Kolumne: Zwei junge Frauen

Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Über junge Frauen zu schreiben, fällt unserem Flaneur leicht. Vor allem, weil er inzwischen aus dem Alter heraus ist, wo sich junge Frauen für ihn interessieren. Es bleibt ihm nur das Schreiben.
Dies ist nicht so schwer, wie manche Leser vielleicht meinen mögen. Denn eigentlich verzichtet er gerne auf das „rough and tumble“ (Raufen und Kämpfen) in der Liebe. Ob die Liebe zu den Frauen uns Männern mehr Glück oder Leid beschert, ist eine Frage, die wohl nicht leicht zu beantworten wäre. Dem Flaneur hat diese Liebe auf jeden Fall keine langfristige Befriedigung gewährt.
Über diese zwei Frauen zu schreiben, ist deswegen leicht, weil sie beide eine überragende künstlerische Begabung in unsere Welt gebracht haben.
Sie heißen Anna Fedorova und Ksenia Bashmet, beide, wie sich’s gehört, aus dem weiten Osten Europas, wo die Menschen noch nicht die Fähigkeit verloren haben, tief und echt zu empfinden. (Was für eine Schuld am Verderben unseres Menschseins trägt der im Untergang begriffene Spätkapitalismus!)
Anna kam in der Ukraine auf die Welt und zwar 1990. Ksenia bereits zehn Jahre früher in Moskau. Die Familien beider Mädchen waren hochmusikalisch. Das Talent beider wurde früh erkannt. Sie kamen dann in entsprechende Schulen für musikalisch besonders begabte Kinder. Keine der beiden scheint dabei Schaden genommen zu haben. Anna hat viele Bilder auf ihrer Webseite gestellt, und zwar auch casuals (Alltagsbilder), nicht nur die Hochglanzproduktionen der Künstleragenturen. Da sieht man eine völlig normale, lebenslustige, lachende junge Frau, einmal sogar mit dem Pianisten Alfred Brendel.
Dennoch ist sie mit Sicherheit in ihrem Künstlertum keine normale junge Frau. Wer es dem Flaneur nicht glaubt, klickt sich auf YouTube zu dem Amsterdamer Konzert durch, wo sie das hoch romantische zweite Klavierkonzert von Rachmaninov spielt. Die junge Frau spielt nicht „normal“. Sie spielt „göttlich“. Der Flaneur findet kein anderes Wort für das, was wir dort auf YouTube erleben. Sie ist eine überragende Künstlerin.
Und Ksenia? Nun Ksenia hat der Flaneur nicht im Internet kennengelernt sondern leibhaftig in der Laieszhalle. Die etwas ungewöhnliche Geschichte erzählte er in seiner Kolumne vom 7. Februar, „CD der Woche“.
Ksenia ist anders als Anna. Anna ist eine ausgesprochen schöne, feminine Frau. Ksenia fesselte den Blick des Flaneurs aber durch eine ungewöhnliche Kraft. Als er sah, wie sie das Schnittke-Klavierkonzert spielte, meinte er, sie wäre dabei, den Flügel zu zertrümmern – und trotzdem war ihr Spiel hoch musikalisch! Falls Sie sich ihre CD mit Werken von Johann Sebas-tian Bach, Alfred Schnittke und Dimitri Shostakovich besorgen, wette ich 20 Euro, dass Sie noch nie solch einen Klaviereinsatz gehört haben wie im ersten Satz des Bach-Konzerts. Der Flaneur springt jedes Mal in die Luft und explodiert vor Freude, wenn er ihn hört!
Solange es solche Annas und Ksenias auf der Welt gibt, lässt Gott sie gewiss noch nicht untergehen!
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1 Kommentar
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Andreas Steffes aus Harburg | 01.03.2015 | 01:55  
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