Manegengeflüster

Verwirklichte sich einen Lebenstraum: Zirkusdirektor Sascha Melnjak, der ohne Frack und Zylinder arbeitet. Fotos: sd/pr
 
Unter der Zirkuskuppel machen sie Tempo: Die vier Brasilianer der Flying Costa-Gruppe zeigen in zwölf Meter Höhe Salti und Pirouetten.

Hinter den Kulissen des Zirkus Charles Knie.

Von Sabine Deh.
Es ist ein unruhiger Menschenschlag, der im Stuttgarter Talkessel lebt. Aus Schwaben kommen Tüftler, umtriebige Weinbauern und Jürgen Klinsmann. Und einer von ihnen leitet sogar einen Zirkus. Der gebürtige Stuttgarter Sascha Melnjak erfüllte sich vor sechs Jahren seinen Lebenstraum und kaufte den Schweizer Zirkus Charles Knie. Anfänglich wurde der Neuling von Branchenkennern belächelt. Niemand traute dem heute 37-Jährigen zu, diese Aufgabe zu meistern. In der Zwischenzeit ist seinen Kritikern das Lachen vergangen. Dem Kaufmann gelang es, den Provinzzirkus zu einer der ersten Zirkusadressen Deutschlands aufzubauen.
Mit einem Tross aus 207 Lkw, Pkw, Anhängern und Wohnwagen, je 100 Menschen und Tieren, war der Großzirkus im April für vier Tage auf dem Schwarzenbergplatz in Harburg zu Gast. Viele, die auf einem der 1.440 Sitzlätze unter der Zirkuskuppel saßen, können die Faszination nachvollziehen. Für Sascha Melnjak ist es nicht nur bei der Schwärmerei für Artisten, Clowns und Trapeznummern geblieben. „Zirkus ist mein Leben“, sagt er.
Bereits mit sechs Jahren war der kleine Sascha von der Zirkuswelt fasziniert. Für den Steppke stand fest, dass in dieser Branche seine Zukunft liegt. Nach Abitur, Zivildienst und einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er beharrlich weiter an seinem Ziel. Als Pressesprecher, Tourneeleiter und Geschäftsführer sammelte Sascha Melnjak in verschiedenen Zirkusbetrieben Erfahrungen, bevor er den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Im Rampenlicht, als klassischen Zirkusdirektor mit Frack und Zylinder, wird man ihn allerdings nicht erleben. Die Rolle des Conferenciers liegt ihm nicht, darum überlässt er sie lieber einem Fachmann.
Beim Auf- und Abbau packt der Chef jedoch selbst mit an und ist sich auch nicht zu schade bei der Tierpflege zur Hand zu gehen. In erster Linie ist er aber mit Aufgaben in der Verwaltung und im Management beschäftigt. Darüber hinaus ist er in ganz Europa stets auf der Suche nach neuen, aufregenden Nummern und feilt an der Verbesserung des Programms. „Mit unserer Show sind wir dem klassischen Zirkus treu geblieben und so soll es auch in Zukunft bleiben“, so Sascha Melnjak.
Von März bis November ist der Zirkus Knie mit seinem rollenden Zoo in ganz Deutschland unterwegs. Darunter Seelöwen, Elefanten, Pferde, Trampeltiere, Kängurus und viele weitere exotische Tiere aus aller Herren Länder. Auf eine Raubtierdarbietung müssen die Zuschauer in diesem Jahr allerdings verzichten, weil die Bewerber aus Melnjaks Sicht ihre Tiere nicht artgerecht halten. „Dann lieber gar nicht“, so seine Devise.
Die Kritik von Tierschützern, dass in seinem Zirkus Wildtiere gehalten werden, lässt er allerdings nicht gelten. Dass es „schwarze Schafe“ in der Branche gebe, räumt er ein. Um denen das Handwerk zu legen, fordert Melnjak ein Gütesiegel, das Zirkusbetriebe von Tierärzten bekommen sollten.
In dieser Saison gehören Künstler und Artisten aus 13 Nationen zum Ensemble. Zur Zirkusfamilie gehören auch die drei Kinder Enrico (7), Angelo (7) und der sechsjährige Damian. Für die Bildung der drei Racker wurde im März eine eigene Zirkusschule eröffnet. Schulleiter Rainer Mannhardt (65) war vorher 23 Jahre Lehrer an einer Grundschule in Bochum. Auch er verwirklichte sich nach seiner Pensionierung mit seinem Engagement beim Zirkus einen Traum. „Ich habe eine tolle Schule verlassen und eine tolle Schule übernomm
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