Reinhold Fiedlers Kampf gegen die Obrigkeit

Reinhold Fiedler ist sauer, weil er trotz seines Behindertenausweises Strafmandate für Falschparken bekommt. Foto: pr

Schwerbehinderter Harburger Rentner will Strafzettel für Falschparken nicht zahlen

Sabine Langner, Hamburg-Süd

Wo dürfen Schwerbehinderte mit ihrem Auto parken? Über diese Frage streitet Reinhold Fiedler derzeit mit der Harburger Obrigkeit.
Hintergrund: Um Reinhold Fiedlers Gesundheit steht es nicht zum Besten. Der 74-jährige an Krebs erkrankte Harburger ist 100 Prozent schwerbehindert. Eine schwere Herzoperation und nun auch noch Osteoporose machen ihm das Leben und das Laufen schwer. Vom Arzt bestätigt, kann er nur rund 20 Meter weit laufen. Ein Rollator und Krücken helfen ihm, die notwendigen Strecken zurückzulegen. Doch davon lässt sich der Rentner nicht unterkriegen. Er versorgt seine ebenfalls behinderte Ex-Frau und bietet nebenbei ehrenamtliche Hilfe für behinderte Menschen beim Umgang mit Behörden an.
Jetzt hat er selbst Ärger und zwar mächtig: Wegen nicht bezahlter Strafmandate fürs Falschparken stand die Polizei vor seiner Tür und wollte den Rentner in Erzwingungshaft stecken. Aus zahlreichen Tickets, meist Beträge zwischen 10 und 20 Euro, haben sich inzwischen einige hundert Euro angesammelt.
Den Knast vor Augen zahlte Reinhold Fiedler die ausstehende Summe, will sich jetzt aber mit allen Mitteln dagegen wehren. „Ich bin behindert und habe auch ein gut sichtbares Schild im Auto“, klagt der Rentner. „Es gibt in Harburg viel zu wenige Behindertenparkpläze! Und die sind auch häufig von Nichtberechtigten zugeparkt.“
„Eine Polizistin hat mir gesagt, ich könne mich auch auf einen anderen Parkplatz stellen, wenn die Behindertenparkplätze besetzt seien“, berichtet Reinhold Fiedler. Das nahm der ehemalige Garten- und Landschaftsbauer offenbar wörtlich und stellte sich auch schon mal mitten in eine Fußgängerzone. „Ich kann nicht weit laufen. Klar parke ich dann in der Nähe meines Ziels. Wenn ich dort ein Strafmandat bekomme, dann zahle ich das nicht. Warum auch? Ich bin behindert“, sagt Reinhold Fiedler.
Das sieht die Hamburger Ordnungsmacht anders. Auch für Menschen mit Handicap und einem Behindertenausweis gilt die Straßenverkehrsordnung.

Was ist erlaubt?
In ganz Harburg gibt es rund 80 nur für Menschen mit einem Behindertenparkausweis verfügbare Parkplätze, teilt Ralf Geissler, Leiter Verkehr und Prävention der Harburger Polizei, mit. Dazu kommen noch einige speziell auf den Halter eines bestimmten Fahrzeuges eingerichtete Parkplätze. Ist ein Behindertenparkplatz besetzt, gilt für Menschen mit Handicap und Ausweis eine so genannte Parkerleichterung. Das bedeutet, dürfen im eingeschränkten Halteverbot stehen. An Parkplätzen mit Parkuhr müssen sie nicht zahlen. Sie dürfen auch während der freigegebenen Be- und Entladezeiten in Fußgängerzonen stehen. Allerdings nur in diesen Zeiten. Absolute Halteverbote gelten aber auch für Autofahrer mit Behindertenausweis.
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1 Kommentar
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Rainer Forsbach aus Heimfeld | 05.03.2017 | 21:57  
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