Kunst, Konzert und Kokossuppe

Kabarettist Felix Oliver Schepp bereitet sich auf seinen Auftritt vor. „Soviel Nähe zum Publikum – wo in Hamburg findet man das noch?“, schwärmt er über die Atmosphäre im „Komm du“. Foto: cvs
 
Aktuell ist reichlich Betrieb im Kulturcafé „Komm du“. „Freizeit haben wir fast keine mehr“, sagen Britta Barthel und Mensen Chu. Foto: cvs

Drei Jahre nach seiner Eröffnung hat sich das Kulturcafé „Komm du“ zu einem gefragten Treffpunkt entwickelt.

Von Christopher von Savigny. Wenn Britta Barthel und Mensen Chu auf ihre Anfänge angesprochen werden, kommen sie erstmal ins Grübeln. „Wir haben ganz schön kämpfen müssen", sagt Barthel, die seit gut drei Jahren zusammen mit ihrem Partner Chu das Kulturcafé „Komm du“ in der Buxtehuder Straße betreibt. Inzwischen habe sich der Wind komplett gedreht. „Wir werden regelrecht überrannt“, berichtet die junge Gastronomin. „Das ist angenehm. Aber dafür gibt es auch viel tun!“.
„In der Nacht vor der Eröffnung noch gestrichen“
Die Geschichte von Harburgs wohl ungewöhnlichstem und vielseitigsten Kulturtreff beginnt in Großbritanniens quirliger Metropole London. Barthel – von Haus aus gelernte Tanztherapeutin – findet einen Aushilfsjob in einem Pub und lernt dort Chu kennen, der in der Küche arbeitet. Chu, aufgewachsen in Bayern, liebt die englische Kneipenkultur, wo es weniger hektisch zugeht als in Deutschland und „man auch mal sitzen bleiben darf, ohne etwas zu bestellen“. Seine deutsche Arbeitskollegin träumt eigentlich von einer künstlerischen Laufbahn. Zumindest will sie anderen die Möglichkeit bieten, sich selbst zu verwirklichen. „Ich habe so viele Künstler getroffen, die mangels Gelegenheit nicht auftreten konnten", berichtet sie. „Denen wollte ich eine Bühne bieten!“
Die beiden planen, etwas eigenes auf die Beine stellen. Die Wahl fällt auf Harburg, weil Barthels Eltern in der Nähe wohnen. Und weil die Mieten bezahlbar sind und man die Möglichkeit sieht, sich frei von Trends und Geschmäckern entfalten zu können. Die Räume unweit des Harburger Amtsgerichts, in denen zuletzt ein afrikanischer Kulturverein zu Hause war, sind zwar günstig, müssen aber dringend renoviert werden. Fünf Wochen lang wird geschuftet, werden Wände gestrichen, Parkettböden abgeschliffen und abgenutzte
Tische und Stühle aufgemöbelt. Als wahres Monstrum erweist sich die völlig marode Theke, die zunächst von gammeligen Holzresten befreit wird. „Zum Schluss blieb ein 100 Kilo schweres Eisengestell übrig, über das sich der Altmetallhändler gefreut hat“, erinnert sich Chu.
Den Tresen baut der Bayer mit chinesischen Wurzeln in tagelanger Arbeit wieder zusammen, wobei ihm seine Ausbildung als Tischler hilft. Ganz zum Schluss wird es nochmal richtig knapp. „In der Nacht vor der Eröffnung habe ich noch gestrichen“, erzählt Chu. Trotz Warnung sei der eine oder andere am Folgetag an der frischen Farbe hängen geblieben. „Aber wir hatten es geschafft“, sagt er.

Lärmbeschwerden? Die Buxtehuder Straße ist lauter

Heute hat sich das „Komm du“ zu einem gefragten Treffpunkt mit exquisiter Küche und einem abwechslungsreichen Kulturprogramm entwickelt. Jeweils donnerstags steht Kleinkunst auf dem Programm, freitags gibt's Livemusik. Alle zwei Wochen steht auch sonnabends jemand auf der lediglich drei mal vier Meter großen Bühne.
Bis zu 75 Gäste finden im „Komm du“ Platz. „Im Notfall kriegen wir auch mal 90 rein“, sagt Chu. Es gilt das Motto: Kunst gegen Spende. Am Ende der Veranstaltung geht der Hut herum. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Barthel. Eintrittsgelder seien bislang nicht erhoben worden, weil der organisatorische Aufwand zu groß sei. Lärmbeschwerden haben die Betreiber im Übrigen nicht zu befürchten: Nachbarn – zumindest krachempfindliche – gibt es nicht, und vor dem Haus befindet sich die (meist viel lautere) Buxtehuder Straße.
Ein Wort zur Küche: Gäste haben die tägliche Auswahl zwischen einer Hauptspeise und einer Suppe – an Veranstaltungstagen kommt ein weiteres Hauptgericht hinzu. Mensen Chu kocht gerne exotisch-raffiniert („Kürbis-Kokos-Suppe“), manchmal auch chinesisch („Kalte Nudeln“) oder bayerisch („Rostbratwürstchen mit Sauerkraut“). „Je nachdem, was zur Jahreszeit passt“, sagt er. Auch das Backwerk wird im „Komm du“ selbst zubereitet. Auf der Speisekarte finden sich edle Kreationen wie etwa die Feigen-Schoko-Mousse-Torte oder – alternativ – der klassische Apfelkuchen.

Benannt nach einer Kurzgeschichte

Benannt ist das „Komm du“ übrigens nach einer Kurzgeschichte, die der Vater von Britta Barthel vor rund 40 Jahren verfasst hat. Es handelt sich – vereinfacht gesagt – um eine Aufmunterung, auf andere zuzugehen, sie kennenzulernen. Persönlich, direkt und analog sozusagen. Heute – in Zeiten von Internet und Facebook – aktueller denn je.

Kulturcafé Komm du

Buxtehuder Straße 13, Tel. 57 22 89 52
Montag bis Freitag 7.30 bis 17 Uhr, Sonnabend 9 bis 17 Uhr an Veranstaltungstagen bis 22.30 Uhr
www.komm-du.de
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.