Lachtränen neben dem Infusionsgerät

Die Klinik-Clowns Pölli (l.) und Jojo sorgen mit ihren roten Nasen einmal in der Woche für Farbe in Julies Krankenhaus-Alltag. Fotos: Sabine Deh
 
Warten in der Ambulanz: Der sechsjährige Lasse und seine Mutter sind begeistert vom Auftritt der „dusseligen“ Clowns.

Die Klinik-Clowns sind ein seltener Lichtblick für die Patienten auf der Kinderkrebsstation des UKE

Von Sabine Deh. Dem kleinen Ben in Zimmer 36 geht es heute nicht gut. Reglos sitzt er auf seinem Bett. Links neben sich hat er eine rote Spielzeugfeuerwehr geparkt. Rechts liegt sein Kuscheldalmatiner. In seinem Arm steckt eine Kanüle, über die ihm die Chemotherapie verabreicht wird, die seinen Körper schwächt. Dabei hatte Ben sich so auf die Clown-Visite gefreut, erzählt seine Oma. Aber jetzt, wo Jojo und Pölli endlich da sind verzieht der dreijährige Junge, mit den dunklen, ernsten Augen, keine Miene. Da hilft kein Zaubertrick, kein Ständchen auf der Tröte und schon gar nicht die rote Nase, die plötzlich im Gesicht seiner Großmutter prangt. Erst als die beiden Clowns das Lied „Wer hat die Kokosnuss geklaut“ anstimmen und Ben beschuldigen, dass er das Ding gemopst hat, huscht ein Lächeln über seine blassen Wangen. Und als Pölli ein bislang unerforschtes Mückenschleichbubbeltier in seinem Krankenzimmer entdeckt, beginnt der Leukämie-Patient laut loszulachen.
Kristina Müller (47) alias Pölli und ihre Kollegin Birgit „Jojo“ Musolf (43) vom Verein Klinik Clowns Hamburg haben ihre Clown-Visite auf der Kinderkrebsstation der Universitätsklinik Eppendorf an diesem Dienstag um zehn Uhr in der Ambulanz begonnen. Sie sind geschminkt, tragen Kostüme und beide eine rote Nase. „Am Anfang waren einige Ärzte und Schwes-tern skeptisch und befürchteten, dass wir die Klinik-Abläufe durcheinanderwirbeln. In der Zwischenzeit gehören wir fast zum Team“, sagt Müller stolz.
„Die Reaktion der Kinder ist grandios“, bestätigt Dr. Johanna Schrum von der Kinderonkologie, in deren Abteilung täglich 30 bis 60 Kinder ambulant behandelt werden und rund 17 stationär. Die Spaßvögel, deren Tätigkeit ausschließlich über Spenden finanziert wird, seien in der täglichen Arbeit sogar eine Hilfe. Zum Beispiel bei Kindern, die Angst vor Spritzen haben oder ihre Medikamente nicht schlu-cken wollen. Die Termine solcher Patienten legt sie auf den Clown-Tag, um derartige Situationen spielerisch zu entschärfen. Wenn ihre Schützlinge mal überhaupt keine Lust auf die Visite der Ärzte haben, hängen die Clowns ein Schild mit der Aufschrift „Schnösel haben keinen Zutritt“ an die Tür.
Auch Stationsleitung Rike Borcic freut sich, wenn sie Pölli und Jojo begegnet. Sie hat beobachtet, dass die „Lachtherapie“ erstaunlicherweise auch sehr gut bei Patienten im Teenageralter wirkt. Der bunte Fleck im Klinikalltag tut nicht nur den Kleinen, sondern auch den Großen gut.
In Zimmer 26 begrüßen Julie und ihre Mutter die beiden Clowns erwartungsvoll. Auf dem Nachtschrank steht der Teller mit dem Mittagessen, das die Zwölfjährige heute nur halb geschafft hat. Endlich kommt Jojos „Mikrofon“ zum Einsatz, das sie aus ihrem Koffer mit Zubehör wie Seifenblasenbär, Plastikschweinchen, Zauberstab, Bilderbücher, Luftballons und jede Menge roter Nasen hervorholt. Die Besucher überreden Julie, als Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ einzuspringen. Jojo und Pölli singen und tanzen, bis sie nach Luft schnappen müssen und der Infusionsständer zu wackeln beginnt. Das schmale Mädchen im Bett kann sich kaum halten vor Lachen und applaudiert begeistert. Pölli zaubert noch schnell ein paar rote Nasen in die Hand der Patientin, dann heißt es auch hier „Tschau Kakao“ und „Tschüssikowski“.
Was in der Klinik leicht und locker aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Birgit Musolf, selbst Mutter von zwei Kindern, hat ihr Handwerk an einer Theaterschule in Padua gelernt. Sozialpädagogin Kristina Müller absolvierte die Clown-Schule in Hannover. „Natürlich sind wir auch nicht immer gut drauf, zum Beispiel wenn es einem Kind nach einer Strahlenbehandlung besonders schlecht geht oder wir erfahren, dass einer der kleinen Patienten es nicht geschafft hat“, sagt Birgit Musolf. Diese Stimmungen werden dann einfach in das Programm mit eingebaut. Sie starten dann mit dem Satz: „Ich bin heute echt Scheiße drauf.“ Eine Aussage, für die die Kinder auf der Krebsstation vollstes Verständnis haben. Schutz bietet den Klinik-Clowns außerdem die kleinste Maske der Welt: „Unsere roten Knollennasen“, grölen Jojo und Pölli im Chor.

Kontakt: Klinik-Clowns Hamburg e.V., Bleickenallee 38, Tel. 88 14 50 90 oder im Internet unter www.klinik-clowns-hamburg.de
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