Matt in vier Zügen

Eröffnen mit dem Königsbauern? Rochieren – ja oder nein? Vor Spielbeginn tauschen Konrad-Leo (8, v. li.), Jaac (10) und Ahmed (9) Strategien aus. Fotos: cvs
 
Im Zentrum des Geschehens: die Schach-Hauptdarsteller König und Dame.

Die Schule Grumbrechtstraße beim größten Schulschachturnier der Welt

Von Christopher von Savigny. Mit einer Hand schiebt Konrad-Leo (8) seine Figuren nach in Richtung Gegner. Bauern, Springer und Läufer gehen nach vorne. Schon wird der gegnerische König getroffen und fällt zu Boden. Konrad-Leos Finger drücken die Knöpfe einer imaginären Spielkonsole. Die richtige Strategie ist gefragt, wenn sich die Figuren gegenüberstehen und jeder Spieler auf den ersten Fehler des anderen lauert.
Aber einstweilen müssen sich die Kombattanten noch gedulden – stattdessen machen sie Faxen. Das Schachturnier „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ im Congress Center Hamburg (CCH) hat noch nicht begonnen. Jürgen Woscidlo, Leiter der Schachgruppe an der Schule Grumbrechtstraße, hat seinen Schützlingen gerade noch ein paar Tipps gegeben: „Wenn ihr verliert, ist es keine Schande“, hat er gesagt. „Aber es wird gekämpft bis zum letzten Bauern!“ Die Schüler nicken. Ahmed (9) ist optimistisch: „Ich bin gut genug, um zu gewinnen“, sagt er siegessicher.
Zweimal wöchentlich bietet Woscidlo an der Grumbrechtstraße nachmittags einen freiwilligen Schachkurs an, derzeit nehmen 45 Schüler im Alter von fünf bis zwölf Jahren daran teil. Jeweils zu Beginn demonstriert der Kursleiter ein Schachproblem an der Tafel, anschließend ist freies Spielen angesagt. Woscidlo, Vater zweier – ebenfalls schachspielender – Töchter im Alter von fünf und neun Jahren, schwört auf den positiven Lerneffekt. „Bei den Schülern nimmt die Fähigkeit zu kombinieren deutlich zu“, hat er festgestellt. „Das wirkt sich auch auf andere Fächer aus!“ Eine Barmbeker Schule hat das bekannteste Brettspiel der Welt bereits in ihren Lehrplan aufgenommen – als Ersatz für Mathe. Auch die Grumbrechtstraße zeigt sich aufgeschlossen. „Es laufen Gespräche mit der Schulleitung“, sagt Woscidlo.
Derweil warten 2.500 Kinder und Jugendliche im CCH auf den Startschuss. „Zehn, neun, acht...“, zählt eine Lautsprecherstimme herunter. Und los geht’s. Figuren klackern über die Bretter. Konrad-Leo setzt den Königsbauern zwei Felder nach vorn. Dame raus, Läufer raus, Dame setzt Schachmatt. Manchmal dauert es tatsächlich nur vier Züge – wenn der Gegner nicht aufpasst. Bei Sarah (6) läuft es weniger gut: Sie verliert – und ihr Gegenüber lacht sie auch noch aus. „Grob unsportlich“, schimpft Woscidlo und nimmt Sarah in den Arm. „Du hast gekämpft wie eine Löwin“, tröstet er sie. Zwischen drei Minuten und einer halben Stunde dauern die Partien bei den Grundschülern. Die älteren Teilnehmer sitzen teils weitaus länger an ihren Brettern. Dafür spielen sie auch nur eine Partie, während die Sechs- bis Zehnjährigen zweimal ran dürfen. Jede Mannschaft, die alle ihre Spiele gewinnt, darf an der Siegerverlosung teilnehmen.
Die Schachgruppe an der Schule Grumbrechtstraße hat sich 2008 auf Anregung des Elternrats gegründet. Durchschnittlich einmal pro Monat nehmen die Mädchen und Jungen an einem Turnier teil. „Das ist wichtig, damit die Spielpraxis nicht verloren geht“, sagt Wos-cidlo. Inzwischen hat der Kursleiter mit Xiangqi (chinesisch), Makruk (thailändisch) und Shogi (japanisch) drei zusätzliche Schachvarianten eingeführt. Das Highlight steht im April auf dem Programm: Dann spielt die Grumbrechtstraße ein Partie Simultan-Makruk gegen einen thailändischen Fregattenkapitän.
Am Ende stehen für die Harburger 18 Siege, drei Unentschieden und elf Niederlagen auf dem Zettel. „Ein Supererfolg!“, freut sich Woscidlo. Insbesondere bei den Anfängern seien sehr gute Ansätze erkennbar gewesen. Banusree (8), eine der Schachneulinge, hat sogar ihre beiden Partien gewonnen – gegen einen Jungen. „Ich denke eben ein bisschen schneller als andere“, sagt sie selbstbewusst. In der Gesamtabrechnung hat dieses Jahr mit 632 zu 608 Siegen das linke Alsterufer die Nase vorn. Beim größten Schulschachturnier der Welt, das mittlerweile seit 54 Jahren ausgetragen wird, haben die Sieger ihre Führung damit auf 37 zu 17 ausgebaut.
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