„Patin sein, das ist kein Verlustgeschäft“

Um möglichst bald wieder in seinem Beruf als Kameramann arbeiten zu können, lernt Hamoud intensiv Deutsch. Seine Patin, Solveig Fischer, unterstützt ihn – nicht nur bei den Hausaufgaben. Foto: ki

Solveig Fischer ist Patin des 28-jährigen Syrers Hamoud

Karin Istel, Neugraben

Solveig Fischer machte im Willkommens-Café kurzen Prozess: Sie schnappte sich ein Backgammon-Spiel, ging zu einem der Tische und fragte freundlich „Hätten Sie Lust zu spielen?“ Keiner sagte nein. So kam sie in Kontakt mit Hamoud. Der 28-Jährige ist vor einem guten Jahr aus Syrien geflüchtet. Heute ist Solveig Fischer seine Patin, hilft ihm, im deutschen Alltag zurecht zu kommen, wo immer sie kann.
„Das Leben in Deutschland war anfangs nicht leicht“, erinnert sich Hamoud. „Ich lebte acht Monate im Camp. Jeden Tag wurde es lauter. Fast 700 Leute lebten dort zusammen“, berichtet der junge Mann in fast fehlerfreiem Deutsch. Dort, das war die Unterkunft im ehemaligen Baumarkt am Geutensweg. „Es war so laut, dass ich nachts nicht mehr schlafen konnte.“
„Ja, Hamoud war sehr nervös. Da habe ich ihm angeboten, eine Nacht auf meinem Gästebett zu schlafen“, erinnert sich Fischer. „Zuerst wollte er nicht, doch dann war er so erschöpft, dass er das Angebot annahm und sich ausschlief.“
Mittlerweile lebt Hamoud in einer eigenen kleinen Wohnung. „Mit Familienanschluss“, freut er sich. Er besucht die Schule, lernt eifrig Deutsch. Und ist dankbar und glücklich, dass Solveig Fischer seine Patin ist. „Sie hat mir immer geholfen, besonders beim Ausfüllen und erklären von Formularen im Jobcenter oder bei der Krankenkasse.“
Für die 53-Jährige fast eine Selbstverständlichkeit. „Ich kam nicht ins Flüchtlingscafé und sagte: Ich will Patin werden. Das hat sich einfach so ergeben. „Es geht mir gut. Mir hat auch immer jemand in meinem Leben geholfen. Ich möchte weitergeben, was ich an Hilfe bekommen habe“, sagt sie. „Patin sein, das ist kein Verlustgeschäft. Mit Hamoud habe jetzt eine größere Familie. Es kommt so viel zurück!“
Nun gehen sie gemeinsam das nächste Ziel an. Hamoud studierte in Aleppo Kameratechnik, arbeitete bereits als Kameramann. „Wegen des Krieges konnte ich meine Ausbildung nicht abschließen. Doch ich habe bereits in Syrien als Kameramann gearbeitet“, berichtet er. „Jetzt möchte ich gern wieder als Kameramann arbeiten“, wünscht er sich.

So wird man Pate
Die Initiative Willkommen in Süderelbe – Initiative für Flüchtlinge und Nachbarn organisiert das Flüchtlingscafé und möchte Neu- und Altbürger Neugrabens zusammenbringen.
Wer sich vorstellen kann, Pate zu werden, ist für Donnerstag, 2. März, 20 Uhr in die Corneliuskirche, Dritte Meile 1, zu einem Info-Treff eingeladen.
Weitere Infos gibt Pastorin Lindenlaub-Borck unter Tel. 796 68 87 KI
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