Mit 16 von der Schule geflogen

Peter Meinke saß einige Jahre für die CDU in der Harburger Bezirksversammlung und leitete den Harburger Jugendhilfeausschuss und den Sozialausschuss. Foto: sl

Vorgestellt: Peter Meinke (74), Diakon und Notfallseelsorger

Sabine Langner, Hamburg-Süd
Wer mit dem katholischen Diakon Peter Meinke über sein Leben spricht, stellt sich unweigerlich die Frage: „Wann schläft dieser Mann?“ 16 Berufe hat der Wahl-Harburger ausgeübt. Selbst mit seinen jetzt 74 Jahren will er von Ruhestand nichts wissen. Stattdessen engagiert sich er sich in der katholischen Gemeinde St. Maria-St. Joseph, traut Ehepaare, tauft Kinder, bildet Notfall-Seelsorger aus und ist vom Hamburger Senat als Moderator zwischen der Hafenwirtschaft und den Anwohnern aus Moorburg eingesetzt worden.
Als 16-Jähriger sah Meinkes Zukunft keineswegs rosig aus. „Ich bin ohne Abschluss von der Schule geflogen, weil ich nur Quatsch im Kopf hatte,“ erinnert er sich. Sein Vater verschaffte ihm eine Lehrstelle als Chemie-Facharbeiter. Nach einer Prüfung mit Auszeichnung folgten acht Jahre Bundeswehr. Hier lernte er Krankenpfleger, Rettungsassistent und Verwaltung. Mit 27 Jahren holte Peter Meinke schließlich seinen Schulabschluss nach. „Dann kann ich auch gleich studieren“, dachte sich der Vater von drei Kindern und setzte noch ein Theologie- und Philosophiestudium obendrauf.
„Wenn Änderungen in meinem Leben anstanden, waren immer Menschen zur Stelle, die mich auf Ideen gebracht haben“, erklärt er seinen nicht immer geraden Weg. Als Sozialarbeiter baute Peter Meinke in ganz Norddeutschland Jugendzentren auf. Nebenbei absolvierte er noch eine Ausbildung zum Diakon.
Die nächsten 21 Jahre verliefen vergleichsweise ruhig, als Meinke das Harburger Altenheim St. Vincent leitete. Außerdem ging er in die Politik und engagierte sich in der CDU. Warum bei den „Schwarzen“? „Weil mich Günther Boyer (Harburger CDU-Kreisvorsitzender, d.Red.) als Mensch überzeugt hat. Wieder ausgetreten bin ich vor rund zehn Jahren, weil die Einstellung mancher Leute im Kreisverband nicht mehr mit meinem politischen Verständnis übereinstimmte.“
Als das Altenheim St. Vincent geschlossen wurde, wagte Peter Meinke wieder einen Neuanfang – und wurde Polizei- und Notfallseelsorger. Er wurde und wird teilweise immer noch gerufen, wenn Polizisten zuvor schreckliche Dinge erlebt haben, wenn Unfälle passieren oder auch wenn es am Flughafen zu einem Unglück kommen sollte.
Der schlimmste Moment für ihn war, als eine Schulfreundin seiner Tochter verunglückte und er den Eltern beistehen musste. „Das hat mir die Füße weggehauen,“ erinnert sich Peter Meinke. „Trotzdem waren die Jahre als Seelsorger die schönsten Jahre in meinem Berufsleben, weil ich Menschen helfen konnte.“ Auch wenn er manches Mal ernsthaft mit seinem „Chef“, wie er Gott nennt, hadert.
In diesem Jahr wird Peter Meinke 75 Jahre alt. Kein Grund, die Füße hoch zu legen. „Ich möchte immer in Bewegung bleiben, sonst roste ich ein. Solange ich noch gebraucht werde, mache ich weiter. Ich wollte immer eine Brücke zwischen der Kirche und den Menschen sein, und ich glaube, das habe ich ganz gut hinbekommen.“

Meinkes Berufe
Diese 16 Berufe hat Peter Meinke (bislang) ausgeübt: Chemiefacharbeiter, bei der Bundeswehr: Nährbodenkoch in der veterinären Lebensmitteluntersuchung,Assistenz in der chemischen Lebensmitteluntersuchung, ABC Abwehrfachmann, Verwaltungsausbildung in der Versorgung, Materialnachweis im Mobilen Chirurgischen Lazarett, Rettungssanitäter, Krankenpfleger
Nach Erlangung der Hochschulreife: Sozialarbeiter, Ausbildung zum Religionslehrer, Weiterbildung zum Jugendreferenten in Nordniedersachsen, Ausbildung zum Heimleiter, Ausbildung zum Diakon, Ausbildung zum Polizeiseelsorger, Ausbildung zum Notfallseelsorger, Ausbildung zum leitenden Notfallseelsorger, Weiterbildung zum Flughafenseelsorger
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