Open-Air-Kirche und Abenteuerspielplatz

Hier entsteht ein Lehmbackofen: Elena und Mohammad, Flüchtling aus dem Iran, schaufeln eine Grube für das Fundament.
 
Es staubt kräftig, wenn die Helfer Gesteinsmehl verteilen. Das graue Pulver dient als wertvoller Mineralienlieferant. Demnächst wachsen hier Tomaten, Kartoffeln und Bohnen Fotos: cvs

Im Luthergarten in Bahrenfeld treffen urbane Gärtner mit Anwohnern und Flüchtlingen zusammen

Ch. v. Savigny, Hamburg

Der knapp zwei Meter hohe Erdhaufen hinter dem Eingang zum Luthergarten dampft in der kühlen Frühjahrsluft. Jugendliche, die hier Sozialstunden ableisten, karren den frischen Mutterboden auf Schubkarren davon und verteilen ihn im Garten. „Kommt direkt aus der Kompostiererei“, sagt Pastor Björn Begas und greift mit der Hand in die noch warme Erde. Frühlingszeit ist Pflanzzeit: An allen möglichen Stellen im Garten entstehen neue Beete, in denen in nächs-ter Zeit Gemüse und Kräuter gedeihen sollen. „Das ist alles so ein bisschen learning by doing“, sagt Begas. „Man kann sich ausprobieren. Und wer nicht mitarbeiten will, darf auch die Füße hochlegen und entspannen!“
„Sie glauben nicht, was wir alles rausgetragen haben“
Vor mittlerweile drei Jahren hat die Luthergemeinde Bahrenfeld das rund 14.000 Quadratmeter große Gelände am Holstenkamp, Ecke Regerstieg, vom Kirchengemeindeverband Altona gepachtet. Früher hatten hier Bahrenfelder Kleingärtner ihre Parzellen – doch das Areal war schon länger nicht mehr genutzt worden. Ensprechend schlimm sah es aus: „Sie glauben nicht, was wir alles rausgetragen haben“, sagt Begas. Säckeweise Hausmüll, Gartenabfälle, Altholz, Teerpappe und Glas habe man eingesammelt und entsorgt. „Am Ende hat ein Riesencontainer gerade ausgereicht“, erinnert sich der junge Kirchenmann.
Begas wollte etwas ganz Neues schaffen: einen Zufluchtsort, eine grüne Oase, einen Ort der Begegnung – und das sozusagen mitten im Stadtteil. „Die Grundidee des Projekts ist es, Leute zusammenzubringen“, sagt er. „Junge und Alte, Anwohner, Flüchtlinge und Urban-Gardening-Aktivisten.“ Anlässlich der Aktionstage, die jeweils am
ersten Sonnabend des Monats über die Bühne gehen (siehe Kasten links unten), kommen regelmäßig rund 40 Besucher vorbei. Zu tun ist immer reichlich im Bahrenfelder Luthergarten, der abgekürzt auch „BaLuGa“ genannt wird. „Für die meisten von uns ist es ein sehr befriedigendes Gefühl, zu wissen: Ich werde gebraucht“, findet Begas.
Bald backen die Gärtner Brot im Lehmbackofen
Im Zentrum des Luthergartens befindet sich eine grasbewachsene Senke, die an kirchlichen Feiertagen als „Open-Air-Kirche“ fungiert. Ein einfacher Holztisch bildet den Altar, Baumstämme dienen als Kirchenbänke. Daneben entsteht gerade ein Lehmback-ofen, in dem die Teilnehmer künftig ihre Brote backen wollen. Gekocht wird überhaupt viel im Bahrenfelder Kleingartenidyll: Pastor Björn Begas und seine Mitstreiter haben zu dem Zweck eine der alten Kirchenkaten zu einer Teeküche umgebaut. Auf dem alten, holzbefeuerten Herd steht in diesem Moment ein Riesentopf mit Gemüsesuppe, die vor sich hin köchelt. „Alles Bio“, sagt Helferin Ulrike aus Bahrenfeld, die zusammen mit Tochter Alma (6) Kartoffeln, Lauch, Möhren, Zwiebeln, Sellerie und Weißkohl kleinschneidet. Bald ist Mittagszeit – dann darf jeder mal richtig zulangen.
200 Kürbisse wurden im vergangenen Jahr geerntet
Im Hauptteil des Gartens stehen viele alte Obstbäume und Gebüsch, er dient Kindern als großer Abenteuerspielplatz mitten in der Großstadt. Über eine Geländekante gelangt der Besucher auf ein freies Feld. Freiwillige bestreuen den
Ackerboden mit grauem Gesteinsmehl, das als Lieferant für wertvolle Mineralien dient. Im Laufe des Jahres wachsen hier Tomaten, Kartoffeln und Bohnen. Und weil man weiß, dass die Sommer in Hamburg recht kurz und kühl ausfallen können, gibt es inzwischen sogar ein über 100 Quadratmeter großes Gewächshaus, in dem zum Beispiel Paprika- und Mangoldsetzlinge sprießen. Pastor Begas freut sich, dass sein Projekt schon so viel Ertrag hervorgebracht hat. „Letztes Jahr hatten wir über 200 Kürbisse“, berichtet er.
Demnächst soll auch der geplante „Bibelgarten“ ausgebaut werden. Wenn es nach der Vorstellung der Initiatoren geht, könnten dort Feigen, Wein, Lilien, Getreide, Mandeln und Ysop gedeihen. Die Hühnerzucht wird fortgesetzt, ebenso die Honigproduktion mit den eigenen, Bahrenfelder Bienen. Einige Gläser davon konnten die Gartenaktivisten bereits verkaufen. Der Erlös kommt dem Luthergarten zugute.

Preis für BaLuGa
Im vergangenen Jahr erhielt das Projekt Luthergarten
(BaLuGa) den mit 2.500 Euro dotierten Fundraising-Preis der Nordkirche.

Wer will mitmachen?
Aktionstage immer am ersten Sonnabend des Monats ab 10 Uhr. Interessenten kommen bitte ohne Anmeldung vorbei. Adresse: Holstenkamp 87.
Infos und Kontakt per E-Mail an begas@lutherkirche.net
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