Petra und Labrador Pauli helfen Kindern

Seit knapp neun Jahren unzertrennlich: Erzieherin Petra John und Labradormischling Pauli. Fotos: cvs
 
Kuscheln mit Hund: Jana (4) sieht man an, dass ihr das gefällt.

Einmal in der Woche kommt der Therapiebegleithund in die Kita Chamäleon.

Von Christopher von Savigny. Dean hat gerade vergessen, dass er einen rechten Arm hat, den er sehr gut bewegen kann. Er ist ein äußerst quirliges Kerlchen – nur seine rechte Körperseite macht eben nicht immer mit. Der Achtjährige hat einige Handicaps: Er trägt eine Brille und ein Hörgerät. Er hat Koordinationsschwierigkeiten. Eine Flasche zu öffen ist für ihn nicht leicht, weil man dafür beide Hände braucht. „Das kann ich nicht!“ ruft er. „Doch, das kannst du“, antwortet Petra John, Erzieherin in der Kita Chamäleon in der Chemnitzstraße in Altona. Besonders gut klappt es, wenn ihr Hund Pauli dabei ist. Pauli springt auf und guckt schwanzwedelnd, was Dean da tut. Und tatsächlich: Auf einmal geht die Flasche auf. „Gewonnen!“, ruft Dean und dreht vor lauter Glück auf Strümpfen eine Pirouette.

Pauli, ein schwarzer, etwa neun Jahre alter Labradormischling, ist ausgebildeter Therapiebegleithund. Therapiebegleithunde haben ein feines Gespür für Stimmungen. Sie können dadurch Menschen helfen, die psychisch erkrankt sind. Aber auch die Kinder der Kita Chamäleon profitieren davon, wenn sie mit Pauli zusammen sind.

Hyperaktive werden geerdet

„Im Umgang mit Hunden lernen Kinder, Rücksicht und Verantwortung zu übernehmen, und sie erfahren Freundschaft“, sagt John. Besonders in der kindlichen Entwicklung im Alter von null bis sechs Jahren gibt der Hund „Sicherheit und Geborgenheit und hilft Krisen zu bewältigen“.
Im März haben John und Pauli ihre gemeinsame Ausbildung bei „Soul Dogs“ in der Nähe von Elmshorn mit einem Zertifikat als „Therapiebegleithundeteam“ abgeschlossen. Seither bietet die Erzieherin in ihrer Kita regelmäßig Einzel- und Gruppensitzungen an. Die Therapie ist kostenlos und gehört zum Angebot der Altonaer Kindertagesstätte.

Die nächste Therapiestunde: Sechs Kinder sitzen auf dem Boden und gucken sich Bilder an, die Petra John herumzeigt. Typisches Hundeverhalten ist darauf abgebildet: Schwanzwedeln, Ohren anlegen, Lefzen hochziehen. „Ist der Hund fröhlich?“, fragt sie. „Oder ist er sauer?“ Auch solche Themen gehören zu den wöchentlichen Sitzungen dazu. „Kinder, die nicht mit einem eigenen Hund aufwachsen, wissen oft nicht, wie sie sich einem Vierbeiner gegenüber verhalten sollen“, erklärt John. Umso wichtiger sei es, dass sie es frühzeitig lernen. Währenddessen liegt Pauli hechelnd etwas abseits auf dem Fußboden, wo er sich auf Befehl seines Frauchens niedergelassen hat. Der Tag war lang, und Kinder können ziemlich anstrengend sein. „Warum macht der so witzige Geräusche?“ fragt Liam (5). Und Imani (4) stellt mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet, fest: „Der hat ja Zähne!“

Petra John findet es gut, wenn die Kinder solche Fragen stellen. „Das zeigt, dass sie sich mit Pauli beschäftigen“, sagt sie. Die Kita-Kinder dürfen den Labradormischling anfassen, sie dürfen an seinem Fell riechen und seine Krallen befühlen.

Frauchen ist St.-Pauli-Fan

Pauli ist geduldig, aufmerksam und er tut so ziemlich alles, was ihm sein Frauchen sagt. Zum Beispiel kann er zum „Lesehund" werden und ein Buch aussuchen, das anschließend gemeinsam angeguckt wird. Oder er kann eine Flasche umdrehen, in der ein Leckerli versteckt ist.
Große Klasse finden es Kinder, wenn sich Pauli an sie schmiegt oder sogar auf ihren Rücken legt. „Kontaktliegen“ nennt es John. Das hilft besonders hyperaktiven Kindern, weil „sie sich total geerdet fühlen“.

Kennengelernt haben sich John und Pauli – der so heißt, weil sein Frauchen eine treue Anhängerin des FC St. Pauli ist – übrigens im Sommer 2005 auf dem Hamburger Flughafen. Pauli war als Straßenhund aus Griechenland gekommen, eine Hamburger Familie stand schon bereit, um den jungen Vierbeiner bei sich aufzunehmen. Doch als der Flugpate die Transportbox öffnete, sprang der Hund der ebenfalls wartenden Petra John direkt auf den Schoß.
„Uns war klar, der schlaue Kleine hatte sein neues Frauchen bereits gefunden“, berichtet sie. „Es war Liebe auf den ersten Blick!“
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