Pannenmonat bei der S-Bahn

Auf der Linie S3 kommt es häufig zu Verspätungen und Ausfällen, die dann im S-Bahn-Netz in ganz Hamburg zu spüren sind. Foto: cv

Ärger über Störungen und kaputte Züge: Vor allem die Linie S3 ist anfällig

Carsten Vitt, Hamburg

Verspätet, ausgefallen, liegengeblieben: Solche Pannenmeldungen gab es im Bahnverkehr im vergangenen Monat nahezu täglich. S-Bahn-Kunden waren genervt. Probleme gibt es vor allem auf der Linie S3, die auf ihrem Weg von Stade bis nach Pinneberg einmal quer durch Hamburg fährt. Fällt auf der Linie S3 im Hamburger Süden ein Zug aus, gibt es Riesenprobleme. Eine Panne kann Auswirkungen auf das S-Bahn-Netz in ganz Hamburg haben. Verspätungen und Ausfälle im Süden setzen sich so über die Linien S3 und S31 bis in den Westen fort.
Zum Beispiel vorigen Donnerstag: Kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Wilhelmsburg blieb eine S-Bahn liegen. Fahrgäste sprangen auf freier Strecke aus dem Zug, der Strom musste abgestellt werden. Die Folge: stundenlange Verzögerungen, überfüllte Busse, die als Ersatz fuhren. Bis in den Abend waren auf vielen Linien Züge verspätet. Das ist kein Einzelfall.
Dem Online-Portal „Nahverkehr Hamburg“ zufolge war das Hamburger S-Bahn-System im Februar rund zwei Stunden pro Tag gestört. „Am häufigsten war die stark belastete Linie S3 betroffen, danach folgen S1, S11, S21 und S31 sowie die S2“, heißt es dort. Die Redaktion des Portals hat Twitter-Meldungen der S-Bahn selbst sowie von HVV-Nutzern ausgewertet.

Was sagt die S-Bahn?
Die S-Bahn selbst könne diese Statistik „nicht nachvollziehen“, gibt aber gehäufte Probleme zu. „Leider gab es in den vergangenen Wochen Ausfälle und Einschränkungen im S-Bahnverkehr. Gründe waren zum Beispiel Stellwerksstörungen, Schienenbruch sowie Rettungswageneinsätze und Personen im Gleis“, sagt eine Sprecherin. Der Großteil der Störungen sei aber „von Externen“ verursacht worden. Sprich: Die S-Bahn sei da nicht Schuld. Die S-Bahn Hamburg habe eine Pünktlichkeit von über 95 Prozent.

Gibt es längere Züge mit mehr Kapazität auf den Linien S3/31?
„In der Hauptverkehrszeit fahren die Züge der Linie S3 heute schon bereits als Langzüge. Auf der Linie S 3/S31 können erst dann längere Fahrzeuge eingesetzt werden, wenn neue Fahrzeuge ausgeliefert werden“, so die Sprecherin. Zudem entscheide die Stadt darüber, ob häufiger Bahnen auf der Strecke fahren.


So soll die S-Bahn zuverlässiger werden

Umbau am Stromnetz, neue Weichen: Der Plan des Senats

Mit den jüngsten S-Bahn-Pannen will sich demnächst der Verkehrsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft beschäftigen. „Die Probleme der letzten Wochen zeigen, wie wichtig es ist, auch im Störungsfall schnell reagieren zu können, ohne dass zum Beispiel gleich ganze Linien ersatzlos gestrichen werden“, sagt Ole Thorben Buschhüter, Verkehrsexperte der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Der Senat greift offenbar auf einen Plan zurück, der bereits 2015 für die Hamburger Olympia-Bewerbung entworfen wurde. Ein Schwerpunkt ist dabei die schon heute stark belastete Strecke zwischen Harburg-Rathaus und Hauptbahnhof. Martin Bill, Verkehrsexperte der Grünen: „Hier wollen wir das Angebot so schnell wie möglich ausbauen. Zusätzliche Fahrzeuge sind bereits bestellt, nun wollen wir die Streckentechnik zügig auf den neusten Stand bringen.“
Die Pläne im Detail:
– Die Stromversorgung im Hauptbahnhof und ein Wendegleis zwischen Dammtor und Sternschanze sollen umgebaut werden. Das Ziel: Wird der Strom abgeschaltet, sollen Bahnen trotzdem die benachbarten Stationen Berliner Tor, Hammerbrook, Stadthausbrücke und Dammtor anfahren können.
– Neue Weichen und zusätzliche Signaltechnik zwischen Harburg-Rathaus und Hammerbrook.
– Bahnanlagen sollen besser gesichert werden, zum Beispiel mit Zäunen, damit keine Menschen in den Gleisanlagen herumlaufen.
– Verlängerung der Bahnsteige, damit Züge bei Störungen besser wenden können.
– Umbau an Gleisen in Altona / Holstenstraße (erst möglich nach Neubau des Fernbahnhofs Diebsteich).
– Für die Finanzierung ist vor allem Geld vom Bund nötig. Mit einer Entscheidung wird im Frühjahr 2017 gerechnet. CV


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