Menschen, die Container stapeln

Im Gegensatz zu konventionellen Gabelstaplern greift der „Reach-Stacker“ seine Ladeeinheiten von oben – wenn nötig, auch über andere Container hinweg. Fotos: cvs
 
Maßarbeit: Ein Container wird zwischen zwei weiteren Metallboxen abgesetzt.

Besuch in der Hafenakademie: Wer heute im Hafen arbeiten will, muss sich qualifizieren.

Von Christopher von Savigny. Steinwerder.
Ganz ruhig manövriert Sebastian Vogt den massigen Schwerlasttransporter an Stapeln mit blauen Containern vorbei, um seine Fracht millimetergenau auf einem Lkw-Auflieger abzusetzen. Genau an der gewünschten Stelle senkt sich die riesige Metallbox nach unten – obwohl links wie rechts nur wenige Zentimeter Luft sind. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Übungsgelände beim Musicalzelt „König der Löwen“ kurven Gabelstapler durch einen eng gesteckten Parcours, der mit rot-weißen Leitkegeln markiert ist, der Fahrer einer Zugmaschine übt sich im Rückwärtsfahren. Weitere Transportmaschinen, die mit einem Teleskopkran ausgestattet sind und die „Reach-Stacker“ heißen, tragen gewaltige 40-Fuß-Container in luftiger Höhe hin und her.
Ein Unterrichtsvormittag der Hafenakademie auf Steinwerder: Auf dem weitläufigen Areal, das einem großen Parkplatz ähnelt, werden Männer für die Arbeit im Hafen, im Lager und in der Logistikbranche geschult. Innerhalb von drei Monaten lernen sie, wie man Transportfahrzeuge – im Fachjargon „Flurförderzeuge“ – bedient und wie man Frachtgut ordnungsgemäß verstaut. Weiterhin geht es um Ladungssicherung und um das „Anschlagen von Lasten“ – so nennt man das Anbringen von Seilen und Ketten an Gegenständen, die per Kran hochgehoben werden. Zum Programm gehören außerdem eine Ausbildung als betrieblicher Erstunfallhelfer sowie ein Brandschutzlehrgang. Wer am Ende die Prüfung besteht, bekommt ein Zertifikat mit dem Titel „Maschinenführer Großgeräte“ in die Hand gedrückt.
Zusatzausbildungen, wie sie die Hafenakademie anbietet, werden heutzutage immer wichtiger. „Früher hat man gesagt: ,Fahr mal schnell den Stapler.’ Heute geht das nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Siegfried Weckler. „Man braucht für alles eine Qualifikation.“ Deshalb bildet die vor sechs Jahren gegründete Hafenakademie ihre Teilnehmer zu Allroundern aus – damit sie auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren können. „Der Bedarf ist riesig“, sagt Weckler. Auch wenn der Containerumschlag inzwischen weitgehend automatisiert sei: „Es gibt genügend Berufsfelder, etwa beim Warenumschlag oder beim Kommissionieren, wo der Mensch nicht ersetzbar ist.“
Die Schüler der Hafenakademie setzen sich aus Firmenmitarbeitern (zum Beispiel der Hamburg Port Authority) und aus Arbeitssuchenden zusammen. Wer einen Ausbildungsgutschein vom Arbeitsamt vorweisen kann, braucht nichts zu bezahlen. Rund 450 Absolventen zählte die Akademie vergangenes Jahr, davon 250 Firmenangehörige und 200 förderberechtigte Teilnehmer. Altersspanne: 25 bis 50 Jahre. Lediglich sechs Frauen waren darunter. Die Unterrichtsdauer beträgt sieben bis acht Stunden pro Tag, dazu gehört ein umfassender Theorieteil, der sich unter anderem mit den Themen „Warenumschlag“, „Gefahrguttransport“ und „Ladungssicherheit“ auseinandersetzt.
Die „Azubis“ der Hafenakademie empfinden die Ausbildung in erster Linie als Chance auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben: „Eigentlich bin ich gelernter Kfz-Mechaniker“, erzählt Kim-Sebastian Koller. „Aber als Selbständiger kommst du heutzutage nicht mehr über die Runden. Spannend finde ich, dass man hier bei allen Arbeitsbereichen mal reingucken kann!“ Kollege Bastian Pingel ist mit dem Lehrgang zufrieden: „Das wird alles sehr gründlich durchgenommen, sowohl theoretisch als auch praktisch.“
Parallel zum Unterricht unterstützt die Akademie ihre Schüler bei der Stellenbewerbung. Die Quote kann sich sehen lassen: „79 Prozent unserer Förder-Teilnehmer bekommen nach Abschluss des Programms einen Job“, sagt Weckler.
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