Kunst zum Ausleihen

Gibt’s ab 2019 in Harburg eine Ausleihstelle für Kunst? Die Initiative SuedKultur will dafür ein Konzept erarbeiten. Foto: pr

Initiative SuedKultur setzt sich für die Gründung einer
Artothek in Harburg ein - Kulturbehörde skeptisch

Olaf Zimmermann, Harburg
Videotheken und Bibliotheken sind in Hamburg keine Seltenheit. Eine Artothek schon. In Artotheken wird gegen eine geringe Gebühr Kunst ausgeliehen: Bilder, Skulpturen, Grafiken meist regionaler Künstler. Im Bezirk Harburg könnte jetzt die erste Hamburger Artothek entstehen. Die Initiative SuedKultur, ein Zusammenschluss Kulturschaffender aus dem Hamburger Süden, hat sich eine Anregung der Harburger CDU zu eigen gemacht. „In den kommenden ein- bis zwei Jahren wollen wir eine Expertise einholen und ein Konzept passend für Harburg erstellen“, sagt SuedKultur-Sprecher Heiko Langanke.
Die Ausleihstelle für Kunst soll unter bezirklicher Regie arbeiten. „Harburg wäre dann der einzige Bezirk in ganz Hamburg, der die Einrichtung einer Artothek fördert“, sagt die Harburger Künstlerin Anke de Vries.
Wird Wilhelmsburg hier miteinbezogen? „Aus Kultursicht immer. Wäre dumm, bezirkgrenzlich zu denken“, so Langanke. „Ein Beispiel: Unser Mitwirkender Jan Ratschat lebt und wohnt in Wilhelmsburg, ist mit Atelier in Heimfeld und dort im SchauRaum aktiv gewesen.“
Die Toepfer-Stiftung hat Unterstützung bei der Planung zugesagt, in der Kulturbehörde überwiegt Skepsis. Thomas Völsch, Bezirksamtsleiter Harburg, meint: „Die Idee ist sicher interessant. Die Behörde für Kultur und Medien hat sich in Hamburg aber bereits 2014 dagegen entschieden. Ich habe daher Zweifel an der Finanzierbarkeit eines entsprechenden Projektes aus öffentlichen Mitteln.“ 
An regionalen Künstlern fehlt es im Hamburger Süden nicht, wie etwa der seit 14 Jahren stattfindende Harburger Kulturtag verdeutlicht. Allein in der Galerie der Bücherhalle Harburg in der Eddelbüttelstraße wurden bislang in 451 Ausstellungen rund 11.520 Kunstwerke gezeigt. „Die Galerie war bis heute ununterbrochen belegt“, berichtet Bücherhallenmitarbeiter Andreas Patommel. „Die Nachfrage ist wesentlich größer als das Angebot.“
Wichtig ist den Artothek-
Initiatoren, Aufmerksamkeit für einheimische Künstler zu schaffen. Heiko Langanke: „Sie leben und arbeiten hier und verdienen unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung.“ Ein Kunstwerk zu entleihen, ermöglicht auch einen einfachen Zugang zur Kunst. „Wenn man dazu noch weiß, dass die Kunst quasi aus der Nachbarschaft stammt, wird es erst richtig spannend“, so der SuedKultur-Sprecher.
Verschlingt eine Artothek nicht viel Geld? Nach Ansicht von SuedKultur nicht, wenn die Stadt den Künstlern die Exponate abkauft. Denn erworbene Kunstwerke gewinnen meist an Wert. Langanke: „Das Geld ist nicht aus dem Fenster geworfen, es mehrt sich sogar.“
Wer beim Projekt „Artothek Harburg“ mitmachen möchte, kann sich per E-Mail unter
kontakt@sued-kultur.de melden.

„Nicht gut geeignet“

Zu teuer, wenig effizient – Kulturbehörde lehnt Artotheken ab

Ende Juni hatte die Harburger CDU vorgeschlagen, die Einrichtung einer Artothek im Hamburger Süden zu prüfen. In ihrer Stellungnahme teilt die Hamburger Kulturbehörde mit, wie wenig sie von diesem Plan hält. Ein Auszug:
„Artotheken sind überwiegend an öffentliche Einrichtungen angegliedert. In einer Recherche konnte 2014 keine existierende Artothek identifiziert werden, die ohne öffentliche Mittel auskommt. Die öffentlichen Einrichtungen benötigen, je nach Größe der angegliederten Artothek, in erheblichem Umfang zusätzliche Mittel: etwa für den Ankauf, für das Personal, für die Rahmung, für ein praktisches Verpackungssystem, für die Lagerung.“
Das Ziel, besonders Menschen, die bislang wenig mit Kunst zu tun haben, über die Einrichtung einer Artothek an zeitgenössische Kunst heranzuführen, „wird durch ein breit gefächertes pädagogisches Angebot bereits in vielen Bereichen in Hamburg umgesetzt und gefördert. Zeitgenössische Kunst umfasst heutzutage mehr als Kunst, die in eine Wohnung oder in ein Büro passt, denn diese beschränkt sich meist auf Gemälde oder Graphiken. Deshalb eignen sich Artotheken nicht allzu gut, um die zeitgenössische Kunst in den vielfältigen Ausdrucksformen kennen zu lernen.“
Auch mit dem Argument, dass mit Hilfe von Artotheken Künstler gefördert werden, kann sich die Kulturbehörde nicht anfreunden. „Wenn Künstler Werke in eine Artothek geben, haben sie ihre Arbeit, die sie geschaffen haben, im günstigsten Fall an die Artothek verkauft. Auch wenn dies Künstlern punktuell helfen kann, haben sie damit für ihre Leistung lediglich eine entsprechende finanzielle Gegenleistung erhalten, so dass im eigentlichen Sinne keine Künstlerförderung vorliegt.“

SuedKultur
Eine Artothek (lat. ars, artis = die Kunst; griech. theke = der Ort) ist eine in der Regel öffentliche Institution, die Werke aktueller Kunst (Bilder, Skulpturen, Plastiken) kostenlos oder häufiger gegen eine geringe Gebühr entleiht.Im Buxtehuder Rathaus gibt es seit 1984 eine Artothek, organisiert als städtischer Bilderverleih mit zurzeit rund 500 Exponaten. Es handelt sich um zeitgenössische Grafik, Collagen, Radierungen, Aquarelle, einige Ölbilder, Bleistiftzeichnungen und Kleinplastiken. Für jedes ausgeliehene Kunstwerk wird ein Entgelt in Höhe von zurzeit sechs Euro für drei Monate erhoben. In diesem Betrag ist eine Versicher-ungsprämie enthalten.

Artothek Buxtehude
Im Buxtehuder Rathaus gibt es seit 1984 eine Artothek, organisiert als städtischer Bilderverleih mit zurzeit rund 500 Exponaten. 95 Prozent der Exponate gehören der Stadt Buxtehude, der Rest sind langjährige Leihgaben. „Die Buxtehuder Artothek hat sich zur Aufgabe gemacht, von allen regionalen Künstlern mindestens ein Werk in der Artothek zeigen zu können“, erläutert die zuständige Mitarbeiterin Susanne Wiegel. Für jedes ausgeliehene Kunstwerk wird ein Entgelt in Höhe von zurzeit sechs Euro für drei Monate erhoben. In diesem Betrag ist eine Versicherungsprämie enthalten.Die Artothek hat einen Jahresetat von 5.500 Euro. Davon werden die Ankäufe (zwei Exponate im Jahr), Versicherungen und Reparaturen bezahlt. Hinzu kommen Personalausgaben in Höhe von 4.270 Euro im Jahr.
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