einrichtung ist die einzige für den gesamten norddeutschen Raum.
1284 wurde in Exeter, England, mit dem Bau der ersten mechanischen Uhr begonnen. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden Uhren maschinell hergestellt. Seitdem kümmern sich die Uhrmacher auch um Wartung und Reparatur. Vor etwa 30 Jahren sah es danach aus, als würde die Quarzuhr die mechanische Uhr vom Markt verdrängen. Aber es kam anders. Handgefertigte Uhren verkaufen sich besser als zuvor. „Da pocht und tickt es in der Uhr, und der Träger weiß, da saß ein echter Handwerker dran“, schwärmt Azubi Jesko Wethel (20). Im Trend liegt auch, dass die Uhrwerke ohne Batterien laufen.
Mechanische Uhren „sind ein stark wachsender Markt im Luxus-Bereich, aber auch im mittelpreisigen Segment“, drü-ckt es Berufsschullehrer Jörg Zehle (48) in reinstem Marketingdeutsch aus.
In der Hamburger Uhrmacherschule werden pro Jahr 26 neue Azubis angenommen. Voraussetzung ist mindestens ein guter Hauptschulabschluss. Man braucht Ruhe und Ausdauer und Geschick mit den Händen. Grobmotoriker haben in der dreijährigen Ausbildung keine Chance.
Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind rosig, Uhrmacher sind gefragt wie lange nicht. In der Uhrenhochburg Schweiz wird händeringend Nachwuchs gesucht. Aber auch in Deutschland werden die jungen Gesellen buchstäblich am Schultor abgeholt. „Bei uns treffen täglich Anfragen aus der ganzen Republik ein“, so Lehrer Rainer Schümann (63) und deutet auf einen Stapel Briefe. Erfolgreiche Absolventen der Schule sind heute als Uhrmacher bei Wempe Hamburg, Rolex, Jaeger Le Coultre und Lange Uhren Glashütte tätig. Andere haben sich für eine Laufbahn im Management entschieden, sich selbstständig gemacht oder arbeiten als Industriemechaniker, zum Beispiel bei der Lufthansa.

Interessenten können sich bis zum 31. März um einen Ausbildungsplatz bewerben. Kontakt: Berufliche Schule Farmsen G16, Hermelinweg 8, 22159 Hamburg. Weitere Informationen im Internet unter http://www.g16hamburg.de
Am heutigen Sonnabend, 25. Februar, stellt sich die Uhrmacherschule von 9 bis 16 Uhr auf der Berufsmesse „Einstieg“ in den Hamburger Messehallen (Halle B6/Eingang Süd), Messeplatz 1, vor. Der Eintritt ist frei.
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