Neuer Spargel von den Hügeln

Gehört inzwischen fast zur Familie: Der polnische Erntehelfer Grzegorz Mancewics packt seit 20 Jahren auf dem Hof der Schröders. Anfangs baute sein Chef Getreide an, seit neun Jahren wird dort Spargel gestochen. Fotos: sd
 
Schietwetter: Schröders Erntehelfer müssen jeden Tag aufs Feld.

Bei Landwirt Heiko Schröder in Vahrendorf ist jetzt Hochsaison.

Von Sabine Deh.
Die Gummistiefel der Arbeiter machen schmatzende Geräusche, als sie auf dem Acker im Matsch versinken. Das Aprilwetter ist ungemütlich, aber die Luft riecht nach den Schauern in der Nacht wie frisch gewaschen. Dem Spargel, der hier wächst, macht die Feuchtigkeit nichts: Er besteht zu fast 97 Prozent aus Wasser. Aber der April war nicht nur zu feucht. Die Spargelsaison bei Landwirt Heiko Schröder (46) hat wegen des kalten Frühlingswetters in diesem Jahr eine Woche später begonnen. Endlich ist die Erde mit 15 Grad warm genug und lässt den Spargel bis zu zehn Zentimeter pro Tag wachsen.
Auf dem Schröderhof in Vahrendorf sind die Tage in diesen Wochen lang. Sehr lang. „Eine Hundert-Stunden-Woche ist normal.“ Bis Juni müssen Schröder und seine Arbeiter jeden Tag aufs Feld. Erntehelfer Grzegorz Mancewics ist über die Grenze aus Polen gekommen. Er packt seit 20 Jahren auf dem Hof mit an und gehört inzwischen fast zur Familie. Bis zu 100 Kilo des Gemüses holt der kräftige Mann pro Tag aus der Erde. Mit deutschen Erntehelfern hat Schröder dagegen keine guten Erfahrungen gemacht, die meisten waren der schweren Arbeit nicht gewachsen und warfen nach kurzer Zeit das Handtuch.
Mancher Engländer mag sich fragen, warum wir Deutschen eigentlich „Krauts“ genannt werden und nicht „Spargels“, denn das Liliengewächs ist hierzulande tatsächlich beliebter als Kohl. Im Jahr 2011 hat jeder Haushalt durchschnittlich fast zwei Kilo verbraucht – Tendenz steigend. Und rund 80 Prozent stammen aus heimischem Anbau.
Spargel ist ein Kulturgemüse: Vor 4.500 Jahren schätzten die Ägypter bereits den Geschmack der edlen Stangen, die Römer folgten ihrem Beispiel, bis der Genuss im Mittelalter in Vergessenheit geriet. Im 16. Jahrhundert kam er wieder in Mode. Damals galt er beim „Fußvolk“ allerdings als unerschwingliche Delikatesse. Womöglich stammt aus dieser Zeit der Begriff „Königsgemüse“.
So idyllisch die acht Hektar Anbaufläche von Heiko Schröder zwischen dem Freilichtmuseum Kiekeberg und dem Wildpark Schwarze Berge auch liegen – die Erde ist dort eigentlich zu schwer und lehmhaltig für den Spargel, der auf durchlässigen Sandböden besonders gut gedeiht. Schröder zeigte, dass es auch in Vahrendorf gelingt, wenn man das Gemüse in aller Ruhe unter Folien reifen lässt. Neun Jahre ist das inzwischen her. Die Erzeugnisse des Hofes sind süß mit einer dezent bitteren Note. Es gibt einige Kunden, die genau diesen Geschmack mögen. „Ein älteres Ehepaar aus Hamburg deckt sich regelmäßig bei uns ein“, erzählt Heiko Schröders Gattin Ingard. Die Senioren kommen jedes Mal mit Bahn und Bus in den Schröderschen Hofladen.
Billig ist der Genuss nicht: Je nach Qualität kostet der weiße Spargel in diesem Jahr im Schnitt zwischen vier und neun Euro pro Kilo. Das ist viel im Vergleich zu anderen Gemüsesorten. Der Grund dafür liegt im aufwendigen und arbeitsintensiven Anbau und der Ernteweise, die meistens noch per Hand erfolgt. Am 24. Juni, dem Johannistag, ist es mit der Gaumenfreude schon wieder vorbei: Die Spargelpflanzen brauchen bis zum nächsten Erntejahr Erholung.
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