Neue Hoffnungsträger am Seeveplatz

An jedem zweiten Sonntag vor Ort: Tamara Neubert (M.) von der Harburger Obdachlosenhilfe. Fotos: lam
 
Für Obdachlose: Diese Schuhe wurden gespendet.

Harburger Obdachlosenhilfe verteilt Spenden und kümmert sich um Hilfsbedürftige

Kim Ly Lam, Harburg

Hinten anstellen, bitte!“, ruft Tamara Neubert und wirft die Arme hoch. Nur langsam löst sich das Getümmel vor den Kleiderspenden auf. Leiser Protest geht durch die Gruppe, die Obdachlosen haben Angst zu kurz zu kommen. „Manchmal wird es hier echt chaotisch“, murmelt Neubert und reibt sich die kalten Hände. „Uns fehlen die Helfer.“
An jedem zweiten Sonntag verteilt die Harburger Obdachlosenhilfe auf dem Seeveplatz Kleiderspenden und Lebensmittel. Bis zu 60 Obdachlose aus ganz Hamburg nehmen die Hilfe an. Die Winternächte sind hart und der Bedarf bleibt groß. „Über Weihnachten kann man sich meist vor Spenden und Helfern nicht retten. Aber wenn der Alltag wieder da ist, vergessen die Leute das Leid der Menschen da draußen.“
Die Idee zur Vereinsgründung kam Neubert im vergangenen Dezember. Die 31-Jährige hatte im Internet nach Wollspenden gefragt, um Obdachlosen Schals und Mützen zu stricken. Es kamen Wollreste und plötzlich auch Kleidung. Neubert fasste den Entschluss die Kleidungsstücke zu spenden. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Stephan (40) machte sie sich auf die Suche nach Verteilungen in Harburg – ohne Erfolg. „Die meisten Hilfseinrichtungen und Spendenverteilungen sind im Zentrum Hamburgs. Aber da müssen die Obdachlosen erstmal hin“, erklärt Stephan Neubert.
Der ehemalige Postangestellte sitzt mit seiner Frau und Ilse Hagemann (70) im Vorstand der Harburger Obdachlosenhilfe und arbeitet ehrenamtlich als Streetworker. Seinen Schätzungen zufolge sind bis zu 60 Personen im Landkreis Harburg und Neugraben-Fischbek obdachlos, die Dunkelziffer der Wohnungslosen liege weitaus höher. Im Bezirk Harburg gibt es nach Angaben der Hansestadt Hamburg keine Einrichtung des Winternotprogramms.
Seit Januar ist die Harburger Obdachlosenhilfe als gemeinnütziger Verein anerkannt. Die Helfer sammeln, sortieren, reinigen und reparieren die Spenden, die sie von Privatpersonen und Vereinen wie Hanseatic Help erhalten, und verteilen sie an Obdachlose. Daneben werden warme Mahlzeiten und eine ärztliche Versorgung angeboten. Gerade im Winter seien Krankheiten verheerend. „Die meisten versuchen ihre Schmerzen zu verdrängen, da sie sich um andere Dinge sorgen müssen. Viele geben sich auch auf, weil sie denken, dass sowieso alles im Arsch ist. Die Verzweiflung ist groß“, sagt Jonas Specht, Rettungsassistent. Er hat bereits schwere Wunden und Erfrierungen behandelt. „Es fehlt die Manpower. Professionelle sowie psychologische Unterstützung könnten wir ebenfalls gut gebrauchen.“
Auch Tamara Neubert klagt: „Es springen immer wieder Helfer kurzfristig ab. Mit einer kleinen Gruppe ist es schwierig, diese Arbeit zu bewältigen.“ Wichtig sei sie dennoch. Neubert sitzt selbst im Rollstuhl und lebt aufgrund ihrer schweren Erkrankung vom Renten- und Pflegegeld. Davon lassen sie und ihr Mann sich
jedoch nicht abhalten. Im Gegenteil: „Diese Arbeit gibt uns so viel. Es ist eine Win-Win-Situation.“ Vor dem Verein habe Neubert unter schweren Depressionen gelitten. Diese seien nun verschwunden. Die Obdachlosenhilfe und die kostbaren Begegnungen sind ihr Lebensinhalt geworden. Auch Rosanna Seyrich, spontane Helferin, ist begeistert: „Wir sind hier umgeben von Menschen, die einander helfen möchten. Das gibt Hoffnung.“

Kontakt

Tamara Neubert
E-Mail: HarburgerObdachlosenhilfe@gmx.de
Tel. 0162/692 25 09
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