Kolumne: Google und die Achtsamkeit

Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Google weiß alles über uns. Deshalb hassen wir Google.
Ob wir dabei Recht haben, ist eine andere Frage.
Die allerintelligentesten Amerikaner arbeiten für Google. Googles Mitarbeiter erzielen die besten Ergebnisse beim SAT (Scholastic Achievement Test – die Prüfung, die junge Amerikaner bestehen müssen, wenn sie zur Uni wollen). Sie sind alles anders als dumm. Sie lassen sich nichts vormachen.
Natürlich wollen sie, dass ihre Firma Erfolg hat.
Und die Chefs wollen ebenso die Leistungen ihrer Mitarbeiter optimieren.
Dabei geht Google ungewöhnliche Wege.
Welche Mitarbeiter erzielen denn die besten Ergebnisse?
Nicht diejenigen, die man unter Druck setzt, oder diejenigen, die man mit Sanktionen zu guten Leistungen zwingen will.
Sondern – und der gesunde Menschenverstand weiß, dass es stimmen muss – diejenigen, die mit sich im Reinen und die zufrieden und friedlich sind. Diejenigen, die mit ihren Kollegen konstruktiv kommunizieren und mitarbeiten können und diejenige, die die kreativs-ten Ideen haben.
Raubtierkapitalismus war gestern.
Google greift zurück (man höre und staune) auf das uralte Weisheitsgut der Menschheit. Die leitenden Angestellten ... lernen zu meditieren!
Das Program, das alle durchlaufen, heißt SIY, Search Inside Yourself, die Suche in euch selber.
Das Zauberwort ist „mindfulness“, zu Deutsch „Achtsamkeit“.
Genaueres ist in dem Google-Buch von Chade-Meng Tan, „Search Inside Yourself" (Verlag HarperCollins), zu lesen. (Mister Tan inspiriert und organisiert Achtsamkeitstraining für Googles ganze Belegschaft. Und die Trainings sind Pflicht.)
Auf dem Einband lesen wir die erstaunlichen Wörter von Eric Schmidt, Googles Vorstandsvorsitzenden: „Dieses Buch und die Kurse, denen es entstammt, sind einer der wichtigsten Aspekte der Google-Kultur.“
Nun ist „Achtsamkeit“ ein Modewort geworden. Frustrierte Hausfrauen und ihre überarbeiteten Ehemänner, gestresste Lehrerinnen und verzweifelte Taxifahrer melden sich für Achtsamkeitskurse an. Abiturienten unter Prüfungsstress und ausgebrannte Ärztinnen bekommen Anleitungen zur Achtsamkeit als Überlebenshilfe.
Da es aus den USA kommt, ist „Search Inside Yourself“ ein extrem praxisorientiertes Buch – und ein durch und durch humorvolles. Wie vor 2.500 Jahren im altindischen Yoga ist für Mr Tan die Aufmerksamkeit für das Atmen wichtig.
Er schreibt dazu: „Nur ein Atemzug pro Tag. Ich bin vielleicht der faulste Achtsamkeitstrainer der Welt, weil ich meinen Studenten sage, sie müssen sich nur verpflichten pro Tag einen Atemzug in Achtsamkeit zu nehmen. Nur einen. Atme einmal ein und atme einmal aus mit Achtsamkeit („mindfully“) und du hast dein Soll für den Tag erfüllt. Alles weitere ist ein Bonus.“
Wir könnten es „Achtsamkeit light“ nennen.
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