Schiffbau wie vor 60 Jahren

Die Verständigung durch die geschlossene Bordwand funktioniert nur mit Klopfzeichen, die man auch mit Gehörschutz („Micky-Mäusen“) wahrnimmt, die hier jederder Restaurateure trägt. Foto: Ursula Wöst

Damit der historische Stückgutfrachter MS Bleichen so aussieht wie bei
seinem Stapellauf 1958 arbeiten sie auf der Norderwerft mit alten Nieten

Von Horst Baumann. Jetzt nieten sie wieder. Auf der Hamburger Norderwerft wird momentan der historische Stückgutfrachter MS Bleichen restauriert. Das Besondere: Rund 20 Meter wasserdichte Nietnähte werden dabei in aufwändiger Handarbeit wieder hergestellt.
Grund für die Anwendung des Niet-Verfahrens, das seit Ende der 1950er-Jahre nicht mehr praktiziert wird, ist der historische Wert des Schiffes: Die Bleichen ist ein eingetragenes Denkmal, und die im Sichtbereich liegenden Nietnähte sind optisch sehr dominant, ihr Fehlen würde das Erscheinungsbild deutlich beeinträchtigen.
Als die Bleichen 1958 auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg erbaut wurde, befand sich der Schiffbau im Wandel. Das Elektroschweißen war auf dem Vormarsch, aber es gab in der konservativen Reederschaft noch viele Vorbehalte dagegen. Bei der MS Bleichen wurden deshalb unte anderem noch die Längsnähte der gesamten Außenhäute vernietet, alles andere wurde wie heute üblich geschweißt.

Johnny Lührs nietete schon an der Süderelbebrücke

Die Norderwerft hat es bei der Restaurierung nicht leicht: Pro laufenden Meter werden 22 Niete gebraucht, insgesamt rund 500. Diese sind heute schwer zu bekommen. Fündig wurde die Stiftung Hamburg Maritim nach langer Suche bei einer Werft in Südnorwegen, die noch einen Restbestand hatte.
Die Nietkolonne besteht aus dem Nieter draußen, im Schiffsinneren sind noch weitere drei Mann am Arbeiten. Vormann der Truppe ist Jonny Lührs (64), von Haus aus Maschinenbau-Ingenieur und auf die technische Instandsetzung historischer Maschinen und Dieselmotoren spezialisiert. Er hat schon bei der Restaurierung der denkmalgeschützten Süderelbbrücke mitgewirkt und dort viele tausend Niete geschlagen. Der Rest der Truppe ist ehrenamtlich aktiv im Umkreis des Hafenmuseums.
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