Nicht die Kälte, Viren sind schuld!

Mit dicken Socken bleiben die Füße warm. Das Immunsystem kann dann gut arbeiten, Erkältungsviren haben keine Chance. Foto: pr

Über die Ursachen für Erkältungen sind viele Irrtümer weit verbreitet

Emma Schulz, Hamburg

Bei Winterkälte oder wenn draußen ein kühler Wind weht, hört man manchen gutgemeinten Klassiker, wie zum Beispiel „Geh nicht mit nassen Haaren vor die Tür – du erkältest dich sonst“, oder „Setze eine Mütze auf, denn die meiste Wärme geht über den Kopf verloren.“
„Es ist natürlich nicht falsch, diese Ratschläge zu befolgen“, sagt Hannes Dietrich vom Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Hamburg, „aber die Begründungen sind nicht ganz richtig.“ Denn eine Erkältung bekommt man ausschließlich durch Viren, die sich über Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Berühren infizierter Türklinken, Rolltreppengeländer oder durch hustende und schniefende Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Kälte allein ist kein Problem. Das Immunsystem kann aber durch Unterkühlung geschwächt werden, weil sich die Blutgefäße dadurch verengen und das Immunsystem nicht mehr richtig arbeiten kann, so dass man für Husten, Fieber und Schnupfen anfälliger ist. Hinzu kommen stark beheizte Räume, die die Schleimhäute austrocknen. Dann können Erkältungsviren diese Barriere leicht überwinden. Also immer Hände und Füße gut warm einpacken und für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen.
Größter Wärmeverlust über Füße und Hände
„Die Aussage über den hohen Wärmeverlust von nahezu 45 Prozent am Kopf basiert auf einer zweifelhaften Studie des US-amerikanischen Militärs aus den 70er-Jahren“, weiß Dietrich. „Die meiste Wärme verlieren wir aber an Körperteilen, die weiter vom Körperrumpf entfernt sind, also an Füßen und Händen.“ Lediglich zehn Prozent der Körperwärme gehen über den Kopf verloren. Da er aber die am wenigsten mit Kleidung bedeckte Stelle ist und zudem mit vielen Nervenenden versehen ist, spürt man die Kälte dort besonders intensiv. Beim Sport im Winter heißt es immer: wärmende Sport- und Handschuhe anziehen und Mütze aufsetzen!
Ganz falsch ist es, sich mit heißen alkoholischen Getränken wie beispielsweise Glühwein oder Grog aufzuwärmen. „Auch wenn es am Anfang wohltuend wirkt: Der Alkohol erweitert die Blutgefäße und bringt den Wärmehaushalt zum Erliegen“, so Dietrich. Das führt dazu, dass der Körper noch mehr Wärme abgibt und die Körperzemperatur sinkt. Ergebnis: Man friert noch leichter! Besser zum Aufwärmen von innen ist auf jeden Fall heißer Tee oder heißer Kakao.
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